13. August 2018

Cornelia Marending will durch Leistung überzeugen

Viele Migros-Mitarbeiterinnen gehören dem Kader an – auch die Leiterin Verkauf Supermarkt der Migros Aare. Das zweite Porträt der Sommerserie zu «Kaderfrauen in der Migros».

Cornelia Marending
Cornelia Marending, Leiterin Verkauf Supermarkt der Migros Aare
Lesezeit 4 Minuten

In den Supermärkten, wo täglich Hunderttausende einkaufen, schlägt das Herz der Migros. Bei der Migros Aare, der grössten unter den zehn regionalen Genossenschaften, arbeiten im Verkauf Supermarkt rund 5500 Mitarbeitende in 123 Filialen. 2,6 Milliarden Umsatz erzielen sie jährlich. Mitverantwortlich dafür, dass das Migros-Herz kräftig schlägt, ist Cornelia Marending (48). Als Leiterin Verkauf Supermarkt ist sie unter anderem für die Bewirtschaftung des Verkaufs, die Personalführung und -entwicklung zuständig.  

Seit drei Jahren ist sie in dieser Funktion bei der Migros tätig. «Die Migros ist ein tolles Unternehmen, mit Werten und einer Kultur, die mir sehr entsprechen», sagt Marending. Sie hat keine typische Migros-Karriere gemacht und nicht wie viele Führungskräfte über Jahre verschiedene Stufen im Unternehmen durchlaufen. Nach der KV-Lehre im Reisebüro, wo sie nach dem Lehrabschluss weiterarbeitete, hat sie Betriebswirtschaft studiert – Vollzeit.
Sie wollte vorwärtskommen «und nicht Jahrzehnte am Schalter verbringen». Das Vollzeitstudium bedeutete aber auch Verzicht, nachdem sie bereits einige Jahre einen normalen Lohn hatte. «Ich habe den Entscheid für das Studium ganz bewusst als Investition in meine Karriere gesehen. Ich wusste, dass ich damit einen wichtigen Grundstein legen kann.»

Master-Studium neben dem Beruf
Nach einem Zwischenhalt im Detailhandel wechselte sie zu Rivella, wo sie stetig die Karriereleiter emporkletterte. Sie investierte ein weiteres Mal in eine Weiterbildung und absolvierte ein Master-Studium, nun aber berufsbegleitend – «eine happige Zeit», wie sie heute sagt. Doch ihr Engagement zahlte sich aus: 2004 wird sie Mitglied der Geschäftsleitung bei Rivella, zuerst als Leiterin Auslandgeschäft, später als Marketingleiterin.

Gezielte Frauenförderung habe sie in ihrer Karriere nie erfahren. «Ich habe wie andere auch einfach durch Leistung überzeugt.» Gibt es also keine Unterschiede beim beruflichen Aufstieg zwischen Männern und Frauen? Marending überlegt, bevor sie antwortet. «Ich glaube, es braucht bei Frauen mehr, damit sie gesehen werden. Frauen drängen sich weniger in den Vordergrund, die Ellenbogen auszufahren liegt ihnen nicht.»

Deshalb müssten sich Frauen die eigene Positionierung bewusst machen. «Man muss es wagen, sich dort in den Mittelpunkt zu stellen, wo es zählt, und eigene Stärken hervorzuheben. Aber ich habe mein Verhalten deswegen nicht komplett verändert. Ich will mit Leistung und Persönlichkeit überzeugen, mir selbst treu bleiben und authentisch sein.»

Eltern, Nachbarn und Tageseltern
Auf Persönlichkeit, Sozial- und Fachkompetenz achtet Cornelia Marending auch, wenn sie selbst Leute anstellt. «Da spielt es keine Rolle, ob ein Mann oder eine Frau vor mir steht», sagt sie. Quotenregelungen für weibliche Führungskräfte kann sie nichts abgewinnen. «Viel wichtiger ist doch, dass wir Frauen durch geeignete Arbeitsmodelle fördern, so dass sie Beruf und Familie unter einen Hut bringen können.»
Bei der Migros Aare sei dies möglich. «40 Prozent unserer Filialleitenden sind Frauen, auf den Stellvertretungspositionen sind es sogar 50 Prozent.» Damit möglichst viele Mitarbeitende trotz Familie im Arbeitsprozess bleiben, bietet die Migros Aare einen weiteren Anreiz: Sie übernimmt die Hälfte der Fremdbetreuungskosten, etwa für die Kinderkrippe.

Dass sich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie Lösungen finden lassen, lebt Cornelia Marending vor. Sie und ihr Mann haben zwei Kinder. Ihr Modell sieht so aus: Sie arbeitet 100 Prozent, ihr Mann hat nach der Geburt des ersten Kindes sein Pensum auf etwa 40 Prozent reduziert. «Für uns passt es so perfekt. Zudem haben wir ein tolles Umfeld, das uns unterstützt: unsere Eltern, Nachbarn und Tageseltern.

Aber eine Patentlösung für Karriere und Familie gibt es nicht. Es ist immer sehr individuell, was für einen selbst passt.» Einen Tipp hat sie dennoch: «Es gibt immer Lösungen, seien das Kinderkrippen, Verwandte oder die Tagesfamilie. Wichtig ist, langfristig zu denken und sich gut zu organisieren. Denn gute Organisation wird belohnt.» 

Benutzer-Kommentare