12. September 2018

Das Kreuzfahrtschiff macht Lust auf Meer

Schlemmen, Golfen, Pokern, Nacktbaden: Auf Kreuzfahrtschiffen gibt es nichts, was es nicht gibt. Das Geschäft mit den schwimmenden Städten boomt. Eine Reportage von den 18 Decks der «Aidaprima»

Kreuzfahrtschiff «Aidaprima
Liebesgrüsse aus Palma: die «Aidaprima» mit ihrem überdimensionalen Kussmund im Hafen von Palma de Mallorca.

«Let me reach, let me beach far beyond the Yellow Sea»: Enyas «Orinoco Flow» ertönt aus den Lautsprechern, als die «Aidaprima» den Hafen von Barcelona verlässt. Eine leichte Brise vertreibt die Hitze des Tages. Die katalanische Stadt verschwindet am Horizont. Der erste Eindruck von diesem Koloss eines Schiffes mit dem überdimensionalen Kussmund am Bug überrascht: Die Formalitäten sind im Nu erledigt, die Koffer bereits in der Kabine. Das erstaunt, immerhin handelt es sich bei der «Prima» um ein Kreuzfahrtschiff, das auf 300 Metern Länge stolze 3250 Passagiere, 1643 Kabinen und gut 900 Crewmitglieder beherbergt.

Leichte Schwindelgefühle

In der Kabine angekommen, sorgt das hier aufliegende Tagesprogramm «Aida heute» für leichte Schwindelgefühle: Um 18 Uhr soll man sich mit Schwimmweste ins doppelstöckige Theater begeben, um den Sicherheitsanweisungen der Offiziere zu folgen – eine Pflichtübung, welche die internationale Seefahrt verlangt. Danach muss man sich zwecks Abendessen für eines der rund ein Dutzend Restaurants entscheiden. Oder soll man vorher noch kurz zu den Kunsthühnern auf Deck 7? Sie wurden von einer schwedischen Designerin gestaltet und sind im Blumenshop mit dem sinnigen Namen Blütenmeer ausgestellt.

Disco auf der «Aidaprima»
Das Sonnendeck verwandelt sich nachts oft in ein Partydeck unter freiem Himmel.

Aber halt, zu viel Trödeln liegt nicht drin, denn um 19 Uhr beginnt bereits die Rockshow «Addicted to Love», etwas später das Pokerturnier im Casino. Und wer zu lange mit Programmstudieren beschäftigt ist, verpasst um 22 Uhr garantiert «Cirque de la Lune», eine Darbietung, die im kabarettähnlichen Lokal Nightfly über die Bühne geht. Zur gleichen Zeit wird auf dem Sonnendeck unter Sternenhimmel auch noch das Welcome­Cüpli für Passagiere gereicht, die erst heute an Bord gekommen sind. Wer von der ganzen Informationsflut mittlerweile erschlagen ist, braucht vielleicht tatsächlich etwas Prickelndes, um wieder auf die Beine zu kommen – etwa, um mit DJ Volkan im Club D6 anschliessend unter dem Motto «We love 2 Party» bis in die frühen Morgenstunden abtanzen zu können.

Die besten Partys finden in der Küche statt

Dann fährt das Schiff in Palma de Mallorca ein, das trotz Touristenmassen zu den zauberhaften Städten am Mittelmeer gehört. Mit Korsika, Rom (ab Civitavecchia), Florenz oder der Cinque Terre (ab Livorno) läuft die «Prima» später weitere Perlen am Mittelmeer an. Für Unterhaltung ist praktisch rund um die Uhr gesorgt. So steht einmal eine Tour de Bar oder eine Poolparty an, dann steigt eine Whisky- oder Ginprobe, und auch Champagner und Rum wollen verkostet werden. Die besten Partys jedoch, so stehts im Programm, «finden in der Küche statt.» Für 39 Euro kann man im Kochstudio auf Deck 7 nach den Ideen von Tim Mälzer die eigenen Künste am Herd auf Trab bringen.

Gäste aller Altersstufen

Das riesige Angebot hat System: So verteilen sich die Passagiere wunderbar über die insgesamt 18 Decks. Das Leben an Bord ist leger, Gäste aller Altersstufen, Familien, Kinder oder Alleinreisende begegnen sich in einer lockeren Atmosphäre ohne Kleiderzwang oder fester Tischzeiten. Schliesslich ist man in den Ferien. Ein Gefühl von Massenandrang kommt höchstens in den Buffetrestaurants auf. Und wer einmal für sich sein will, findet jederzeit einen ruhigen Ort. Am Achterdeck etwa, oder im «Body & Soul»-Spa auf Deck 7, einem riesigen Fitnesscenter mit ebenso grosszügigem Angebot an Maschinen, Wellnessanwendungen und Kursen zu Yoga, Indoor-Cycling, Pilates, Power-Plate oder Faszien­Balance.

Sonnendeck der «Aidaprima»
Eine kleine Runde Minigolf auf dem Sonnendeck gefällig?

Wem das immer noch zu belebt ist, reserviert sich eine luxuriös ausgestattete Wellness-Suite. Oder begibt sich gleich auf Deck 18: Wie auf den anderen Aida-Schiffen befindet sich auch auf dem obersten Deck der «Prima» ein grossräumiger Bereich, in dem Nackedeis unter sich sind und – geschützt vor den Blicken Neugieriger – die Sonne am ganzen Körper geniessen können.

An diesem abgeschirmten Ort erholen sich die FKK-Gäste auch im Whirlpool. Nur müssen sie aufpassen, dass sie vor lauter Entspannung und Abgeschiedenheit die Ausschiffung in Barcelona nicht verpassen. Dann wohl wieder mit Kleidern.

Die Recherche dieser Reise wurde unterstützt von Aida Cruises in Rostock (D).

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