07. Dezember 2017

Countdown

Sängerin Jaël (38) erwartet diesen Monat ihr erstes Kind. Und macht sich Gedanken über Geburtstagspartys an Weihnachten.

Marroni
Marroni am Lagerfeuer braten – auch so kann man Geburtstag feiern. Gerade in der Weihnachtszeit.

Das Ende meiner Schwangerschaft naht, und alles ist auf Rückzug ins Innere, Ruhe und «Einmummeln» eingestellt. Das Aussen löst nur noch Gleichgültigkeit in mir aus. Ich geniesse warme Bäder im Kerzenschein, und ein stetes Lächeln liegt auf meinen Lippen. Natürlich wird diese Stimmung auch vom kaltnass-grauen Wetter und den Lichtlein überall unterstützt: Es weihnachtet.

Mein Geburtstermin – den, den ich errechnet habe – ist der 24. Dezember. Im Mutterpass steht der 26. Wie auch immer: ein Weihnachtskind. Da sieht man wieder mal, dass man nicht alles planen kann, es sei denn, man geht den Weg «geplanter Kaiserschnitt», was ich für mich vorweg ausschloss. Mich dünkt es dennoch etwas schade für den Purzel, dass sein grosser Tag von Weihnachten überschattet wird. Noch mehr feiern oder gar Kuchen essen mag am 26. Dezember nun wirklich niemand mehr, oder? Ob wir wohl einfach im Sommer ein «Nicht-Geburtstagsfest» einführen sollen? Oder einen «Geburizmorge», ganz ohne Kerzen und Weihnachtsbaum? Ein Ausflug in den Wald, um am Lagerfeuer Marroni zu bräteln?

Es hat auch Vorteile, in der Weihnachtszeit Geburtstag zu feiern: Alle haben frei! Eine Bekannte meinte sogar, sie hätte das als Kind immer toll gefunden, da sie entscheiden durfte, ob sie lieber zwei kleine oder ein grosses Geschenk möchte. Vielleicht kommt er ja früher, so wie seine Mama, oder viel später. Er wird am besten wissen, wann er bereit ist.

Abgesehen davon ist mein Schlaf in ein- bis zweistündige Intervalle unterbrochen, was mich wohl auf die zukünftigen schlafarmen Monate vorbereiten soll. Die Träume werden lebendiger und absurder. Ich gebäre seltsame Objekte wie zum Beispiel ein kleines Ei, das ich verzweifelt und erfolglos zu ­stillen versuche. Auf meine Frage: «War das bei dir auch so?», schüttelt die Freundin, die mich im Traum besucht, angewidert den Kopf.

In der nächsten Nacht kommt ein Monster mit übergrossem Kopf und letzten Endes eine Porzellanfigur, die zu Staub zerfällt, sobald ich sie anfasse. Freud ahoi! Ich bin wohl nervöser über das Mamawerden, als ich es mir eingestehe. Am Morgen stehe ich auf, bereite meinen Porridge zu und summe Mani Matters «Alls wo mir id Finger chunt, verbricht mer i de Händ …» 

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