16. Februar 2015

Bühne frei für fünf TV-Talente!

Am 21. Februar startet im Schweizer Fernsehen die dritte Staffel von «Die grössten Schweizer Talente». Über 100 Kandidaten hoffen auf den Sieg. Fürs Migros-Magazin haben sich fünf schon mal ins Zeug gelegt. Ob sie auch die Jury um Christa Rigozzi und Sven Epiney überzeugen können?

Gesangstalent Flavio Rizzello
Das zehnjährige Gesangstalent Flavio Rizzello beim Auftritt.

Kleiner Soulman ganz gross

Flavio Rizzello
Flavio Rizzello startet mit seiner Soulstimme bei «Die grössten Schweizer Talente»

Noch keine einzige Minute Gesangsunterricht hatte Flavio Rizzello (10) aus Thalwil ZH bisher. Und das ist auch nicht nötig: Flavio singt wie ein Profi. Die dreiköpfige britische Soulpopband «Stooshe» hat es ihm dabei besonders angetan. Auf der Talentbühne performt Flavio deren Song «Black Heart».

Juror Sven Epiney ist vom Kleinen begeistert und fühlt sich sofort an den jungen Michael Jackson zu «Jackson Five»-Zeiten erinnert. «Das höre ich oft», sagt Flavio cool. «Viele sagen, ich hätte für einen Weissen einen ungewöhnlichen Soul in der Stimme.» Eigentlich lässt sich Flavio Rizzello nicht gerne mit anderen Sängern vergleichen, aber ein Superstar wie Michael Jackson schmeichelt ihm schon. «Hauptsache, nicht Justin Bieber, den mag ich gar nicht», sagt er.

Mit seinen zehn Jahren weiss Flavio jetzt schon ganz genau, was er will: «Die ‹grössten Schweizer Talente› gewinnen!» Seine Mitschüler haben ihn darin bestärkt, sich bei der Sendung anzumelden, Schwester Simona (14) hat fleissig mit ihm geübt. An Selbstbewusstsein mangelt es Flavio Rizzello nicht. «Ich weiss, dass ich eine kräftige Stimme habe und singen kann.» Gesangserfahrung gesammelt hat Flavio nur auf Poolpartys in den Rimini­Ferien. Damals aber noch weniger professionell als heute, findet der Schüler: «Da habe ich nur irgendwelche Töne rausgelassen.» In der SRF-Show steht er zum ersten Mal auf einer grossen Bühne.

Vor Auftritten sei er schon aufgeregt, aber beim Singen lege sich die Nervosität sehr schnell. Dabei hilft Flavio auch der kleine Plüschhund Robby, seit Geburt sein Glücksbringer. «Robby lenkt mich ab. Mit ihm kommt es immer gut.»

Jackie Chan lässt grüssen

Jehmsei Keo (27)
Jehmsei Keo (27) demonstriert einen Wushu-Move unter der Zürcher Hardbrücke.

Er gilt als grosses Schweizer Kampfsporttalent, ist sogar mehrfacher Schweizer Meister und im Nationalkader: Trotzdem ist Jehmsei Keo (27) hierzulande relativ unbekannt. Der Aargauer aus Brugg betreibt die Randsportart Wushu. Dabei handelt es sich um eine chinesische Kampfkunst, den meisten geläufig aus Filmen wie «Matrix» oder «Kill Bill». Keo hat sich für die Kategorie «Form» entschieden. Bei Turnieren tritt er allein auf eine Fläche und zeigt Elemente der traditionellen Kriegskunst, meist mit Säbel oder Stock bewaffnet. «Die Bewegungen sollen möglichst geschmeidig und spektakulär aussehen und dabei den Kampfcharakter betonen», erklärt er.

In «Die grössten Schweizer Talente» tritt Jehmsei Keo mit seiner vierköpfigen Crew Swiss Wushu an. Und das ganz atypisch in Hemd und Fliege. «Wir wollen ein breiteres Publikum ansprechen und nicht nur die Chinesenschiene fahren.» Keo ist Marketingprofi durch und durch. Sein Ziel für die Show ist, Wushu bekannter zu machen. Und auch beruflich ist er Vermarkter: Er absolviert gerade ein einjähriges Marketingpraktikum bei einer Kleinanzeigenplattform.

Seine Begeisterung für Wushu hat der Schauspieler Jackie Chan ausgelöst: «So klischeehaft das klingt ‒ als Asiate kommt man früher oder später mit seinen Filmen in Berührung.» Der Sohn zweier Kambodschaner war fasziniert von diesem Sport, fing als 14-Jähriger mit dem Training an, mindestens fünf Mal pro Woche. Die Doppelbelastung von Sport und Beruf ist auch heute nicht zu unterschätzen. Teilweise steht Jehmsei Keo bis zu zwei Mal täglich in der Halle in Unterentfelden.
Keos nächstes Ziel: die Qualifikation für die WM in Indonesien im November. Dort will er eine Platzierung in der vorderen Hälfte erreichen. Die ersten Plätze werden sowieso immer von asiatischen Profis belegt.

Tanz durch die Lüfte

Natalia Macauley (31)
Akrobatin Natalia Macauley (31) trainiert auch an augefallenen Geräten...

