27. Oktober 2017

Chris Hemsworth gibt einmal mehr den Thor

Als nordisch-blonder Comicgott Thor wurde er berühmt. Für den neuen Film «Thor: Ragnarok» bestand Chris Hemsworth nun aber auf ein paar Veränderungen. Der Schauspieler über Action ohne Hammer, die Rückkehr in sein Heimatland Australien und ein für ihn «langweiliges Thema» – seinen Körper.

Chris Hemsworth
Surfer, Vater und Darsteller der Comicfigur Thor: der australische Schauspieler Chris Hemsworth (Bild: Mark Veltman/The New York Times//Redux/laif).
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Chris Hemsworth, Sie spielten den nordischen Comicgott schon in sechs Filmen, aber in «Thor: Ragnarok» haben Sie nun einen völlig neuen Look. Und Thors Hauptwerkzeug, der Hammer, fällt ebenfalls weg. Weshalb?

Mir wurde in den letzten beiden Filmen richtig langweilig mit Thor. Deshalb rief ich Marvel-Boss Kevin Feige an und sagte, dass wir eine drastisch neue Richtung einschlagen müssten. Er war einverstanden, und so diskutierten wir mit dem neuseeländischen Regisseur Taika Waititi allerlei Ideen. Wenn sich etwas vertraut anfühlte, verwarfen wir es. Es musste sich etwas am Ton ändern. Ein wichtiger Aspekt war, mehr Humor reinzubringen.

Aber Thor ohne Hammer. Geht das?

Zuerst ist er ein bisschen verloren ohne ihn, doch dann merkt er, dass die Macht letztlich in ihm steckt, nicht im Werkzeug. Und es gibt ja auch noch andere Waffen, die er nutzen kann. Thor ist jetzt etabliert, wir können mit ihm machen, was wir wollen. Die kurzen Haare waren eine grosse Erleichterung. Ich vermisse die Tage nicht, an denen ich die blonde Perücke tragen und deswegen eine Stunde früher aufstehen musste.

Hatten Sie auch das Gefühl, dass Thor Sie inzwischen zu sehr schubladisiert?

Diese Frage habe ich mir schon vor dem ersten «Thor»-Film gestellt. Aber letztlich öffneten mir diese Filme viele Türen, und ich konnte zwischen den Marvel-Filmen ganz verschiedenen Projekten nachgehen. Ich schätze mich auch glücklich, mit einer Firma zu arbeiten, die es schafft, die Zuschauer von der Couch ins Kino zu locken. Das wird nämlich immer schwieriger.

Führten deshalb Aborigines bei den Dreharbeiten eine zeremonielle Segnung durch? Damit der Film ein Hit wird?

(lacht) Nein, mit der Zeremonie wurden wir lediglich in Australien willkommen geheissen. Der Regisseur brachte auch Maori aus Neuseeland mit, die das Zusammenkommen der Völker mit einem traditionellen Tanz untermalten, was ich sehr schön fand.

«Ragnarok» ist in der nordischen Mythologie eine Serie von Ereignissen, die das Ende von Göttern wie Thor einläuten. Aber davon kann für Sie vorläufig nicht die Rede sein, oder?

Nein, ich arbeite bereits am nächsten «Avengers»-Film.

Wenn man so oft einen Helden spielt, wird da heldenhaftes Verhalten auch im Privatleben erwartet? Oder müssen Sie manchmal auch selbst gerettet werden?

Das kann durchaus passieren. Ich war einmal mit meiner Frau auf einer Drei-Tage-Wanderung im Himalaya, und mein Körper passte sich einfach nicht an die Höhe an. Ich war ausser Atem und hatte Wasser auf der Lunge. Zuerst ignorierte ich die Anzeichen, aber meine Frau hörte nachts meinem Atem an, dass etwas nicht stimmte. Sie alarmierte unseren Bergführer, der mich sofort vom Berg runterbrachte. Sie spritzten mir etwas, und ich bekam einen Sauerstofftank.

Wie fühlte sich das an, so hilflos zu sein?

Ich war vor allem entnervt und wütend. Ein bellender Hund draussen irritierte mich enorm, und ich fuhr meine Frau an, als sie mich fragte, ob ich okay sei. Anscheinend fängt das Hirn in einer solchen Situation an durchzudrehen. Ich habe von Leuten gehört, die dann in den dümmsten Momenten in den Schnee hinaus wandern und für immer verschwinden. Zum Glück war meine Frau da und brachte mich wieder zu Sinnen. Sie war die Heldin, und ich war der, der gerettet werden musste. (lacht)

Sie haben drei Kinder zwischen drei und fünf Jahren. Wie teilen Sie sich die Arbeit?

Meine Frau hat einiges aufgegeben und arbeitet jetzt viel weniger, damit ich meinem Traum nachrennen kann. Dafür bin ich ihr ewig dankbar. Nächstes Jahr wollen wir aber nach Spanien, wo sie einen Film drehen wird. Dann übernehme ich zu Hause, obwohl es immer sehr schwierig ist, wenn ich allein mit den drei bin – zum Glück ist meine Frau nur einen Anruf entfernt.

