23. Januar 2018

Damit Heimweh daheim bleibt

Die Sehnsucht nach dem Daheim kann Kindern den Appetit verderben, den Schlaf rauben und gar die Freude am Skilager nehmen. Was tun gegen Heimweh?

Lagerleben ist für einige Kinder Spass
Das Lagerleben ist für einige Kinder purer Spass. Andere leiden, meistens abends im Bett. (Bild: Getty Images)
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Skilager – für viele Kinder und Jugendliche bedeutet das schlicht Schnee, Sport und Spass. Für einige jedoch sind diese Tage überschattet von einem grossen Kummer: Heimweh. «Es ist ein Gefühl, das alle Menschen kennen», sagt Philipp Ramming (61), Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Kinder- und Jugendpsychologie. «Heimweh ist eine Sehnsucht nach dem Vertrauten, nach Sicherheit und Geborgenheit.» Ob ein Kind Heimweh hat oder nicht, hängt ein Stück weit vom Alter ab, aber auch vom Entwicklungsstand, der Selbstsicherheit und der Fähigkeit, neugierig zu sein.

Meistens hilft Ablenkung

Diese Sehnsucht vergeht nicht einfach im Alter von beispielsweise punkt zehn Jahren, aber in der Regel schwächt sie sich im Lauf der Zeit ab, weil die Neugier auf andere Welten wächst. Schon in der vierten Klasse sind sehr viel weniger Kinder betroffen als in der ersten. Allerdings können auch grössere Kinder plötzlich vom Heimweh gepackt werden, wenn sie Verlustängste entwickeln – etwa durch einen Entwicklungsschritt oder durch die Scheidung der Eltern.

Leidenden Kindern aller Altersstufen hilft es, wenn sie spannende, ausgefüllte Lagertage erleben. So können schon recht kleine Kinder gut mit ihrer Sehnsucht nach dem vertrauten Daheim umgehen. Umso mehr, wenn die Eltern in ihnen früh die Entdeckerlust fördern.
Doch auch Eltern müssen erst einmal lernen, ihre Kinder in die Welt hinausziehen zu lassen. Kinderpsychologe Ramming weiss: «Es hilft Kindern, mutig in die Welt hinauszuziehen, wenn sie spüren, dass ihre Eltern auf ihre Fähigkeiten und Kompetenzen vertrauen.»

Wann heisst es abbrechen?

Auch 15-Jährige können noch von einer Heimwehwoge erfasst werden, beispielsweise während eines dreiwöchigen Sprachaufenthalts in Frankreich. «Das ist ganz normal», sagt Ramming, «im Ausland und in einem anderen Sprachraum sind Fremdheit und Distanz zum Elternhaus wesentlich grösser.» In der Regel können 15-Jährige jedoch damit umgehen, auch wenn sie sich halt zwischendurch einmal in den Schlaf weinen.
«Schwierig wird es erst, wenn ein Kind nicht mit dem Heimweh fertig wird, auch mit einem Ablenkungsprogramm nicht», sagt der Psychologe. «Dann bleibt nur ein Abbruch des Aufenthalts.» 

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