14. September 2017

Bezaubernde Momente in Frankreich

Anfang Dezember verwandelt das Lichterfest die Fassaden der Gourmetstadt Lyon in leuchtende Kunstwerke. Dieser vorweihnachtliche Zauber und mehr lassen sich auf einer Flussreise mit der «Excellence Rhône» erleben.

Kathedrale Saint-Jean Lyon
Auf der Fassade der Kathedrale Saint-Jean in Lyon sind faszinierende 3-D-Animationen zu bestaunen (Bild: zVg).
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Lyon erwartet dieses Jahr für das «Fête des Lumières» vom 7. bis 10. Dezember erneut weit über eine Million Besucher. Der Ursprung dieses Lichterfestes geht auf ein Ereignis in der Pestzeit des Frühbarock zurück. 1643 beteten die Einwohner von Lyon zur Muttergottes und gelobten eine jährliche Prozession, wenn die Stadt vor der Pest, die sich bereits im ganzen Süden Frankreichs ausgebreitet hatte, verschont bliebe. Die Gebete wurden erhört, die Epidemie ging schnell vorbei.

Einige Jahrhunderte später belebte Lyon die Erinnerung an dieses Ereignis: Seit dem 8. Dezember 1852 zünden die Bewohner Kerzen in ihren Fenstern an. An vier Abenden im Dezember ist die Stadt erleuchtet. «Merci Marie» leuchten die Buchstaben auf der Basilika Notre-Dame de Fourvière während des Lichterfests noch immer. «Danke Maria, dass du uns Lyoner von der Pest gerettet hast.» Doch das Lichterfest ist im Heute angekommen: 2016 wurden die Zugänge zu den wichtigsten Attraktionen aus Angst vor einem Terroranschlag kontrolliert. Sicherheitskräfte überprüfen Taschen und Personen, Rucksäcke sind verboten.

Trotzdem strahlen die Lichter stärker als dunkle Ängste. Das kostenlose Freilichttheater ist ein Spektakel der Sonderklasse und begeistert mit rund einem Dutzend Lichtanimationen. Am Place Bellecour, dem grössten Platz in Lyon, ist ein illuminierter Dinosaurier à la «Jurassic Park» zu sehen. Die Passerelle Saint-Georges, die über den Fluss führt, verwandelt sich in einen märchenhaften, überdimensionalen Schlitten, den man am besten von der Ecke Quai Tilsitt/Pont Bonaparte bestaunen und fotografieren kann. Die gesamte Rue de la République leuchtet auf über einem Kilometer in den Farben der chinesischen Stadt Zigong, mit der Lyon eine Partnerschaft pflegt. Den Höhepunkt bildet die Fassade der Kathedrale Saint-Jean am gleichnamigen Platz, wo 3-D-Animationen zu sehen sind, die den Verlauf der Geschichte mit eindrucksvollen Einspielungen in ein paar Minuten erzählen.

Tagsüber zeigt sich Lyon zur Vorweihnachtszeit wenig festlich, anders als Nürnberg, Dresden, Strassburg, Salzburg oder Wien mit ihren berühmten Weihnachtsmärkten. Die Adventszeit wird in Frankreich mit Ausnahme des Elsass kaum zelebriert. In Lyons Altstadt verkaufen die Standbetreiber – typisch französisch – Wurst, Paté und Foie gras. Der Vin chaud, bei uns als Glühwein bekannt, kostet zwei Euro pro Becher.

Festliche Stimmung an Bord der «Excellence Rhône», genauer in der gut frequentierten Lounge

Festlich geschmückt ist hingegen unsere Unterkunft, das Hotelschiff «Excellence Rhône», wo wir am Vortag nach unserer Busfahrt aus der Schweiz eingecheckt haben. Nach dem Aufenthalt in Lyon bringt es uns am späteren Nachmittag auf der idyllischen Saône nach Trévoux. An Bord spielt Pianist Janos Weihnachtslieder, umrahmt von einem mit roten Christbaumkugeln dekorierten Weihnachtsbaum und einer Samichlauspuppe. Reiseleiterin Sabine Glantschnig aus dem Tirol erklärt den Passagieren, die meisten von ihnen im Rentenalter, das weitere Programm.

Die Stimmung an Bord ist gemütlich. In einer Ecke lauscht eine Familie mit zwei Töchtern den Ausführungen der Reiseleiterin. Bei der Sicherheitsübung witzelt ein Crewmitglied, das wie die meisten aus Osteuropa stammt: «Schauen Sie die Sicherheitsweste an, nicht mich.» Der Mann erntet schallendes Gelächter.

Warten aufs Christkind im Dorf Oingt.

Trévoux ist Ausgangspunkt für das idyllische Weinanbaugebiet des Beaujolais mit seinen hügeligen Tälern und Schlössern aus goldgelb schimmerndem Kalkstein. Am frühen Morgen fallen die Schweizer Gäste der «Excellence» im Dörfchen Oingt ein, das privilegiert auf einem Hügelzug thront, meist oberhalb der Nebelgrenze. Oingt ist bekannt für seine besonders originellen Krippen. Oder haben Sie schon mal Maria- und Josef-Figürchen in einer Mikrowelle vor dem Jesuskind gesehen? Eine andere Krippe ist in einem Vogelkäfig ausgestellt, eine weitere in einer Art Vogelhaus. So lieblich wie diese Kunstwerke präsentieren sich danach die Weine aus der Gamay-Traube, die wir auf dem Hof der Domaine Paire in Ternand degustieren, nur 40 Kilometer nordwestlich von Lyon gelegen. So eine Flussreise wirkt dank der Langsamkeit eben auch entschleunigend.

Nach diesem Ausflug ruft schon der Farewell-Cocktail. Zum Galaabend wird Kapitän Alain Jolly mit dem «Radetzky-Marsch» begrüsst. Das Publikum klatscht im Takt mit und ist glücklich. Schade, dass am nächsten Tag die Reise mit dem Bus von Chalon-sur-Saône via Besançon in die Schweiz endet. 

Maria, Josef und das Jesuskind in einer ausrangierten Mikrowelle: gesehen im charmanten Dorf Oingt


Die Recherche dieser Reise wurde unterstützt vom Reisebüro Mittelthurgau in Weinfelden.

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