Haben Sie schon erste Surfversuche mit den Kindern unternommen?

Ja, bei niedrigem Wellengang. Aber ich will das nicht forcieren, sonst verleidet es ihnen. Als leidenschaftlicher Surfer kann ich es aber kaum erwarten, bis wir zusammen surfen können. Ich bin mit dem Duft von Sonnencreme und Surfbordwachs aufgewachsen, und unsere Kinder sind definitiv Wasserratten, die den ganzen Tag im Meer oder im Pool herumplanschen. Sie sind auch sehr abenteuerlustig, deshalb ist es manchmal schwierig, wenn wir wegen des Jobs in einem kleineren Haus in einer Vorstadt untergebracht sind. Da kriegen die Kids ein wenig den Koller, weil sie zu Hause so viel Land zu erkunden haben.

Chris Hemsworth in «Thor: Ragnarok
Neue Frisur, neues Outfit, mehr Humor: Chris Hemsworth in «Thor: Ragnarok» (Bild: Marvel/Entertainment Pictures/Alam).

Sie haben Ihre Zelte in Hollywood abgebrochen und sind mit Ihrer Familie nach Australien zurückgekehrt. Haben Sie es in Hollywood nicht mehr ausgehalten?

Doch doch, aber gedreht wird meistens sowieso woanders, und jetzt muss ich auch nicht mehr so oft an Meetings. Ausserdem war Australien immer meine erste Wahl als Wohnort, wenn wir mal Kinder haben. Meine glücklichsten Erinnerungen sind die Ausflüge, das Campieren und Surfen mit meinen Eltern. Das will ich meinen Kindern auch ermöglichen.

Leben Sie denn auf dem Land?

Ja, 90 Prozent der Zeit verbringen wir im Freien. Wir leben am Strand in einem Haus mit viel Land, haben zwei Pferde und einen Hund. Bis vor Kurzem hatten wir auch ein Schwein, aber es wurde zu gross, wir mussten es auf eine Farm bringen.

Sie sind in einer glücklichen Familie aufgewachsen. Was haben die Eltern Ihnen auf den Weg gegeben?

Sie haben uns Kinder ermuntert, Freude und Spass am Leben zu haben. Sie sagten, dass wir unser Leben selbst bestimmen können und uns nicht irgendwann in einen langweiligen Job schicken müssen, weil das Leben nun mal so ist. Wir sollen unserem Glück nachjagen, bis wir es gefunden haben. Als es mir am Anfang in Los Angeles nicht so gut lief, sagte meine Mutter, die Couch zu Hause sei jederzeit frei, wenn ich wieder zurückkommen wolle. Diese Unterstützung und Absicherung habe ich sehr geschätzt.

Apropos Couch: Das grösste Thema in Hollywood ist derzeit die sogenannte Castingcouch und wie Männer ihre Machtpositionen ausnützen und junge Frauen sexuell belästigen. Wie ist das für attraktive Männer am Anfang der Karriere? Gab es bei Ihnen auch grenzwertige Meetings in Hotelzimmern?

Nein, zum Glück nicht. Und mir tut es leid für alle, die so was durchgemacht haben. Klar, ich werde gefragt, ob ich mein Hemd ausziehen könnte, aber ich fühle mich deswegen nicht objektiviert. Wenn es hilft, meine Rechnungen zu zahlen und meine Familie zu ernähren, ist mir das egal. Aber das heisst nicht, dass das jeder so empfinden muss. Ich bin sicher, dass Männer auch ausgenützt werden, aber bei den Frauen ist es natürlich noch viel schlimmer.

Aber auch Sie werden oft über Ihren Körper definiert. Stört Sie das gar nicht?

Nein, ich finde es eher langweilig. Aber dass ich danach gefragt werde, heisst wohl, dass es jemanden interessiert. Es gibt sicher Wichtigeres, über das man sich aufregen kann. Aber tatsächlich habe ich schon Thor-Interviews gegeben, wo es nur um den Körper ging oder die Geschichten der anderen Figuren. Das war mit ein Grund, warum ich mit der Figur Thor etwas Neues machen wollte.

Ihre beiden Brüder sind auch Schauspieler. Besprechen Sie Filmrollen miteinander? Gibt es auch Rivalitäten?

Wir besprechen Filmrollen. Aber Rivalen sind wir eigentlich nur beim Fussball- oder Kartenspielen. In diesem Beruf gibt es so viel Instabilität, da muss man sich einfach gegenseitig unterstützen. Ein Rezept gibt es ja nicht. Man kann nur auf das Beste hoffen, herausfordernde Rollen wählen und mit Leuten zusammenarbeiten, von denen man lernen kann. Wir wissen alle auch, dass wir nie allein dafür verantwortlich sind, was passiert. Es ist immer ein Teameffort. Und wir sind auch verschiedene Typen.

Inwiefern?

Liam ist beispielsweise stiller und zurückhaltender als ich. Das war er schon immer. Ich quassle manchmal etwas zu viel.

«Thor: Ragnarok» startet am 2. November in den Schweizer Kinos.

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