30. Juni 2017

Das Ende der LdU-Ära

1999 löste sich der Landesring der Unabhängigen selbst auf. Die Partei von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler hatte die Schweizer Politik während Jahrzehnten mitgeprägt.

LdU-Auflösungsparteitag
Lange Gesichter am LdU-Auflösungsparteitag am 4. Dezember 1999 in Aarau. (Bild: Keystone)
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An einem kalten Dezembertag 1999 ging im Restaurant Schützen in Aarau eine Epoche zu Ende. Die Delegierten des Landesrings der Unabhängigen (LdU) beschlossen nach der Wahlschlappe bei den Parlamentswahlen im Herbst die Auflösung. 63 Jahre hatte die Partei von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler Bestand gehabt und in dieser Zeit die Schweizer Politik auf nationaler, kantonaler und lokaler Ebene mitgeprägt. Auf seinem Höhepunkt bei den Wahlen 1967 hatte der LdU 9,1 Prozent der Stimmen geholt und war mit 16 Sitzen im Nationalrat und mit einem Sitz im Ständerat vertreten. Danach war es mit der grössten Nichtregierungspartei langsam, aber kontinuierlich bergab gegangen.

Eine der letzten Vertreterinnen des LdU von nationaler Bedeutung war die Zürcherin Monika Weber, die 1987 den Sprung in den Ständerat schaffte und 1991 und 1995 wiedergewählt wurde. «Die Zeiten hatten sich geändert, neue Parteien drängten in die Politik», sagt die heute 74-Jährige über das Ende des Landesrings. Dennoch schaut sie mit Stolz zurück: «Der Stärkere ist für den Schwächeren da, das war unser Motto, dem wir alle nachlebten.»

Monika Weber (Mitte) nach ihrem Einzug in den Ständerat 1987, bei dem sie sich gegen Christoph Blocher (links) durchgesetzt hatte. (Bild: Keystone)

Fehlt der Landesring in der heutigen Parteienlandschaft der Schweiz? «Die Parteien einer Zeit repräsentieren die dominierenden Meinungen und Einstellungen dieser Zeit. Was aber sicher ist: Heute ist mir keine Partei bekannt, die für das ‹soziale Kapital› eintritt, also dass Unternehmen, denen es gut geht, etwas für die Allgemeinheit tun sollten. Das ist schade», so Weber.

Der Erfolg des Landesrings gründete zu einem guten Teil auf starken Persönlichkeiten wie Monika Weber, aber auch Lokalpolitikern wie den langjährigen Zürcher Regierungsräten Sigmund Widmer und Alfred Gilgen. Kraft ihrer Prominenz blieben die zunehmenden Richtungskämpfe zwischen dem rechten und sozialliberalen Flügel ebenso unter dem Deckel wie der Umstand, dass der Landesring stets eine Deutschschweizer Erscheinung geblieben war. Bis es nicht mehr ging.

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