12. März 2019

Beruf: Schoggitester

Ramon Hilfiker hat einen beneidenswerten Beruf: Er entwickelt bei Chocolat Frey neue Geschmackssorten. Ein Blick hinter die Kulissen eines aussergewöhnlichen Metiers.

Ein Schokoladeentwickler bei der Arbeit
Kenner der Aromaträger und Geschmacksveredler: Ramon Hilfiker

Auch wenn er keine Berufskleidung – bestehend aus Jacke mit Logo, Haube und Mundschutz, alles in Weiss – tragen würde, könnte man sein Metier anhand seiner Augen erraten: Sie sind schokoladefarben, ebenso wie sein sorgsam getrimmter Bart. Ramon Hilfikers Beruf lässt jede Naschkatze neidisch werden: Er ist Schokoladengeschmackstester und -entwickler bei Chocolat Frey AG in Buchs AG.

Ein facettenreicher Berufsalltag
Es war allerdings kein Kindheitstraum, der Ramon Hilfiker bewog, diesen Berufsweg einzuschlagen: «Zwar mochte ich Schokolade schon als kleines Kind», bestätigt der junge Mann. «Aber erst während meiner dreijährigen Ausbildung in der Abteilung Lebensmitteltechnologie von Chocolat Frey realisierte ich, was für ein Potenzial in Schokolade steckt. Sie ist etwas Faszinierendes, denn sie durchläuft viele Entwicklungsstufen, bis sie vollkommen ist.

Hilfiker arbeitete nach abgeschlossener Ausbildung zunächst ein Jahr lang in der Produktionsabteilung, bevor er sich 2014 in die Geheimnisse der Entwicklung von Schokoladenspezialitäten einweihen liess. Was schätzt er an seinem Beruf am meisten? «Die Arbeit ist extrem abwechslungsreich; kein Tag gleicht dem anderen, wobei stets eine neue Herausforderung wartet. Wer einen Rocher-Osterhasen mit Mandelsplittern isst, macht sich in der Regel kein Bild davon, mit wie viel Arbeit die Herstellung verbunden ist. Wir hingegen betrachten das Produkt mit anderen Augen.»

Haselnussschokolade – der grosse Favorit
Ramon Hilfiker darf im Verlauf eines Jahrs zahlreiche neue Schokoladensorten testen, «von denen anschliessend nur bestimmte Sorten produziert werden, je nach den Wünschen der Konsumenten und der Anzahl Schokoladensorten, die die Migros schliesslich ins Sortiment aufnimmt». Dennoch bekennt er sich zu einer Vorliebe für Milchschokolade mit Haselnüssen: «Die Kombination aus Kakao, Milch und gerösteten Haselnüssen ist einfach das Beste!»

Mit dieser Vorliebe ist er nicht allein: Milch-Nuss ist auch die Lieblingsschokolade der Schweizer, gefolgt von sämtlichen Sorten Milchschokolade mit Nüssen oder Früchten. Aber auch die Risoletto-Riegel zählen zu den Erfolgsprodukten des Unternehmens, ausserdem die Schoggi-Ostereili und -Hasen.

Den Trends und Vorlieben auf der Spur
Wie aber kreiert man eine neue Schokolade, die bei den Konsumenten Anklang finden soll? Einerseits, indem man Trends und Lagerabgänge verfolgt und sehr genau analysiert, wie sich die Produkte verkaufen. Andererseits, indem man wie die Migros die Wünsche der Kunden berücksichtigt, weil die sehr genaue Vorstellungen von der Schokolade haben, die sie im Sortiment finden möchten.

Zugleich gilt es, der Kundschaft laufend unaufgefordert neue Kreationen anzubieten. «Vor diesem Hintergrund erproben wir verschiedene Geschmackskombinationen und testen sie zunächst im Kleinteam», führt Ramon Hilfiker aus. «Dabei ist es wichtig, dass wir unsere persönlichen Präferenzen unberücksichtigt lassen. Stattdessen sind wir bestrebt, möglichst viele Kunden anzusprechen. Nach einer Verfeinerung unserer Auswahl bieten wir sie zur Verkostung im grösseren Rahmen an, bevor wir sie der Migros zur Freigabe präsentieren. Lehnt die Migros ab, produzieren wir nicht.»

Auf diese Weise sind vor Kurzem einige Neuheiten in den Verkauf gelangt: eine Giandor-Schokolade mit Mandelsplittern, die Suprême Noir mit ganzen Mandeln und salzigen Caramelsplittern sowie eine Mahony-Schokolade mit gerösteten Maiskörnern.

Gerösteter Mais – in der Mahony-Kreation leicht gesalzen – ist auch Teil der Zutatenliste für die neuen Clouds, die kleinen Schokoladensnacks in Wolkenform. «Für unsere Ostereili entwickeln wir jedes Jahr eine neue Geschmacksrichtung», verrät Ramon Hilfiker. Diesmal können Schokoladenliebhaber zwischen einer Füllung mit Passionsfrucht und einer mit Banane wählen, und beides wird schon bald in den Filialen erhältlich sein.»

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