30. November 2015

Das bringt ein Stehpult

Viele (mehrheitlich) im Büro Arbeitende leiden unter Beschwerden oder zumindest Bewegungsmangel. Auch ein auf Stehhöhe verstellbares Pult schafft Abhilfe.

Sie arbeitet gesünder als er
Sie arbeitet (trotz optimierbarem Schuhwerk ...) eher gesünder als er. (Bild: Getty Images)

Die Erkenntnis beginnt sich durchzusetzen, dass selbst in der Schule das tagelange Sitzen am Pult nicht sehr gesund ist. Erste Institutionen gehen bereits dazu über, einzelne Zimmer mit Stehpulten auszustatten.

In der Arbeitswelt sind verstellbare ergonomische Tische schon länger ein Thema. Allerdings gelangen sie in der Regel erst bei Angestellten (in für Gesundheitsförderung sensibilisierten Unternehmen) und Selbständigen zum Einsatz, die bereits Probleme mit dem «Vollzeitsitzen» aufweisen – meist mit einer ärztlichen Diagnose dazu: Am verbreitetsten sind Rückenschmerzen, ausgehend von der Bandscheibe oder von Teilen der Wirbelsäule.

Danach erhält die oder der Betroffene häufig ein höhenverstellbares Pult. Das heisst, dass man den meisten nicht einen Tisch ins Büro stellt, der ausschliesslich stehend in genau einer Höhe verwendet werden kann. Die Idee ist, dass sich jemand schrittweise ans gesündere Stehen gewöhnt, bei grosser Müdigkeit auch wieder eine Weile sitzen kann. Die Passiveren, die noch nicht über gravierende Rückenschmerzen klagen, stellen das Pult bisweilen auch erst in die höhere Position, wenn sich im Tagesablauf erste Beschwerden ankündigen.

Wechselnde und richtige Position

Eines vorweg: Das Stehpult allein stellt nicht die Lösung aller Probleme dar. Hat man gravierende Rückenschmerzen, genügt das Stehen beim Job – ohne weitere Bewegung im Alltag, auf den Fall abgestimmte Therapie oder zeitweise Medikamente – häufig nicht für eine markante Verbesserung.

Auf der anderen Seite benötigen nun nicht alle ein verstellbares Pult für Büroarbeit. Wer keine Beschwerden verspürt und neben dem Bürojob mehrmals wöchentlich etwas Sport treibt, kann getrost sitzen bleiben. Wobei: sitzen bleiben eben nicht!
Denn bezüglich Arbeiten auf dem Bürostuhl lautet die wichtigste Regel der Ergonomie-Experten seit rund zwei Jahrzehnten eindeutig: Wechseln Sie möglichst häufig, etwa alle 15 bis 20 Minuten, die Sitzposition. Das ist noch wichtiger als die möglichst ideale Sitzposition, Arm- und Händehaltung, Abstand zum Bildschirm und dessen Höhe. Die schlimmste Arbeitshaltung ist ... über mehrere Stunden dieselbe.

Im Übrigen gilt auch für die Computerarbeit im Stehen, dass die Haltung ca. drei Mal stündlich oder häufiger gewechselt werden sollte. Die meisten Leute tun dies automatisch, weil die (einseitigen) Belastungen im Stehen eben viel schneller auffallen als im Sitzen. Hat man das Stehpult neu, empfiehlt sich anfangs ein Hin-und-her zwischen Stehen und Sitzen (alle 30 oder 60 Minuten). Mit der Zeit können die Stehend-Perioden verlängert werden.

Die aktivere Arbeitshaltung

Sicher sorgt jedoch ein zu mindestens 50% in der Höhe fixiertes Stehpult für deutlich weniger bürobedingte Schäden. Und dies nicht nur in Bezug auf die ganze Rückenpartie und den Nackenbereich, die aktivere Position im Stehen sorgt oft auch für eine lockerere Arm- und Fingerhaltung beim Tippen auf der Tastatur oder dem Operieren mit der Maus.
Zum andern verhilft regelmässiges Stehen auch zu höherer Konzentration, bisweilen gar für offeneres Auftreten und Kommunizieren.

Die wichtigsten Vorteile in der Übersicht:

1. Skelettstruktur, teils auch Bänder werden gleichmässiger (und im regeren Wechsel) belastet. Dafür riskiert man weniger Rücken- oder Nackenschmerzen. Tendenziell tritt zudem eine vornüber gebeugte Oberkörper- und Kopfposition viel seltener auf. Vielleicht am markantesten fällt der geringere Bandscheiben-Innendruck ins Gewicht.

2. Die lockerere Armhaltung und Handauflage auf der Tastatur, einem Manuskript oder der Tischplatte mindert die Risiken von Sehnen- und Bänderschäden oder Überbeinbildung.

3. Die stehende Arbeitsposition fördert die Herztätigkeit und bringt den Kreislauf in Schwung. Die Atmung funktioniert freier, die ist Luftzufuhr ungehindert, und auch die Blutzirkulation mit Versorgung sämtlicher wichtiger Organen ist besser gewährleistet.
Nebeneffekte

1. Die meisten der im Büro Arbeitenden stellen eine etwas höhere Konzentrationsfähigkeit fest. Sie empfinden ihren Zustand allgemein als wacher, fühlen sich leistungsfähiger, die Produktivität als höher. Unklar ist, ob in derselben Zeit ohne Pausen wirklich entsprechend mehr erledigt wird – gewisse Experten sprechen generell von 20% mehr Hirnleistung –, oder ob es Betroffenen schlicht auffällt, wenn sie feststecken und Pausen oder Feierabend benötigen ...

2. Häufig stellen hauptsächlich am Computer Beschäftigte fest, dass Sie in der Kommunikation dynamischer, initiativer und aktiver wirken, nur schon beim Telefonieren.

3. Beinahe alle (auch) im Stehen Tätigen stellen nicht nur mehr Effizienz in der einzeln geleisteten Arbeit fest, sondern vor allem auch deutlich schneller abgeschlossene Kurzbesprechungen und Sitzungen. Wer hält schon gern ganz aufrecht lange Monologe.

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