23. August 2017

Das andere Dreiländereck

Das Saarland grenzt an Luxemburg und Frankreich. Dieses Dreiländereck mit zahlreichen Attraktionen ist geradezu prädestiniert für ein verlängertes Wochenende.

Schengen
Mehr als bloss ein Abkommen: Das kleine Winzerdorf Schengen in Luxemburg liegt wunderschön an der Mosel. Diese Aussicht bietet sich vom Weingut Henri Ruppert.

Das Saarland ist flächenmässig etwas kleiner als der Kanton Tessin und damit das kleinste deutsche Bundesland. Touristisch wird es unterschätzt, obwohl die Weinberge um die Mosel für eine schöne Landschaft sorgen und in der Gegend viele Attraktionen warten.

Was für eine schöne Lage: Das Hotel Victor's Residenz befindet sich beim Schloss Berg. Am Horizont zeichnen sich die Rebberge Luxemburgs ab.

Wir haben uns als Aufenthaltsort für das Victor's Residenz-Hotel Schloss Berg entschieden, das sich im Weindorf Nennig und umgeben von Rebbergen befindet (Fahrtzeit mit dem Auto ab Zürich gut vier Stunden) und einen Wellnessbereich mit Hallenbad, Whirlpool, Saunen, Dampfbad, Solarium und Fitness hat. Die Lage oberhalb der Mosel und neben dem historischen Schloss Berg ist ruhig und privilegiert, denn das Fünf-Sterne-Superior-Haus mit 103 Zimmern und Suiten (nur mobile Klimageräte, dafür mit Wlan) ist nur 25 Kilometer von der Hauptstadt Luxemburg entfernt, 3 Kilometer von der Grenze zum Grossherzogtum (Dorf Remich), 56 Kilometer von der französischen Stadt Metz sowie 40 Kilometer von Trier.

Das 1997 eröffnete Haus ist zum Anziehungspunkt für Gourmets geworden, weil Dreisterne-Koch Christian Bau dort wirkt. Der Siebengänger «Paris-Tokio» kostet allerdings 245 Euro, der Viergänger ist für 160 Euro zu haben.

Der Eingang zum Hotel Victor's Residenz (Bild: Barbara Heinz).

Doch die Hotelgäste haben mit dem «Bacchus» mit seinen internationalen Spezialitäten und der italienisch-mediterranen Küche eine gute Alternative, die preislich deutlich weniger kostet. So bezahlt man für den sommerlichen Salat mit gebratenen Pfifferlingen 16.80 Euro, das zarte Filet vom Weideochsen 35.50 Euro, den Loup de Mer 25.50 Euro. Rustikaler und trotzdem gut sind die Gerichte in der «Scheune», dem dritten Speiselokal des Victor's.

Die Altstadt von Luxemburg figuriert auf der Liste des Unesco-Weltererbes.

Wir fahren nach Luxemburg. Die Altstadt mit ihren historischen Stadtvierteln und der Festung ist schon seit 1994 Teil des Unesco-Welterbes. Es lohnt sich, für die Hauptstadt mindestens einen ganzen Tag einzuplanen. Naschkatzen sollten einen Abstecher zur Oberweis machen, wo feinste Patisserien darauf warten, genossen zu werden. Die stadtbekannte Bäckerei ist gleich mit mehreren Filialen in Luxemburg vertreten. Wir haben den «Flagship-Store» an der Grand-Rue 16 besucht. Geheimtipp: In diesem Laden gibt es einen unglaublich starken Riesling der lokalen Winzerin Alice Hartmann. Dieser kostet 21 Euro und ist jeden Cent wert. Erstaunlich ist, dass der Preis bei Oberweis der gleiche ist wie auf dem Weingut der Winzerin!

Schengen und sein Europamuseum: unbedingt ein Besuch wert!

