23. März 2015

Beste Sicht auf legendäre Gipfel

Das Migros-Magazin hat die markantesten Bergspitzen der Schweiz nach ihrer Erstbesteigung geordnet. Hier finden Sie geeignete, leicht begeh- oder -fahrbare Standorte, um die legendären Berge zu bestaunen.

TITLIS
TITLIS

TITLIS
Der Gipfel auf der Obwaldner-Berner Grenze macht es einem selten einfach, ihn aus nächster Nähe zu bestaunen. Allerdings zeigt sich genau hier, dass die ideale Entfernung für die Bergsicht mehr Distanz als ein Standort in unmittelbarer Nähe des Gipfels erfordert. Also nicht mit der Bahn bis zur Rotair-Bergstation fahren oder vom Beginn der letzten Sektion (Stand) hinauflinsen.

Stattdessen:
- Als nächster Standort: am Trübsee bleiben und von dort feldstechern und fotografieren
- Als klassischster Aussichtspunkt: mit der Brunni-Bahn auf Engelbergs Nordseite bis Ristis, in der Sommersaison dem Wanderweg ein gutes Stück bergauf ins nordöstliche Seitental folgen
- Als innovative Lösung: sommers von Innertkirchen auf der Sustenpassstrasse bis 500 m nach dem Camping Gadmen fahren, links zur Wendenalp abzweigen und bis zum Strassenende fahren/spazieren.

Noch im 17. Jahrhundert hielt man den Titlis (3238 Meter) für den höchsten Schweizer Berg. Über die Erstbesteigung gibt es widersprüchliche Angaben: Engelberger Dokumente nennen eine Viererseilschaft von 1744 als Erstbesteiger.

RHEINWALDHORN
RHEINWALDHORN

RHEINWALDHORNAuch hier heisst es, nicht gross in die Höhe zu steigen: von Biasca aus den Lukmanier bis Aquila hinauffahren, dort auf die linke (nordwestliche) Talseite wechseln und ein paar wenige Kilometer nach Largario hinauffahren. Aktive spazieren noch etwas weiter in die Höhe.

Auf 3402 Meter liegt der Gipfel des Rheinwaldhorns. Im Juni 1789 gelang Pater Placidus a Spescha aus dem Kloster Disentis die erste nachweisbare Besteigung eines über 3000 Meter hohen Berges in den Alpen.

JUNGFRAU
JUNGFRAU

JUNGFRAU
Hier versagt Insiderwissen gegen den bekanntesten Aussichtspunkt, der bequem erreichbar ist: über Lauterbrunnen und Mürren aufs Schilthorn.

Alternative für jene, die gern einen etwas anderen Winkel und mehr Distanz wünschen: Im Wallis über den Gomser Ort Fiesch aufs Eggishorn. Mit traumhafter Sicht über den oberen Aletschgletscher auf Jungfrau (und Mönch gleich rechts daneben). Allerdings: Wirklich nah erscheint der Berg dem Auge nur mit Hilfsmitteln sowie bei idealem Wetter.

Am 3. August 1811 standen Johann Rudolf und Hieronymus Meyer, Söhne eines Aargauer Textilfabrikanten, als Erste auf der 4158 Meter hohen Jungfrau. Kühne Idee, denn Bergsteigen war erst in den Anfängen.

TÖDI
TÖDI

TÖDI

Mit am bekanntesten ist die Aussicht von bestimmten Spots in Braunwald GL. Wir empfehlen in diesem Fall einmal etwas leicht Mühsameres, dafür Näheres: von Linthal über Restiberg ins Durnagel-Seitentälchen (südöstlich), bei ca. 1400 m ü.M. nach rechts (Westen) hinauf zum Bächikamm wandern. Minim nördlich davon am Ende des Weges hat man die beste Aussicht.

Der Tödi ist mit 3614 Metern der Höchste der Glarner Alpen und wurde am 1. September 1824 von Augustin Bisquolm und Placi Curschellas erobert. Ende des 19. Jahrhunderts wird er zum Modeberg.

