04. Februar 2019

Das Fasnacht-ABC

Bald pfeifen die Narren wieder und werfen Orangen. Damit niemand im Fasnachtstrubel zwischen Basel und Luzern untergeht, helfen wir mit Fakten von A wie Aschermittwoch bis Z wie Zwiebelwähe.

Fasnachts-Umzug
B wie Basel: Während drei Tagen im Jahr ist die Fasnachtsstadt im Ausnahmezustand. (Bild: Keystone)
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A wie Aschermittwoch: Ein unpassender Anfang, denn der Aschermittwoch ist das Ende der Fasnachtszeit – dieses Jahr fällt er auf den 6. März. Eine Ausnahme gibt es, und zwar eine grosse: Basel. Die wohl bekannteste Fasnacht des Landes beginnt am Montag nach Aschermittwoch – daher kommt auch die Redewendung: «Du kommst ja wie die alte Fasnacht!»

B wie Basel: In der Rheinstadt wird neben Luzern die grösste Fasnacht der Schweiz gefeiert. Etwas haben die Basler den Innerschweizern aber voraus: Ihre Fasnacht gehört seit 2017 zum Unesco-Welt­kultur­erbe. Rund 12 000 Menschen nehmen in organisierten Gruppen daran teil.

C wie Clique: Cliquen sind Vereine, die sich der Fasnacht verschrieben haben. Viele Guggenmusiken (siehe «G») tragen den Begriff Clique im Namen, zum Beispiel Waelleschletzer­Clique oder Sumpfgluggere-Clique.

E wie Ehren-Födlebürger: Seit 1972 wird an der St. Galler Fasnacht der Ehren-Födlebürger gewählt und dann auf ihn geschossen – mit einer Konfettikanone. Gewählt wird, wer im vergangenen Jahr «Födle, Herz und Humor» bewiesen hat. Auch wenn «Födlebürger» nicht gerade wie ein Kompliment klingt, ist der Titel durchaus positiv gemeint.

Wer Ehren-Födlebürger 2019 wird, ist zurzeit das am besten gehütete Geheimnis in St. Gallen.

Michael Hüppi, Kanzler der Ehren-Födlebürger

F wie Fötzeliräge Einmal im Jahr regnen Papierschnitzel auf die Luzerner herab. Zum Urknall (siehe «U») gehören die wirbelnden Fötzeli dazu, wie Federn zum Indianerkostüm.

G wie Guggenmusig: Man hört sie von Weitem: Die sogenannten Guggen sind Blasmusikformationen, die an den Fasnachtsumzügen mitmarschieren oder an festen Standorten auftreten. Der Begriff stand früher vielerorts für Tüten – solche trugen die Musikanten anfangs des 20. Jahrhunderts als einfache Masken.

H wie Helfer: Ohne fleissige Helferinnen und Helfer keine Fasnacht. Sie sind Freiwillige oder Vereinsmitglieder und sorgen für einen reibungslosen Ablauf der Umzüge,
Fasnachtspartys und Verkaufsstände.

I wie Inthronisation: In vielen Fasnachtsgesellschaften wird vor dem Startschuss ein Ehrenmitglied gewählt, das bei den Anlässen einen besonderen Stellenwert einnimmt. Mit einer feierlichen Inthronisation tritt der oder die Auserwählte das neue Amt an.

J wie Jahreszeit: Während der Fasnacht liest man in Zeitungsartikeln von der «fünften Jahreszeit». Damit ist die Fasnacht gemeint, die mit ihren Eigenarten wie eine zusätzliche Jahreszeit daherkommt.

K wie Konfetti: Wer lange Haare hat und schon einmal an einer Fasnacht war, erinnert sich an sie: Die kleinen, bunten Papierschnipsel bleiben gnadenlos hängen – ab und zu findet man sie noch beim Ostereiersuchen.

L wie Larve: Die baseldeutsche Bezeichnung für Maske ist Larve. Die Guggen tragen jedes Jahr neue Larven, die mit viel Aufwand konzipiert und hergestellt werden. In Luzern heissen sie übrigens «Grinde».

Obwohl ich genau weiss, wie der Morgestraich abläuft, habe ich jedes Mal Hühnerhaut.

Pia Inderbitzin, Obfrau des Fasnachts-Comité Basel

M wie Morgestraich: Die Basler Fasnacht beginnt mit dem Morgestraich morgens um vier Uhr. Die Lichter der Innenstadt werden gelöscht, und Tausende von Trommlern und Pfeifer spielen das gleichnamige Marschmusikstück «Morgestraich».

O wie Orangenauswerfen: Traditionell werden an der Fasnacht in Luzern Orangen in die Menschenmenge geworfen. Ein Überbleibsel aus der Zeit, in der die Früchte als Luxusgut galten. Noch heute sind die ausgeworfenen Köstlichkeiten sehr beliebt.

P wie Plakette: Zu jeder grösseren Fasnacht gehört eine eigens dafür angefertigte Anstecknadel aus Metall. Sie kann als  symbolischer Eintrittspreis gesehen werden. Es ist Ehrensache, die Plakette an der Jacke oder am Mantel zu tragen.

R wie rüüdig: Als «rüüdiges Treiben» wird die Luzerner Fasnacht gern bezeichnet. Oder als «rüüdig schön!» Das Verstärkungswort steht für «sehr» und wird an der Luzerner Fasnacht inflationär verwendet.

S wie Schnitzelbank: Der Schnitzelbank ist ein Spottlied, das in Versen vorgetragen wird. Es behandelt Themen, die weltweit oder regional aktuell sind. Oft enden die Schnitzel­bänke in einer überraschenden Pointe. 

T wie Tambourmajor: Er führt eine Guggenmusig an und hat einen langen Stab bei sich. Mit diesem vollführt er weit ausholende Bewegungen, während er den Trommlern voranschreitet und sie dirigiert.

U wie Urknall:  Wie wohl alles Leben mit dem Urknall begann, startet dasjenige des Luzerner Fasnächtlers ebenfalls damit. Und zwar am Schmutzigen Donnerstag morgens um fünf Uhr. Hunderte von Guggenmusikern blasen und schränzen aus Leibeskräften oder schlagen auf die Trommeln und Pauken. In allen Gassen beginnt es zu rumoren; die Fasnacht hat begonnen.

V wie Verhaltensregeln: Als Fasnachtsbesucher sollte man: während eines Umzugs nicht durch die Formation laufen; seine Kinder im Auge behalten; Respekt haben vor der tagelangen Arbeit, die hinter gewissen Masken und Kostümen steckt.

Bei einem Umzug kann leicht jemand verletzt werden, da wir durch die Grinde nicht viel sehen.

Linus Jäck, Präsident «Die Vereinigte» Luzern

Z wie Zwiebelwähe: An der Basler Fasnacht ist die Zwiebelwähe Kult. Aus rund 1,5 Tonnen Zwiebeln werden etwa 3000 Zwiebelwähen gemacht, die innert der «drey scheenschte Dääg» verputzt werden.

Z zum Zweiten wie «Zzzzzzz»: So tönt es aus den Schlafzimmern von Bern bis Basel, vom Wallis bis in den Aargau , wenn die Fasnacht vorbei ist. Gute Erholung!

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