26. April 2018

«Britannia»: Angriff aufs Reich der Druiden

Komplexe Figuren, politische Intrigen, Gewalt und ein Schuss Fantasy: Die TV-Serie «Britannia» bedient sich grosszügig beim Erfolgsrezept von «Game of Thrones». Im Jahr 43 nach Christus steht Rom im Zenit seiner Macht und will nun auch noch das rebellische Britannien unterwerfen.

Britannia
Der mächtigste Mann im keltischen Britannien: Druide Veran bereitet gerade ein Ritual vor (Bilder: SKY UK LIMITED).

20'000 Legionäre hat der römische General Aulus Plautius (David Morrissey) dabei, als er nach Britannien übersetzt, um das zu vollenden, was Julius Caesar einst misslungen ist: die Insel zu unterwerfen und zu einer Provinz des Reichs zu machen. Doch unter seinen Männern kursieren beängstigende Gerüchte über das wilde Land und seine unzivilisierte, zu magischen Riten neigende Bevölkerung. Nur schon auf der Überfahrt fürchten sie Meeresungeheuer und Dauerregen, und der General ist immer mal wieder mit Deserteuren konfrontiert.

Nach der Ankunft macht die römische Armee erst mal mit einem Dorf kurzen Prozess, um zu signalisieren, dass sie es ernst meint, zieht sich dann jedoch in ein Lager zurück. Von dort aus fängt General Plautius an, die rivalisierenden Keltenclans der Insel gegeneinander auszuspielen. Deren Anführer wiederum, König Pellenor (Ian McDiarmid) vom Stamm der Cantii, und Königin Antedia (Zoë Wanamaker) vom Stamm der Regni, sehen mithilfe der Römer eine Chance, einander endlich gegenseitig zu unterjochen. Über allem jedoch thronen die Druiden, Hohepriester einer Naturreligion, die übersinnliche Kräfte zu verleihen scheint. Ihnen beugen sich selbst die Clanherrscher. Der General erkennt dann auch zu Recht, dass er die Götter der Kelten stürzen muss, um die Inselbewohner zu kontrollieren, und sucht ein Bündnis mit dem höchsten Druiden Veran (Mackenzie Crook). Doch der folgt nur seiner eigenen Agenda.

Über neun Episoden gibt es wilde Politintrigen, brutale Kämpfe, mysteriöse Rituale, und das alles mit einem umfangreichen Figurenkabinett, unter denen sich neben Königin Antedia, die Plautius in einer grossartigen Sequenz einmal dazu auffordert, ihr die Füsse zu küssen, eine ganze Reihe starker Frauen befindet. Kaum vorstellbar, dass es diese Serie ohne den enormen Erfolg von «Game of Thrones» gegeben hätte. Zwar bietet Jez Butterworths «Britannia» deutlich weniger Fantasyelemente, kommt dafür visuell sowie im Ton moderner, poppiger und witziger daher. Gerade das ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber letztlich erstaunlich gut.

Filmszene aus «Britannia»
Der römische General Aulus Plautius versucht, mit der Tochter des Keltenkönigs Pellenor einen Deal zu machen.

Anders als «Game of Thrones» basiert «Britannia» auf gewissen historischen Fakten: Die römische Invasion gab es tatsächlich, ebenso die Keltenclans und die Druiden. Sogar Aulus Plautius ist eine historische Figur, ein Senator und Feldherr, der zum ersten Statthalter Roms an der Themse wurde. Aber vieles aus dieser Zeit liegt im Dunklen, insbesondere was Kultur, Lebensstil und Religion der alten Kelten betrifft. Diese Lücken füllt «Britannia» grosszügig und äusserst unterhaltsam.

Und wer «Star Wars» und «The Walking Dead» mag, darf sich auf ein Wiedersehen mit dem finsteren Emperor des galaktischen Imperiums und dem skrupellosen autokratischen Governor einer zombiefreien Menschensiedlung freuen, deren Darsteller (McDiarmid und Morrissey) sich beide mit sichtlichem Vergnügen in ihre historischen Rollen stürzen. Eine zweite Staffel ist bereits angekündigt.


«Britannia» gibt es bei Ex Libris auf DVD und Bluray.


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