18. Januar 2018

Buchrezension: Insomnia

Wer einmal lügt – dir keiner glauben will …

Insomnia
Lesezeit 2 Minuten

Ein Serienmörder geht um in Florida. Der sogenannte Hammermörder entführt weisse, junge, zierliche Mädchen mit glattem, schwarzem Haar und quält sie mit Utensilien seines Werkzeugkastens zu Tode. Doch die 17-jährige Mallory Knight kann sich offensichtlich aus den Fängen ihres Peinigers befreien und fliehen. Verstört und mit Schnittwunden übersät, taumelt sie in eine Biker-Bar.

Und hier beginnt ihre wirkliche Pein: Als sie von Special Agent Bobby Dees (Spitzname Shep, von Shepherd, der Hirte), Spezialist für verschwundene Kinder und Jugendliche beim Florida Department of Law Enforcement, befragt wird, verstrickt sie sich in Widersprüche und verliert ihre Glaubwürdigkeit. Zu Recht? Für sie und ihre Familie beginnt ein Spiessrutenlauf.

Als kurz darauf ein weiteres Mädchen vermisst wird, muss Mallory erkennen, dass ihre Aussage fatale Folgen hat. Jahre später – noch immer keine Spur vom Hammermörder – studiert Mallory an einem anderen Ort mit neuer Identität Jura, dann holt sie die Vergangenheit wieder ein.

Jilliane Hoffman, Ex-Staatsanwältin und Expertin für Drogenfahndung und organisiertes Verbrechen, landete mit ihren Romanen Cupido, Morpheus, Vater unser, Mädchenfänger, Argus und Samariter allesamt globale Bestseller. Auch Insomnia ist ein durchschnittlich guter Thriller, der sein Bestseller-Potenzial ein bisschen verspielt hat. Die Story ist eher flach und über weite Strecken zäh zu lesen. In der ersten Hälfte kommt sie kaum in Fahrt, im Abgang ist sie wenig nachhaltig. «Überraschende» Wendungen sind, zumindest für den geübten Thrillerleser, irgendwie vorhersehbar.

Stark sind allerdings die Figuren, die Hoffman, sicherlich auch aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung als Staatsanwältin, authentisch zeichnet.

Wie beispielsweise den Hammermörder: Von Kindesbeinen an leidet er an grässlichen Kopfschmerzen. Ihm werden posttraumatische Belastungs- und andere Störungen von Ärzten und Therapeuten attestiert, aber keiner kann ihm helfen. Überzeugt, er sei nicht normal, beginnt er schon als Kind selbst Abhilfe zu schaffen, indem er Tiere quält und tötet. Später, man ahnt es, wechselt er zu Menschen. Mit kurzen, fast abgehackten Sätzen lässt Hoffman den Leser die Schmerzen und Abgründe ihrer Figuren miterleben, ja beinahe selbst fühlen. Wo die Story etwas hinkt und sich hinzieht, macht es die Autorin mit lebendigen Charakteren wieder wett.

Insomnia ist ein solider Thriller, der ohne Schnickschnack auskommt – nicht mehr und nicht weniger.


Bei ExLibris: Insomnia
Autorin: Jilliane Hoffman
Verlag: Rowohlt

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