25. August 2017

Bei ihm hat Lady Di Kraft getankt

Am 31. August 1997 kam Prinzessin Diana bei einem Autounfall in Paris ums Leben. Jason Steele, der heute in der Schweiz lebt, war bis kurz vor ihrem Tod ihr privater Fitnesstrainer. Er erinnert sich an eine Frau mit «ungeheuer positiver Lebenseinstellung».

Fitnesstrainer Jason Steele
Fitnesstrainer Jason Steele trainierte die Prinzessin knapp ein Jahr lang. Nach ihrem Tod zog er in die Schweiz, um den aufsässigen Medien zu entkommen.
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Zuerst dachte Jason Steele an einen Scherz. Aber am anderen Ende der Telefonleitung war tatsächlich ein Sekretär aus dem Buckingham Palace, der ihn fragte, ob er künftig Prinzessin ­Diana trainieren möchte – wohl weil er schon andere Prominente wie Schauspielerin Joan Collins oder das Model Claudia Schiffer trainierte.
Das war 1996, als der Sohn eines englischen Vaters und einer österreichischen Mutter für das «Earls Court Gym» in London arbeitete, das heute «Soho Gyms» heisst und sich immer noch an der Earls Court Road 254 im Stadtteil Kensington befindet.

Diana, die sich im gleichen Jahr von Prinz Charles scheiden liess, hatte schon vorher regelmässig dort trainiert, doch mehr als kurze Gespräche vor und nach den Trainings gab es nicht. Nun also sollte Steele ihr persönlicher Trainer werden? Er sagte zu.

«Zuerst hatten wir ein Gespräch über ihre sportlichen Ziele», erinnert sich der heute 48-Jährige. «Mir war klar, dass wir angesichts ihres dicht gedrängten Terminplans zeitlich eingeschränkt waren.» Doch Diana habe immer sehr fleissig trainiert, intensiv und trotzdem mit Humor. «Sie besuchte das Gym morgens vor der offiziellen Türöffnung um 9 Uhr. Und sie war stets gut gelaunt – ihre ­positive Lebenseinstellung und ihre enorme Ausstrahlung waren für mich erstaunlich.»

Quittungen bis heute aufbewahrt

Das Training habe auf dem Laufband angefangen, weil Diana gern joggte. Während des Aufwärmens schaute sie TV. «Es war ihr wichtig, sich während des Sports vom Alltag, von der Realität, abzulenken.»

Einmal war sie Tage zuvor unvorteilhaft in einem Badeanzug mit Leopardenmuster fotografiert worden. «Ich fragte sie, wie sich das anfühlt, wenn man 24 Stunden lang mit der Kamera verfolgt wird. Sie sagte nur, sie sei das gewohnt und entgegnete lachend: Schau mal, wie ich aussehe.»
Aus dem Fenster im dritten Stock des Gyms sah man immer die Paparazzi, die draussen darauf warteten, Fotos von ihr schiessen zu können.

Diese Einladung erhielt Jason Steele zur Beerdigung
Diese Einladung erhielt Jason Steele zur Beerdigung von Lady Di.

Etwa 12 Monate trainierte Diana mit Jason Steele, ein- bis dreimal pro Woche. Sie habe sich in dieser Zeit sportlich verbessert, sagt er. Ihr letztes gemeinsames Training fand am 21. August 1997 statt. Der Personal Trainer erinnert sich: «Sie war gut gelaunt wie immer und zog frühmorgens ihr Programm durch. Niemand ahnte, dass sie nur noch zehn Tage zu leben hatte.»
Die Quittungen von jenen Trainingsstunden hat Steele noch heute fein säuberlich in einem Ordner aufbewahrt.

«Ihr Tod war auch für mich ein Schock. Und danach wurde ich von den britischen Medien verfolgt. Eine Journalistin tarnte sich als Kundin und stellte sich bei mir vor, nur weil sie eine Geschichte über mich machen wollte», berichtet Steele.
Schon bald hatte er von diesen Auswüchsen genug und flüchtete in die Schweiz, wo er aufgewachsen war und die Ruhe fand, die er suchte.

Heute lebt Steele in einem unscheinbaren Einfamilienhausquartier in Oberentfelden AG, zusammen mit seiner Frau Ramona (37) und den Töchtern Sienna (3) und Mia (1). Der durchtrainierte Fitnessexperte liebt die Anonymität im Dorf.

Noch heute Kunden dank Lady Di

Geboren wurde Jason Steele in England, besuchte jedoch in Küttigen AG die Schule und startete danach eine Ausbildung zum Radio- und TV-Verkäufer. «Musik war immer mein grösstes Hobby.» 1990 gewann er die Schweizer Meisterschaften als DJ, brach seine Lehre ab, ging nach England und hoffte auf eine grosse Karriere – doch daraus wurde nichts.
Also wechselte er in die Fitnessbranche. «Damals waren Personal Trainings in London schon recht populär, deshalb habe ich mich darauf spezialisiert.» So kam er schliesslich zu seiner berühmten Kundin.

In diesen Tagen zügelt die Familie Steele an den Greifensee ausserhalb von Zürich, damit Jason als privater Fitnesstrainer näher bei potenziellen Kunden ist, die bereit sind, bis zu 300 Franken pro Stunde zu bezahlen. Noch immer erhält er Anfragen, nur weil er einst Lady Di trainierte. Er selbst absolviert dreimal pro Woche ein Krafttraining – mit 50 möchte er Schweizer Meister seines Jahrgangs über 100 Meter Sprint werden.

Nach London reist Jason Steele bis heute regelmässig, weil er dort ein Bootcamp-­Projekt realisieren will. Auch den 31. August, den 20. Todestag von Diana, wird er in der britischen Hauptstadt verbringen. Seine ­Gedanken werden bei ihr sein. 

Prinzessin Diana unterwegs zu Fitness Club
Prinzessin Diana unterwegs zum Gym. (Bild: Getty Images)

Infos: www.steele-fit.com

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