30. Juni 2017

Das Jahrzehnt der Katastrophen

Terror, Hitze, Tsunami, Finanzkollaps: In den 00er-Jahren brauchte man ein dickes Fell. Kaum war eine Krise vorbei, folgte schon die nächste. Das Swissair-Grounding erschütterte die Schweiz – 9/11 und die Finanzkrise schockierten die ganze Welt. Einiges wirkt bis heute nach: Die Wirtschaft erholt sich nur langsam, der Terror ist auch in Europa Alltag, und das Fliegen ist mühsam geworden.

9/11
Am 11. September 2001 steuerten islamistische Terroristen Verkehrsflugzeuge in die Türme des World Trade Centers in New York. Danach war die Welt eine andere.
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Rückblickend muss man es vielleicht als böses Omen sehen, dass es schon vor dem Start in die neue Dekade grosse Ängste vor den Nuller-Jahren gab. «Sekten im Weltuntergangs­fieber» titelte der «Spiegel» am 28. 12. 1999 und berichtete von Untergangspropheten, die für den Übergang ins neue Jahrtausend mit der in der Bibel verheissenen Apokalypse rechneten. Ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Auch die verbreitete Befürchtung, Computernetzwerke kämen mit dem Sprung von 1999 auf 2000 nicht klar, erwies sich als unnötig.

Das schreckliche Jahr 2001

Dafür kam es im Rest des Jahrzehnts knüppeldick. Im Frühling 2000 platzte die Internetblase, die Börsen stürzten ab. Im November 2000 schafften die USA es nicht, auf Anhieb einen neuen Präsidenten zu wählen – nach wochenlangen Nachzählungen in Florida entschied das Oberste Gericht knapp für George W. Bush. 2001 folgten die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York, im gleichen Jahr begannen die USA in Afghanistan einen Krieg gegen die Taliban, der noch heute nicht wirklich beendet ist.

Die Schweiz erlebte 2001 das Grounding der Swissair, einen Amoklauf im Zuger Kantonsparlament sowie ein Flammeninferno im Gotthardtunnel mit elf Toten. 2003 starteten die USA unter Behauptung falscher Tatsachen den Irakkrieg (ebenfalls noch nicht wirklich beendet), derweil Europa unter einer monatelangen Hitzewelle litt, die Zehntausende Tote forderte. Erstmals rückte der Klimawandel ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung.

Viele neue Ängste entstehen

Im März 2004 wurde Madrid Opfer von islamistischen Terroranschlägen, die Welt fürchtete sich vor der Vogelgrippe in Asien, und an Weihnachten starben rund 300 000 Menschen am Indischen Ozean wegen eines Tsunamis, darunter viele Touristen aus Europa. 2005 verwüstete der Wirbelsturm «Katrina» grosse Teile von New Orleans und schädigte die Ölindustrie im Golf von Mexiko so stark, dass die Rohstoffpreise stiegen.

So sah der letzte Brückenbauer aus

Ausgabe vom 18. Mai 2004

2007 begann der Immobilienmarkt in den USA zu kriseln, was 2008 zur schlimmsten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg führte, die nach und nach die ganze Welt erfasste. Die grösste Schweizer Bank, UBS, überstand sie nur dank eines staatlichen Rettungspakets.

Parallel dazu geriet die UBS in den USA unter Druck, weil sie US-Bürgern jahrzehntelang geholfen hatte, Steuern zu hinterziehen – es war der Anfang vom Ende des Schweizer Bankgeheimnisses. 2009 begann wegen Griechenland die Eurokrise, und die Angst vor einer Schweinegrippe-Pandemie ging um.

Die Nachwehen dieser Krisendekade spüren wir noch heute: Die Wirtschaft ist weiterhin angeschlagen, insbesondere die Arbeitslosigkeit bleibt in einigen Ländern Südeuropas erschreckend hoch. Der Islam hat den Kommunismus als neues Feindbild ersetzt, Populisten fordern Grenzen und Mauern. Die Menschen der westlichen Welt befürchten zunehmend, dass es ihren Kindern einst schlechter gehen könnte als ihnen. Und das Fliegen ist wegen der vielen neuen Security-Regeln noch mühsamer geworden. 

So sah das erste Migros-Magazin aus

Ausgabe vom 25. Mai 2004

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