09. Dezember 2013

Dem Elternbett entwachsen

Die meisten Kinder kriechen gerne im Elternbett unter die Decke. Diese Geborgenheit ist wichtig, und ab einem gewissen Alter schlafen die Kleinen von selbst im eigenen Bett durch.

Gedränge im Bett
Gedränge im Bett: Nicht gut für die Schlafqualität, 
für die gesunde Entwicklung der Kinder aber schon. (Bild: Plainpicture)

Welche Eltern kennen das nicht: Mitten in der Nacht geht die Schlafzimmertür auf, eine kleine Gestalt huscht herein und will zu Mama und Papa ins Bett schlüpfen. Andere Kleinkinder weigern sich von vornherein, im eigenen Bett zu schlafen. Was können Eltern tun, um die Frage «Wer schläft wo?» nicht zum allabendlichen Kampf werden zu lassen? Für Sibylle Lüpold, Autorin des Buchs «Ich will bei euch schlafen! Ruhige Nächte für Eltern und Kinder», ist die Antwort klar: «Babys und Kleinkinder schlafen am besten nahe einer Bezugsperson.»

Die Stillberaterin in Herrenschwanden bei Bern weiss aus ihrer beruflichen Erfahrung: Eltern, die ihr Kind ab Geburt bei sich schlafen lassen, haben am wenigsten Stress. «So verknüpfen die Kleinen Einschlafen und Dunkelheit gar nicht erst mit unangenehmen Gefühlen. Sie bauen Vertrauen auf, dass sie nicht allein gelassen werden, und schlafen entspannt ein», erklärt Sibylle Lüpold.

Die meisten Kinder wachen in den ersten beiden Lebensjahren nachts relativ häufig auf. Das ist normal. Trotzdem sind viele Eltern verunsichert, vor allem wenn sie von wohlmeinenden Mitmenschen den Rat bekommen, von Anfang an durchzugreifen, damit sich das Kind nicht zum Tyrannen entwickle. «Wird ein Kind in den ersten Jahren rund um die Uhr feinfühlig betreut, entwickelt es sich eben nicht zum Tyrannen, sondern kann seine Selbständigkeit optimal entwickeln», relativiert Sibylle Lüpold.

Bei den Eltern schlafende Kinder sind ausgeglichene Kinder

Kinder, die diese Nähe nicht bekommen hätten, seien ständig auf der Suche nach der verpassten Zuwendung. «Sie reagieren später oft fordernd, ängstlich oder aggressiv.» Gemeinsames Schlafen bietet diese Zuwendung. Was aber, wenn Eltern um ihre sexuelle Beziehung fürchten? «Eine einfache Lösung gibt es nicht, hier müssen die Eltern einen Weg finden, der für beide stimmt», sagt Sibylle Lüpold. Von Schlaftrainings wie der Ferber-Methode, bei der die Kinder trotz Tränen «trainiert» werden, allein einzuschlafen, rät sie ab. Das Training führt manchmal zu einem scheinbaren Erfolg. Genau genommen sei es aber ein emotionaler Rückzug des Kindes. «Die Frustration darüber, dass niemand kommt, wenn es Angst hat und schreit, kann die Eltern-Kind-Beziehung dauerhaft belasten», weiss die Stillberaterin.

Ein Trost: Schon nach dem zweiten Geburtstag verbessert sich die Situation, auch ohne spezielle Trainings. Mit etwa drei Jahren, so Sibylle Lüpolds Erfahrung, schlafen viele Kinder im eigenen Bett durch.

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