03. Mai 2018

Bereit für die royale Hochzeit?

In England wird demnächst geheiratet – mit Prunk, Prominenz und Puderzucker. Schweizer Royal-Fans erzählen, was sie am britischen Königshaus fasziniert und wie sie der Hochzeit von Meghan und Prinz Harry entgegenfiebert.

Die royalen Hochzeiten vereint
Die schönsten royalen Hochzeitsmomente auf einem Bild vereint.

Königlich belesen

Royal-Fan Cedric Beeler
Seit der Kindergartenzeit ist Cedric Beeler Royal-Fan. Klatsch und Tratsch interessieren ihn nicht. Es ist die Geschichte 
der Königshäuser, die ihn fesselt.

Angefangen hat für Cedric Beeler (24) alles mit dem Zeichentrickfilm «Anastasia» (1997). Er war sechs Jahre alt, als er den Film über das Leben der russischen Zarentocher zum ersten Mal gesehen hat. «Historisch war im Film vieles nicht korrekt, das wusste ich damals aber natürlich noch nicht. Ich war einfach sofort fasziniert vom Leben am Hof und was mit der Zarenfamilie geschah, als die Russische Revolution ausbrach», sagt Beeler.

Danach wollte er mehr wissen – erfahren, was damals wirklich geschah. «Statt Gutenachtgeschichten sollte mir meine Mutter nur noch die wahre Geschichte der Romanows erzählen.» Er hatte Glück, denn seine Mutter war historisch immer sehr interessiert und las viele Bücher zur Französischen und Russischen Revolution. «Wenn sie etwas nicht wusste, war ich auch mit dem Vorlesen eines Wikipedia-Eintrags zufrieden.»

Nach der Zarenfamilie begann er, sich auch mit der Geschichte anderer Königshäuser zu beschäftigen. England, Deutschland, Frankreich, Japan, Hawaii, Äthiopien – Beeler kennt nahezu alle gekrönten Häupter, weiss, was mit ihnen und ihren Königreichen geschah. Stellt man ihm eine Frage dazu, sprudelt das Wissen nur so aus ihm heraus.

Aber was macht für ihn die Faszination der Monarchie aus? «Viele Entscheidungen, die vor 400, 500 Jahren von Monarchen getroffen wurden, und ihr Verhalten als Herrscher wirken bis heute nach. Die Entstehung der englischen Kirche, die Französische Revolution, die Entstehung Schwedens und Norwegens …»

Reisen zu den Königsschlössern

In den Ferien besucht der angehende Pflegefachmann gern die Orte, die er aus seinen Geschichtsbüchern kennt – er besitzt etwa 60. «Bis auf Andorra war ich schon in jedem europäischen Land, das eine royale Vergangenheit oder Gegenwart hat.» Vor Ort besucht er Schlösser und Museen.

Aktuelle Meldungen aus den noch existierenden Monarchien verfolgt er zwar, zieht jedoch eine klare Grenze: «Klatsch und Tratsch interessieren mich nicht gross. Ich finde es wichtig, dass man die Privatsphäre der Royals respektiert. Sie haben das Recht auf ein Familienleben abseits der Öffentlichkeit. Schliesslich ist Königin oder König sein auch nur ein Job.»

Die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle wird er aber sicher mitverfolgen – zu Hause in Zürich. «Vermutlich sehe ich sie mir allein an, dann kann ich das Ereignis in Ruhe geniessen», meint er schmunzelnd.

Gepackt vom Diana-Virus

Lady Di-Fan Monica Heinz
Monica Heinz sammelt Andenkenporzellan des englischen Königshauses. Vor allem Prinzessin Diana hat es ihr angetan.

In der Wohnung von Monica Heinz (50) lächelt einen Prinzessin Diana an – ganz viele Dianas, um genau zu sein. Etwa 70 Dosen, 100 Tassen, Teller und Glocken mit ihrem Konterfei hat sie in den letzten 20 Jahren gesammelt sowie 450 Bücher über Dianas Leben und das britische Königshaus.

Die gelernte Pharmaassistentin besuchte einen Sprachkurs in Edinburgh, kurz nachdem Prinzessin Diana am 31. August 1997 tödlich verunfalltet war. Sie erlebte mit, wie ihr Tod die Bevölkerung bewegte – und er bewegte auch sie. Damals kaufte sie sich einen Teller mit dem Konterfei und den Lebensdaten der Prinzessin, das erste Stück in ihrer Sammlung.

Königshäuser faszinierten Monica Heinz schon als Mädchen. Ihre Grossmutter hatte immer Klatschheftli, in die sie sich vertiefte, wenn sie bei ihr zu Besuch war. Als Diana am 29. Juli 1981 Prinz Charles heiratete, schaute sie sich die Zeremonie zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Gotte am Fernsehen an.

Mit dem «England­virus» angesteckt wurde sie, als sie nach Abschluss des 10. Schuljahres mit ihrer Klasse nach London reiste. «Die Leute, die Landschaft, die Lebensart: Ich fühle mich einfach wohl in England und Schottland.»

Monica Heinz absolvierte das Sprachdiplom Proficiency und in einem Fernstudium auch einen A-Level in Englischer Sprache und Literatur. Heute führt sie das Sekretariat von vier Professuren an der ETH Zürich. Ihre Sprachkenntnisse kann sie täglich einsetzen.

Stöbern auf Flohmärkten

Seit einigen Jahren besitzt sie eine kleine Wohnung in York, wo sie ihre Ferien oder lange Wochenenden verbringt. Oft begleiten sie ihre Eltern. Gemeinsam stöbern sie durch Car Boot Sales, eine Art Flohmärkte, auf denen Engländer direkt aus dem Kofferraum ihrer Autos Dinge verkaufen.

Immer dabei hat Monica Heinz ihr Tablet, auf dem Fotos ihrer Sammlung gespeichert sind. Findet sie etwas Neues oder Spezielles, hat sie «dä Plausch». Royal Commemoratives, wie das Andenkenporzellan heisst, werden auf Flohmärkten für wenige Pfund verkauft.

Ganz genau ergründen kann Monica Heinz ihre Faszination nicht. «Es ist einfach so gekommen.» An Lady Di einzigartig findet sie, wie sie ohne Berührungsängste auf die Leute zuging. Ihren Söhnen habe sie diese Fähigkeit mitgegeben.

Und so freut sich die Zürcherin über Williams Glück mit Kate und die angehende Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle. Ihre Gefühle gegenüber Prinz Charles hingegen sind gemischt: Bei Glocken oder Tellersets hat sie auch schon nur ein Stück gekauft – dasjenige mit der Prinzessin der Herzen drauf.

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