Eine getanzte Modeschau, die sie als KV-Lehrtochter gesehen hatte, war für sie Liebe auf den ersten Blick: Seither haben Tanz und Akrobatik Natalia Macauley (31) nicht mehr losgelassen. Obwohl sie angeblich «zwei linke Füsse» habe, hat die gebürtige Russin eine Tanzausbildung in Zürich gemacht. Bei einem Besuch im Cirque du Soleil entdeckte sie dann ihr Element, die Luftartistik. In der Luft liebt sie das Gefühl der Grenzenlosigkeit: «Man fühlt sich so frei und ist sein eigener Meister.»

Auch das Risiko reizt sie: Ein falscher Schritt, eine falsche Bewegung, und man kann abstürzen. Natalia Macauley übt mindestens eine neue Nummer pro Jahr ein. Und dabei lässt sie sich immer wieder etwas Neues einfallen: Poledance an der Strassenlaterne, Akrobatik an einem Kran, eine Choreografie auf einem fahrenden Klavier. In «Die grössten Schweizer Talente» zeigt sie ihre neuste Nummer «The Bubble», bei der sie sich in einer transparenten Kugel bewegt, die an der Decke hängt.

Natalia Macauley ist ständig unterwegs. Sie trainiert in Deutschland und tritt auf der ganzen Welt in Shows oder an Messen auf. Ihre Engagements reichen bis Dubai und Indien. Sie will vor allem ein Vorbild für andere junge Tänzer und Akrobaten sein. Gerade hat sie in Zollikerberg ZH ihre erste Akrobatikschule eröffnet. Zusammen mit ihrer Mutter, einer Klavierlehrerin, macht sie mit Kindern musikalische und artistische Früherziehung. «Ich liebe die Bühne, aber jetzt bin ich an einen Punkt gekommen, an dem ich mein Können weitergeben will.»

2011 machte sie schon einmal in der SRF-Show mit, jetzt will sie es nochmals versuchen. Ihre Schützlinge von der Tanzschule sind schuld: «Sie haben mich bestürmt, mich erneut anzumelden.»

Tollpatschiger Nerd

Marc Haller (27)
Beweglicher als ein herkömmlicher Comedian oder gar Nerd: Marc Haller (27) macht in Österreich Furore.

In Österreich wird er bereits als der neue Emil Steinberger gehandelt: Comedian Marc Haller (27) alias «Erwin aus der Schweiz» kam 2012 bis ins Finale der ORF-Castingshow «Die grosse Comedy-Chance». Der etwas verklemmte Erwin trägt einen zu grossen Tschopen, Nerdbrille und Hochwasserhosen. Er zaubert mehr so aus Ungeschicklichkheit: Einmal zieht er ein Glas Orangensaft aus dem Ärmel, im nächsten Moment explodiert es in seiner Tasche.

Der Zürcher will aber nicht nur lustig sein: «Mein Ziel ist es, auf der Bühne Emotionen zu kreieren, die Leute auf eine Reise mitzunehmen. Wenn sie lachen, ist das auch ok.»

Bereits mit 14 Jahren besuchte er die Zauberschule in Zürich, später die ScuolaTeatro Dimitri in Verscio TI. Zudem studierte er Schauspiel in New York und am Konservatorium Wien, wo er heute auch lebt. Letztes Jahr konnte Marc Haller auch in der Schweiz erste Erfolge verzeichnen: Er gewann den «Swiss Talent Award 2014» und ist nun in den nächsten zwei Jahren mit «Das Zelt» unterwegs.

Herzen im Gleichtakt

Gessica Paradiso (19) und Romano Solano (20)
Gessica Paradiso (19) und Romano Solano (20) im harmonischen Jazz-Duett.

Sie haben schon in den Windeln vor der Stereoanlage getanzt, jetzt erobern sie die Bühnen: Gessica Paradiso (19) und Romano Solano (20) aus Solothurn. Mit vier Jahren fingen sie in der Babygruppe der Tanzschule an. Bald waren sie die Hauptfiguren der Tanzgruppe. Und vor acht Jahren starteten sie als Duo. «Wir haben gemerkt, wie gut wir harmonieren», sagt Romano. Seither sind die beiden unzertrennlich: Sie fahren zusammen in die Ferien, trainieren bis zu vier Mal pro Woche, erzählen sich alles. «Wir sind einfach ein eingespieltes Team», sagt Gessica. Unterstützt werden die beiden von ihrer Tanzlehrerin Licia Piscopo. Sie erkannte vor 15 Jahren das Talent der beiden Tänzer.

Gessica Paradiso und Romano Solano sind Vize-Schweizer-Meister in der Kategorie «Jazz Duo» und holten an der WM 2013 in Polen mit dem 15. Rang die beste Schweizer Platzierung. Ihr Tanzstil nennt sich Modern Jazz und enthält Elemente des Balletts.
Auf der Bühne sind sie das leidenschaftliche Paar, abseits sind sie eher wie Geschwister. «Wir haben es einfach immer witzig.» Für Romano Solano ist der grösste Lohn, wenn seine Mutter oder seine Schwester bei ihrem Auftritt Tränen in den Augen haben. «Das ist unsere Motivation: Wir wollen die Leute berühren», sagt er. Hauptberuflich zu tanzen, können sich die beiden aber nicht vorstellen. Gessica macht gerade die Lehre im Detailhandel, Romano arbeitet als Einkäufer in der Medizinaltechnikbranche. «Unser Traum ist es, durch unsere Auftritte die Welt zu bereisen», sagt Gessica.

Bilder: Salvatore Vinci

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