26. Juni 2017

Büro-Knigge bei Sommerhitze

Die Temperaturen sind bereits im Juni rekordverdächtig hoch, und auch am Arbeitsplatz fallen wieder die Hüllen. Oft zu viele, sagt Susanne Abplanalp. Die Beraterin widmet sich den Tugenden und Unsitten in Sachen Business-Auftritt. Entblösste Füsse im Büro sind für sie tabu.

Nackte Füsse im Büro sind tabu
Nackte Füsse im Büro sind tabu. (Bild: Keystone)
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Die Sommerhitze hat die Schweiz dieses Jahr schon früh ereilt. Vor den Glaceständen bilden sich lange Schlangen, an See- und Flussläufen wimmelt es von Menschen – und überall fallen die Hüllen. Auch in den Büros. Mitleidig besieht man sich morgens in Zug und Tram die Banker, die mit Anzug und Krawatte unterwegs sind. Aber vielleicht haben sie ja eine Klimaanlage im Büro. Wer über diesen klimaschädlichen Luxus nicht verfügt, bemüht sich um lockere Kleidung.

Dabei kann man jedoch sehr viel falsch machen, besonders als Mann. «Die Faustregel ist simpel», sagt Susanne Abplanalp, die über das korrekte Verhalten in der Arbeitswelt ein Buch mit dem Titel «Der Office-Knigge» geschrieben hat. «Nicht weniger Stoff tragen, aber leichteren», rät sie (siehe unten).

Was erlauben Sie sich bei grosser Sommerhitze im Büro?

Die grosse Hitze vergangene Woche hat Meteo Schweiz gar veranlasst, eine Hitzewarnung für das Mittelland auszugeben – auch weil zur Wärme eine hohe Luftfeuchtigkeit hinzukam. In den Kantonen Genf, Waadt und Tessin kam das sogenannte Buddy-System zum Einsatz: Freiwillige kümmern sich um besonders gefährdete Menschen wie Alte und Kranke.
«Gemäss unseren Analysen gibt es an Orten mit Buddy-System weniger Hitzetote», sagte Martin Röösli, Professor am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut und Mitautor der Hitzemassnahmen, gegenüber SRF. Er empfiehlt allen Kantonen, es einzuführen

Dieser Text ist bei etwa 35 Grad und laufendem Ventilator entstanden. Der Autor trug dabei – vollkommen unkorrekt – Shorts und Sandalen. Er freut sich schon auf den Herbst.

Firmen können sich mit gut gekleideten Mitarbeitern positiv abheben

Susanne Abplanalp, Knigge Beraterin
Susanne Abplanalp aus Thalwil ist Dozentin, Beraterin und Autorin für Büro-Knigge
Susanne Abplanalp (58) aus Thalwil ist Dozentin, Beraterin und Autorin rund ums Thema Büro-Knigge.

Wegen der Hitze fallen auch im Büro die Hüllen: kurze Hosen, nackte Füsse. Was liegt drin, was nicht?

Generell gilt: Nicht zu viel Haut zeigen und bei der Arbeit nicht im Freizeitlook herumlaufen. Die Kleidung sollte luftig und leicht sein, die Stoffe aus natürlichen Materialien wie Viskose oder Baumwolle.

Das heisst, Shorts und offene Sandalen gehen im Büro gar nicht?

So ist es, in keiner Situation. Frauen können Röcke tragen, die etwa bis zum Knie reichen, und hinten offene Schuhe. Männer sollten lange Hosen und geschlossene Schuhe tragen.

Auch bei 35 Grad im Büro?

Eigentlich schon. Aber bei solchen Temperaturen lockern viele Vorgesetzte die Regeln ein bisschen.

Frauen sind also im Vorteil. Gilt das generell bei Sommerbekleidung?

Tendenziell schon. Frauen haben mehr Möglichkeiten als Männer, luftig und leicht unterwegs zu sein.

Aber in Jobs ohne Kundenkontakt ist es generell lockerer, oder?

Aber auch diese Mitarbeiter stehen vielleicht mal in Shorts beim Kopierer und werden dort von Kunden gesehen. Die tragen Anzug und fühlen sich dann overdressed. Die Branchen sind jedoch unterschiedlich streng: Am striktesten sind Banken und Versicherungen.

Am striktesten sind Banken und Versicherungen.

An manchen Orten wird der Dresscode schlicht von oben verordnet. Ist das vielleicht sogar die beste Lösung, weil dann alles klar ist?

Dresscodes gibt es meistens in grösseren Firmen – ansonsten nur, wenn Leute über die Stränge geschlagen haben. Immerhin müssen Vorgesetzte so nicht weiter diskutieren und können einfach auf den Dresscode verweisen.

Aber wer bei Hitze viel trägt, schwitzt mehr.

Das muss nicht sein, wenn man leichte Stoffe trägt. Wer im Sommer Jeans anzieht, ist selber schuld. In vielen heissen Ländern tragen die Menschen ohne Probleme viel Stoff.

Wenn es trotzdem mal Gerüche gibt: Wie sage ich es dem Kollegen, dass er nicht gut riecht?

Auf jeden Fall unter vier Augen, in der Ich-Form und konkret: Wann hat er nicht so gut gerochen und weshalb – vielleicht weil er Kunstfasern trägt? Er habe es vermutlich selbst nicht bemerkt, deshalb wolle man es ihm sagen. Die meisten sind dankbar dafür. Auch ein Deo-Tipp liegt drin.

Wie sieht es mit Parfüms im Sommer aus? Was geht, was nicht?

Man sollte sich nur morgens parfümieren, bevor man aus dem Haus geht. Tagsüber kann man sich mit Wasser oder Erfrischungstüchern behelfen Und generell gilt: keine zu süssen oder zu schweren Parfüms.

Die gesellschaftlichen Regeln haben sich in den vergangenen Jahrzehnten gelockert – auch im Büroleben?

Die grösste Veränderung gibt es bei den Männern: Bärte und Dreitagebärte sind heute meist okay. Es wird auch oft problemlos akzeptiert, wenn man ohne Krawatte ins Büro kommt. Grundsätzlich ist man heute viel schneller per Du als früher.

Wer bestimmt eigentlich, was sich gehört und was nicht?

Zunächst gilt der gesunde Menschenverstand und Sensibilität für den Umgang miteinander. Hinzu kommen die Empfehlungen des Deutschen Knigge-Rats. Das sind Fachleute verschiedener Branchen, die sich mehrmals pro Jahr treffen und die Regeln anpassen. Diese erleichtern das Zusammenleben, besonders in Zeiten, wo wir in Grossraumbüros und Zügen so dicht beieinandersitzen. Zudem ist es, nach einer Phase der Lockerung, seit zehn Jahren wieder wichtiger, Regeln einzuhalten. Denn Firmen könen sich mit sympathischen, gut gekleideten Mitarbeitern eben auch positiv abheben.


«Der Office-Knigge» von Susanne Abplanalp ist erhältlich bei ExLibris.

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