23. Juli 2017

Besuch im Le Mezzerie de Moudi in Zürich

Eine Restaurantkritik.

Restaurant «Le Mezzerie» in Zürich
Das Restaurant «Le Mezzerie» in Zürich.
Lesezeit 3 Minuten

Unweit vom quirligen Zürcher Idaplatz eröffnete jüngst eine Crossover-Mischung aus französischem Bistro und libanesischem Restaurant. Zeit, nach dem ersten Hype dem Restaurant einen Besuch abzustatten. Zu siebt. Direkt an der Bertastrasse gelegen, nehmen wir in Kauf, dass der Abend von Töffs, Bussen und Autos musikalisch begleitet wird. Doch der Strassenlärm wird bald vom geselligen Plaudern in den Hintergrund gedrängt. Dafür geniessen wir die letzten Sonnenstrahlen des Abends. Die Getränke bringt uns die nette Bedienung fix, vergisst aber den einen oder anderen Drink. Eine Beratung bei den Weinen fällt aus, da unsere Bedienung selbst keinen trinkt. Für mich ein Glas libanesischen Chardonnay. Der ist trocken, süffig und eine gute Wahl an diesem lauen Sommerabend.

Da es schade wäre, bei dem Namen nicht die Mezze zu probieren, bestellen wir die „Mezze Assortis“, die „grosse Auswahl kalter & warmer Mezze“ (Fr. 34.–/Person). Als erstes bekommt jeder eine braune Tüte mit warmem, dünnem Fladenbrot. Geschützt in der Tüte bleiben die Brote länger warm.

Auf dem langen Holztisch verteilen wir die 21 kleinen Melamin-Schälchen und wundern uns über das Kunststoffgeschirr. Drei etwas grössere Schüsseln sowie eine kleine Platte mit Fattoush, dem traditionellen Salat, werden ebenfalls auf Plastikgeschirr serviert. Das hätten wir in der netten Bistro-Atmosphäre nicht erwartet.

Von den 20 Mezze plus Varianten auf der Speisekarte bekommen wir insgesamt 13, eine kleine Platte Fattoush sowie den Couscous aus der Abteilung Salate. Mit den sechs Dips Babaghanoush, Hummus, Avocadocreme, Labneh, Labneh Harra und Muhamara (pikante Walnusspaste) sind wir bestens versorgt, und das Brot bald aufgegessen. Einen bleibenden Eindruck hinterlassen bei mir nur die Joghurtcreme Labneh Harra und das Muhamarra, die gut gewürzt sind. Mit dem Teilen der grünen Bohnen an Tomatensauce sind wir etwas überfordert, denn die Portion ist winzig und lässt sich eben nicht teelöffelweise dippen. Die pikanten Kartoffeln mit Koriander waren scharf gewürzt, der sparsam verwendete Koriander dazu hatte ein schweres Spiel. Das Schälchen Maghmor (Auberginen und Kichererbsen in Tomatensauce) war mild. Der Couscous ist für meinen Geschmack zu fade und hätte gern etwas mehr von der auf der Speisekarte erwähnten Minze haben können. Die Tomaten in dem Couscous glänzen nur durch Abwesenheit. Gern hätte ich den Tabouleh probiert, denn der wird laut Karte mit Quinoa zubereitet und wäre ein neuer Impuls für den altbekannten Mezze-Klassiker gewesen.

Falafel, Lahme Bajin (Rindfleisch-Teigtaschen), Fatayer (Teigtaschen mit Spinat) und Kibbeh sind gut zubereitet, lassen aber nicht die „exquisiten Mezze-Kreationen“ durchblicken, mit denen das Restaurant im Selbstbeschrieb auf Facebook und Instagram lockt. Da wir „sharing is caring“ praktizieren, bekommt auch jeder ein Stück der gebackenen bzw. frittierten Mezze – insgesamt waren jeweils nur fünf Stück auf dem Teller. Auch die Kolleginnen hätten gern den überbackenen Camembert mit Granatapfel probiert, ebenso die frittierten Auberginen, den Halloumi oder den mit Gewürz-Schmelzkäse gefüllten Blätterteig. Wir haben dennoch Freude am gemeinsamen Essen auf der mittlerweile komplett besetzten Terrasse des „Le Mezzerie“. Wir finden allerdings: Mit individuell bestellten Mezze wären wir wahrscheinlich besser bedient gewesen. Als Mezze-Liebhaberin und Köchin lautet mein Urteil: Die Mezze haben definitiv noch Luft nach oben und wären angesichts der Alternativen in Zürich nicht meine erste Wahl. Daran ändert auch das nette Ambiente draussen und die charmante bistro-typische Einrichtung drinnen nichts. Die Überraschung kommt mit der Rechnung: Wir haben letztlich nur fünf Mal die Mezze assortis bekommen. Dabei hatten wir für sieben bestellt. Wäre das so auch alles auf den Tisch bekommen, wäre ich daheim sicher nicht mehr über den Obstkorb hergefallen.


Le Mezzerie de Moudi
Bertastrasse 36
8003 Zürich
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 11 bis 23.30 Uhr

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