25. Oktober 2017

Dank Meditation ein glückliches Paar

Was in allen Lebenslagen empfohlen wird, soll auch in der Partnerschaft helfen: die Meditation. Sie führt zum Kontakt mit sich selbst und ermöglicht eine glückliche Beziehung. Das sagen die Paarberater Eva-Maria und Wolfram Zurhorst.

Glückliches Paar
Meditation führt zu Präsenz und ermöglicht damit auch Nähe zum anderen Partner. (Bild: Sarah Lawrence/Getty Images)

Sie geben Paarkurse in Deutschland, Österreich und der Schweiz – was ist bei den Schweizern anders?

Eva-Maria Zurhorst: Die Probleme sind die gleichen. Aber Schweizer sind mit Themen, die sehr nahegehen und intim sind, meist zurückhaltender.

Dabei fordern Sie eine radikale Offenheit dem Partner gegenüber.

Eva-Maria Zurhorst: Ja, das muss man lernen. Zu uns kommen oft Paare, die schon viele Kommunikationsformen gelernt haben. Das ist aber Oberflächenkosmetik. Es geht darum, ehrlich zu werden.

Warum nicht?

Eva-Maria Zurhorst: Zur Liebe gehören alle Gefühle, die da sind. Wenn ich ein Gefühl wie Wut nicht haben will, unterdrücke ich unbewusst sämtliche Gefühle.

Und wie werde ich offener?

Wolfram Zurhorst: Durch den richtigen Umgang mit Krisen. Diese sind wichtig für Beziehungen – und nicht deren Ende, ­sondern eine Chance für einen Neustart.

Eine Trennung kommt gar nicht infrage?

Wolfram Zurhorst: Unsere Botschaft ist nicht «Sie müssen jede Ehe durchhalten». Das wird häufig falsch verstanden.

Die grosse Frage aber ist, wie kommt ein Paar aus der Krise?

Wolfram Zurhorst: Indem man den Fokus vom anderen auf sich selbst richtet. Entscheidend ist nicht Partnerliebe, sondern Eigenliebe.

Wie komme ich zur Selbstliebe?

Eva-Maria Zurhorst: Durch Meditation. Ich muss still werden, um zu spüren, was ich fühle und will. Das hört sich simpel an, führt aber zu einem Aha- Erlebnis. Auch Männer sind verblüfft, wie klar sie auf einmal emotionale Zusammenhänge erkennen und wie viel entspannter sie werden.

Meditation ist in Mode, jetzt wird sie auch noch zur Beziehungshilfe?

Eva-Maria Zurhorst: Sie ist in der Krise der Schlüssel zur glücklichen Paarbeziehung, denn sie sorgt für innere Ver­änderungen und neue Konzepte im Kopf. Viele Paare leben nebeneinander her,hängen zusammen vor dem TV oder redenüber ­andere Leute. Aber sie schauen sich kaum in die Augen oder fragen den anderen nicht, wie es ihm wirklich geht. Um in echten Kontakt zu kommen, muss ich lernen, präsent zu sein.

Bringen Sie sie aufs Meditationskissen?

Wolfram Zurhorst: Nicht nötig. Meditieren geht auch im Zug oder in der Mittagspause. Auch Männer überzeugt es, wenn sie merken, dass sie danach fokussierter und präsenter sind und mehr bei sich. Und genau danach sehnen sich Frauen so sehr – nach einem Mann, der wirklich da ist, sei es im Gespräch oder beim Sex.

Was macht man bei handfesten Problemen wie Geldsorgen oder Fremdgehen?

Wolfram Zurhorst: Bei beiden fühlt sich ein Partner meist vom anderen abhängig. Oft fühlt sich einer kontrolliert und der andere ohnmächtig. Hier heisst es vor allem für den, der sich ausgeliefert fühlt: erst mal loslassen, zur Ruhe kommen und wieder Kraft schöpfen.

Das löst nicht die Geldnot oder die Angst vorm Verlassenwerden.

Eva-Maria Zurhorst: Gerade Frauen beklagen sich oft, dass sie gefangen seien, weil das Geld knapp ist. Wenn mein Partner schlecht mit Geld umgeht, muss ich eine Entscheidung treffen und in kleinen Schritten beginnen, für mich selbst zu sorgen. Am Anfang unserer Ehe, als junge Mutter in einer Beziehungskrise, wusste ich: Ich muss wieder selbständig werden. Also habe ich mit einem Minijob Geld verdient – nur um den Babysitter bezahlen und für meine Ausbildung lernen zu können.

Sie erzählen immer wieder über Ihre eigene Ehe, die fast auseinandergebrochen wäre. Wieso?

Eva-Maria Zurhorst: Wir sind keine Theoretiker, sondern ein Paar mit einer völlig normalen Geschichte. Wir haben uns durch Krisen weiterentwickelt, und das macht den anderen Paaren dann auch Mut. 

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