Weiter reisen wir zum Winzerdorf und Grenzort Schengen mit seinem Europamuseum und dem gleichnamigen Schloss, wo einst der Schriftsteller Victor Hugo ein paar Wochen verbrachte. Das Migros-Magazin hat darüber schon vor zwei Jahren einen Artikel geschrieben. Schengen ist eben mehr als nur ein Abkommen und hat Frankreich und Deutschland als Nachbarn. Tipp: Vom Weingut Henri Ruppert ist die Aussicht auf das Dorf spektakulär. Dort kann man am Wochenende oder auf Voranmeldung auch Weine degustieren - zu 2 Euro das Glas und diese auf der herrlichen Terrasse zusammen mit ein paar Häppchen geniessen. Ich empfehle den Crémant «Esprit de Schengen», der so manchen Champagner in den Schatten stellt und zwölf Euro kostet. Der Pinot Gris ist ebenfalls ein Kauf wert.

Markus Boesen vom gleichnamigen Weingut hat eine eigene Linie kreiert mit terroirbetonten Lagen und handselektierten Trauben ausgewählter Rebstöcke.

Die weinselige Stimmung ist passend. Und so fahren wir entlang der Mosel bis zum Grenzdorf Remich und weiter zum Weingut Boesen , das politisch schon zur Pfalz gehört und auch eine Strausswirtschaft und ein Gästehaus betreibt. Die Preise der Weine sind unverschämt, unverschämt tief! Alois und sein Sohn Markus Boesen sorgen für sehr schöne Weine. Ich empfehle den lieblichen Weissen Bacchus (5 Euro), den es auch im Victor's gibt. Ebenso empfehlenswert ist der Spätburgunder Winzersekt Blanc de Noir (9.50) und der stärker schäumende, mit einer leichten Säure ausgestatteten Elbling-Winzersekt (8.50). Toll auch der Spätburgunder (6.50), die Cuvées White & Grey (7.50) und Red & Black (10.50) sowie der Green Rock (Sauvignon Blanc, 8 Euro). Und ein weiterer Wein wird begeistern, der jedoch noch im Barrique reift: Der Weissburgunder ist ab September 2017 zu 10.50 Euro lieferbar. Er ist wie die vorher erwähnten Tropfen Teil einer neuen Linie mit terroirbetonten Lagen und handselektierten Trauben ausgewählter Rebstöcke. Tipp: Zusätzlich nach den Edelbränden und dem «Ferdinand's Saar Dry Gin» fragen.

Trier begeistert mit der schönen Altstadt und Unesco-Welterben.

Am nächsten Tag steht Trier an, Deutschlands älteste Stadt. Und Trier begeistert wie die Weine von Boesen! Gleich drei Unesco-Welterbe stehen zur Auswahl: der Dom, die gotische Liebfrauen-Basilika (im Stil der französischen Hochgotik 1227 erbaut), die gleich daneben steht, sowie die Konstantin-Basilika. Die Attraktionen befinden sich nur wenig Fussminuten voneinander entfernt. Und vor der Konstantin befindet sich ein kurfürstliches Palais aus dem 17. Jahrhundert im schönsten Rokoko-Stil.

Nach so viel Architektur und Kultur wird es wieder Zeit für eine Einkehr: Ich empfehle die Weinstube Kesseltstatt , weil sie sich vis-à-vis des Doms von Trier befindet, schmackhafte, regionale Speisen anbietet und sehr preiswert ist. Das Lokal hat Selbstbedienung (bestellt und bezahlt wird an der Kasse, danach werden die Speisen gebracht). So bietet sich nachher mehr Zeit zum Entdecken der Stadt.

Trier weist zahlreiche römische Spuren auf. Und diese römische Spuren kann man auch in der Umgebung von Victor's entdecken. So ist das römische Mosaik in Nennig mit seiner Grösse von 160 Quadratmetern das grösste nördlich der Alpen. Und die römische Villa Borg (Eintritt fünf Euro) ist nach mehr als 25 Jahren Ausgrabung und Rekonstruktion zu einem der Anziehungspunkte in der Region geworden. Der gesamte Komplex veranschaulicht die Aspekte des römischen Landlebens. Von der Villa aus gibt es auch einen Wanderweg zu einem Teich. Auch das ist das Saar-Schleifenland, das zum Dreiländereck gehört und zum Wandern, Biken und zum Golfspielen (18 Loch im luxemburgischen Canach, 27 Loch im französischen Rentgen) einlädt.

Die römische Villa Borg informiert über das ländliche Leben zur Zeit der Römer.

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