FINSTERAARHORN
FINSTERAARHORN

FINSTERAARHORN
Von Grindelwalds Ortszentrum am Nordhang mit dem Bus Nr. 130 bis zur Haltestelle Nodhalten, bei der Abzweigung wenige 100 Meter auf dem Weg in östliche Richtung laufen … und staunen.
Natürlich lässt sich auch der Eiger vom selben Ort aus betrachten.

Das Finsteraarhorn ist mit 4274 Metern der höchste Gipfel der Berner Alpen. Es ist nicht bekannt, ob der markante Gipfel 1812 oder erst am 10. August 1829 bezwungen wurde.

BERNINA
BERNINA

BERNINA
Die bequemsten Aussichtspunkte sind mit Bergbahn ohne Anstrengung erreichbar, im Winter auch fast konkurrenzlos: Wer die Sicht aus der Nähe mag, reist mit der Berninabahn (RhB) und der Seilbahn auf die Diavolezza.

Mit allen Nachbargipfeln in idealer Postkartenansicht linst man vom Piz Nair Richtung Bernina (über St. Moritz und Corviglia-Zahnradbahn zur Nair-Seilbahn). Im Sommer noch schöner, aber anstrengender: Der Blick aus dem (Nord-)Osten vom Albris oder etwas einfacher vom Piz Languard aus. Als leicht östlichere Sommervariante zum Nair empfiehlt sich für Schwindelfreie und Trittsichere der Piz Ot (von der Alp Marguns oder noch schöner von Spinas aus). Schöne, etwas leichtere Möglichkeit: der Piz Albana unmittelbar vor dem Julier.

«Um 6 Uhr standen wir auf dem höchsten Punkt des Kantons, 4052 Meter», schreibt Johann Coaz über den 13. September 1850, als er den höchsten Gipfel des Engadins schaffte. Coaz nennt ihn Piz Bernina.

MONTE ROSA
MONTE-ROSA-MASSIV

DUFOURSPITZE
Hier gibts kaum bessere Varianten als den allen bekannten Cornergrat, erreichbar mit der Zahnradbahn ab Zermatt Zentrum. Dieser offeriert neben der Aussicht aufs Monte-Rosa-Massiv (höchster Punkt: die Dufourspitze) auch einen der bekanntesten Blicke aufs Matterhorn.
Im Sommer noch hübscher: das Stockhorn oder das Riffelhorn.

Die Dufourspitze in den Walliser Alpen ist mit 4634 Metern der höchste Gipfel der Schweiz, benannt nach dem Kartografen Guillaume-Henri Dufour. Erstmals bestiegen am 1. August 1855 durch eine Seilschaft von Charles Hudson.

EIGER
EIGER

EIGER
Natürlich hat man vom Schilthorn beinahe die gleich gute Sicht auf den Eiger wie auf die Jungfrau – nicht unbedingt aber auf die aus alpinistischer Perspektive zentrale Nordwand.
Dafür empfiehlt sich einerseits die Männlichen-Bergstation, wir schätzen trotz des zum kleinen Teil die Sicht verstellenden Lauberhorns jedoch die Schynige Platte, mit Bähnli bestens von Interlaken erreichbar.

Mit der Nordwand ist der Eiger (3970 Meter) der berühmteste Gipfel der Berner Alpen. Die Erstbesteigung erfolgte am 11. August 1858 durch Charles Barrington mit Bergführern Christian Almer und Peter Bohren über die Westflanke.

DOM
DOM

DOM
Am nächsten kommt man dem höchsten ganz auf Schweizer Boden gelegenen Berg mit der Anreise von Saas Fee in die Gletscherwelt des Mittelallalins.

Wir mögen es etwas entfernter, mit besserem Winkel und älterer, leicht verlebter Bergstation: Plattjen – auch hübsch und bei den meisten Touristen zu Unrecht völlig unterschätzt. Ist man etwas weiter unten im Tal am Skifahren, bietet die Bergstation Hohsaas im Skigebiet von Saas Grund die beste Sicht auf den mächtigen Dom.

