02. Februar 2018

Bunter Bauspass im Kleinen

Der Lego-Stein wird dieses Jahr 60. Das Produkt gehört auch in der Schweiz zu den beliebtesten Spielwaren. Kritiker monieren Kooperationen wie mit «Star Wars», weil sie auf Kosten der Kreativität gingen.

Legospielen fasziniert Klein und Gross
Legospielen fasziniert Klein und Gross nun schon seit mehreren Generationen. (Bild: Susanne Dittrich)
Lesezeit 4 Minuten

Rund 58 Millionen Kinder und auch ein paar Erwachsene bauen rund um die Welt Türme, Burgen oder Raumschiffe mit Lego-Steinen. In der Schweiz beträgt Legos Marktanteil bei Spielwaren satte 19,5 Prozent. Die Idee, Bauklötze mit Noppen und Röhren zu versehen, entstand vor 60 Jahren in Dänemark und machte Lego zu einer der einflussreichsten Spielzeugmarken der Welt.
Der Name setzt sich übrigens aus den beiden dänischen Wörtern «leg godt» («spiel gut!») zusammen. In der Schweiz gibt es für die bunten Bausteine seit wenigen Wochen sogar ein eigenes Museum: das Lebrickgo in Binningen BL zeigt Lego-Sets aller Art.

Hast du mit Lego gespielt?

Das Familienunternehmen mit Hauptsitz im dänischen Billund ist heute wieder erfolgreich, es erzielt bei einem Jahresumsatz von 5,9 Milliarden Franken einen Reingewinn von 1,5 Milliarden. Damit hat es die schwere Krise bewältigt, mit der Lego in den 1990er-Jahren kämpfte. Ein Grund für den erneuten Erfolg sind die Kooperationen mit US-Unterhaltungsgiganten wie Disney: «In den letzten knapp 20 Jahren haben wir mehr als 190 Millionen Lego-‹Star Wars›-Sets weltweit verkauft», sagt Frédéric Lehmann, Generaldirektor von Lego Zentraleuropa.

Genau diese Produkte ernten jedoch Kritik bei Fans und Eltern: So bleibe die Kreativität des freien Bauens auf der Strecke. Lehmann sagt dazu: «Alle Lego-Sets sind darauf ausgelegt, Kinder zu inspirieren und das kreative Bauen zu unterstützen.»

Ein Lego-Fan erwartet flexible Bausätze und keine Spielzeuge wie bei Playmobil

Andreas Kunz
Andreas Kunz

Andreas Kunz (33) ist Hochbauzeichner und seit Gründung 2007 Präsident des schweizerischen Lego-Vereins. Kunz wohnt in Guarda GR.
www.swisslug.ch

Was fasziniert Sie an Lego?

Die grenzenlosen Möglichkeiten. Lego ist nicht auf eine Kreation fixiert – man kann mit den Steinen bauen, was einem gerade in den Sinn kommt. Die Fantasie ist gefordert. Das ist das Schöne bei diesem Spielzeug.

Kritiker monieren, dass seit den jüngsten Kooperationen mit Disney oder «Star Wars» genau diese Kreativität auf der Strecke bleibt.

Das sehe ich ähnlich. Als Lego-Fan sehne ich mich nach den 90er-Jahren zurück, als Lego noch keine Merchandisingartikel auf den Markt brachte. Doch Lego ist eine gewinnorientierte Firma. Da sich diese Artikel offenbar gut verkaufen, müssen wir diesen Schritt akzeptieren.

2004 stand Lego vor einer ungewissen Zukunft. Was hat sich seit diesem Turnaround geändert?

Die Optik der Bausätze. Im Jahr 2000 versuchte es das Unternehmen mit grossen Bausteinen und einfachen Bausätzen. Ein Lego-Fan erwartet jedoch Bausätze mit vielen Möglichkeiten und nicht Spielzeuge, die an Playmobil erinnern. Das war ein fataler Fehler. Heute findet man wieder wesentlich schönere Bausätze und kniffligere Konstruktionsarten.

Wie gross ist die Konkurrenz durch Onlinespiele?

Es kommt nicht von ungefähr, dass Lego seit ein paar Jahren der grösste Spielwarenhersteller der Welt ist. Es gibt genügend Jugendliche, die davon fasziniert sind. Klar, Playstation ist eine Konkurrenz. Lego versucht, dem Rechnung zu tragen. Aber ich bin der Meinung, dass Lego Lego bleiben soll.

Ich habe über 1,5 Tonnen Lego in meinem 120 Quadratmeter grossen Dachstock gelagert.

Sie sind Präsident des Lego-Vereins. Wie muss man sich das vorstellen – sind das Erwachsene, die am Boden sitzend Schlösser bauen?

Tatsächlich kommt es vor, dass wir 50 Erwachsene sind, die eine grosse Kiste verschiedenste Lego-Steine auf den Boden auskippen, um dann diejenigen Teile zusammenzusuchen, die wir wieder für unsere Eigenkreationen verwenden können. Grundsätzlich geht es in unserem Verein darum, Kontakte zu anderen Fans zu knüpfen. Weltweit gibt es ja über 300 Lego-Clubs und -Organisationen. Wir treffen uns rund sechsmal pro Jahr, sitzen gemütlich zusammen, sprechen über Neuheiten, Probleme bei einzelnen Modellen oder sind auf der Suche nach einem Einzelteil.

Wie viele Legos haben Sie zu Hause?

Über 1,5 Tonnen oder mehrere Millionen Teile. Ich habe diese in meinem 120 Quadratmeter grossen Dachstock gelagert. Ein Teil davon sind originalverpackte Bausätze, ein Teil sind bunt zusammengewürfelte Steine wie im Kinderzimmer, und der Rest ist nach Farben und Formen sortiert. Alles ist sehr vielfältig und chaotisch.

Wie kommen Sie dazu, Bausätze zu kaufen, aber nicht anzufassen?

Das ist Kalkül. Angefangen hat es damit, dass ich keinen Platz mehr für die Lego-Artikel hatte und sie deshalb nicht mehr auspackte. Mit der Zeit habe ich gesehen, dass diese Bausätze eine Wertanlage sind. Einer, der sich nicht auskennt, weiss gar nicht, was er in den Händen hält. Ich habe beispielsweise einen Bausatz, der einst 170 Franken kostete und heute einen Wert von 2500 Franken hat.

Was geben Sie für Ihr Hobby aus?

Allein für die Legosteine gehen schnell mal 500 Franken pro Monat weg. Wenn ich zu Ausstellungen reise, können es auch mal 1500 sein.

Welches ist Ihr Lieblingsbauwerk?

Als Sammler interessiere ich mich für seltene Bausätze. Jährlich erhalten die 17 000 Lego-Mitarbeitenden Weihnachtssets, die nicht auf den Markt kommen. Wir kennen Möglichkeiten, um an solche Sets zu gelangen. 2016 beispielsweise wurde 50 Jahre Lego-Eisenbahn gefeiert. Von diesem Originalset im Miniaturformat besitze ich ein originalverpacktes und eines habe ich im Regal aufgebaut.

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