11. Dezember 2017

«Bitcoin» ist das Finanzwort des Jahres 2017

Eine renommierte Jury hat auch dieses Jahr den Begriff bestimmt, der die Schweizer Finanzbranche im ablaufenden Jahr mitprägte. Die prominenteste Kryptowährung wählten Wirtschaftsprofessorin Sita Mazumder, Ex-Bankier Oswald Grübel, Finews.ch-Gründer Claude Baumann, Schriftsteller Michael Theurillat und Thomas Pentsy, Markt- und Produktanalyst der Migros Bank.

Die fünfköpfige Jury (von links): Finews.ch-Gründer Claude Baumann, Schriftsteller Michael Theurillat, Wirtschaftsprofessorin Sita Mazumder, Ex-Bankier Oswald Grübel sowie Thomas Pentsy, Markt- und Produktanalyst der Migros Bank. (Bild: Michael Sicker)
Lesezeit 2 Minuten

Der Preis eines Bitcoins hat sich dieses Jahr etwa verzehnfacht. Aber sind die Kursgewinne gerechtfertigt? Rund um das Thema Bitcoin besteht viel Aufklärungsbedarf. Eine fünfköpfige Jury aus Finanzexperten hat den Begriff «Bitcoin» deshalb zum Finanzwort des Jahres 2017 gekürt.

Angesichts der fulminanten Kursgewinne wird heftig debattiert, ob sich mit dem Bitcoin eine Spekulationsblase aufgebläht hat. Dabei wird oft an die Dotcom-Blase Ende der 1990er-Jahre erinnert. Ein Blick zurück offenbart: Der Bitcoin ist in kürzerer Zeit weitaus höher gestiegen als damals die US-Technologiebörse Nasdaq.

Kryptobefürworter argumentieren: Die Grundlage von Bitcoin sei eine disruptive Technologie, die traditionelle Geschäftsabläufe nachhaltig verändere. Daher seien die Renditen gerechtfertigt. Überdies ermöglicht die Blockchain-Technologie beispielsweise auch die Unterstützung von «intelligenten Verträgen», die automatisch ausgeführt werden, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Ein wesentlicher Vorteil besteht wohl darin, dass das Bitcoin-Netzwerk dezentralisiert aufgebaut ist und keiner Kontroll- oder Regulierungsstelle unterliegt. Darum unterscheiden sich Bitcoin-Transaktionen erheblich von herkömmlichen Bankgeschäften, bei denen Finanzinstitute eingreifen können, um Konten einzufrieren, Geldwäschereizahlungen zu überprüfen oder Vorschriften durchzusetzen.

Für viele Leute stellt Bitcoin aber auch eine andere Möglichkeit dar: Man kann sich damit dem Finanzsystem und dem Einfluss der Notenbanken entziehen. Daher sind Kryptowährungen wie Bitcoin auch zu einem Hafen für Aktivitäten geworden, die von Cyberkriminalität und Drogenhandel bis hin zur Kapitalflucht aus Ländern mit strikten Kapitalverkehrskontrollen reichen.

Blockchains, verbunden mit Bitcoin, haben das Potenzial, die Finanzwelt zu revolutionieren. Auch das Aufkommen des Internets in den 90er-Jahren war ein solcher Paradigmenwechsel. Grundlegende Umwälzungen vollziehen sich aber üblicherweise nicht über Nacht. So, wie viele frühere Dotcom-Highlyer vom Markt verschwunden sind, dürften längerfristig auch etliche Kryptowährungen wieder «untergehen».


Was ist Ihre Meinung zum Bitcoin?
Diskutieren Sie mit unter: blog.migrosbank.ch

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