Der Dom (4545 Meter) ist der höchste Berg, der ganz in der Schweiz steht. Er gehört zur Mischabelgruppe und wurde am 11. September 1858 von J. Llewellyn Davies, Johann Zumtaugwald, Johann Kronig und Hieronymous Brantschen bestiegen.

DENT BLANCHE
DENT BLANCHE

DENT BLANCHE
Man kann eines der markantesten Dächer der Walliser Bergwelt ebenfalls vom Mattertal aus bestaunen, idealer – weil eine andere Landschaft als jene zwischen Dom und Matterhorn eröffnend – erscheint uns die Entdeckung vom nächsten, bereits klar welschsprachigen Tals im Westen.
Anreise von Sion über Evolène und Les Haudères weiter auf der Hauptstrasse nach Arolla bis zur Kreuzung mit Bushalt Farquèses. Dann seitlich rechts den Hang hinauf bis zum Strassenende in nordwestlicher Richtung bei einer Alp oberhalb La Crettaz auf rund 2150 m ü.M.

Der Dent Blanche (4357 Meter) gilt unter Alpinisten als anspruchsvoller 4000er. Auf 3507 Metern befindet sich die höchstgelegene SAC-Hütte der Schweiz. Am 18. Juli 1862 eroberte eine fünfköpfige Seilschaft den Weissen Zahn.

ZINALROTHORN
ZINALROTHORN

ZINALROTHORN
Nochmal ins Mattertal? Ja, diesmal gibts wieder kaum eine andere Möglichkeit: Im Sommer sieht man das Zinalrothorn am besten vom Oberrothorn (etwas über 3400 m ü.M.) aus, nach der Reise mit der Seilbahn von Zermatt am Osthang aufs Unterrothorn, dann erklimmt man die letzten gut 300 Höhenmeter zum Gipfel. Das Oberrothorn ist übrigens ein beinahe so guter Aussichtsspot für das Matterhorn oder auch das Monte-Rosa-Massiv.

Im Winter muss man vom Unterrothorn aus mit dem teils ‚störenden‘ Äschhorn und dem südlich folgenden Bergkamm kurz vor dem Zinalrothorn leben. Alternative: Noch besser als der Cornergrat (wie Unterrothorn ca. 3100 m ü.M.) die Bergstation des Klein Matterhorn und der dahinterliegende Gletscher.

Melchior Anderegg, Leslie Stephen und Jakob Anderegg haben am 22. August 1864 das 4221 Meter hohe Zinalrothorn erstmals bezwungen. Der Aufstieg über den Rothorngrat gilt als einer der schönsten in der Gegend von Zermatt.

PIZ BUIN
PIZ BUIN mit Blick vom Val Tuoi. (Bild: Eisele Fotos)

PIZ BUIN
Viele kennen nur das Sonnenschutzmittel – ein Versäumnis. Auch für nicht hochalpin Erfahrene lohnt sich der Weg an den Fuss des Piz Buin. Denn wir empfehlen hier ein Kennenlernen aus grösstmöglicher Nähe. Von Guarda (Unterengadin) aus folgt man im Sommer dem Clozza-Fluss im nördlichen Seitental bis zur Tuoi-Hütte am Fuss des Buin. Weil nun der Aussichtsfaktor zu Nackenstarre führen könnte, empfiehlt sich der Weg von der Hütte über den Furcletta-Bergsee (bereits auf 2550 m ü.M.) zum gleichnamigen Übergang ins Urezzas-Tälchen. Weiterwandern bis Ardez bei Übernachtung in Tuoi-Hütte lohnt sich!

Wer es dennoch mit der Sicht aus grösserer Distanz hat: Von Zernez hinauf zum Munt Baselgia (2945 m ü. M.), nach ein paar Schritten hinunter zu den höchsten Macun-Seen im Nationalpark hat man mit Blick zum Talausgang den Buin eine Weile lang schön vor sich.

Piz Buin (zu Deutsch Ochsenkopf) auf 3312 Meter: Die Erstbesteigung des dritthöchsten Bergs des Silvretta-Hauptkamms gelang Joseph Anton Specht und Johann Jakob Weilenmann am 14. Juli 1865.

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