04. Juli 2017

Begehrtes Elternbett

Schlechte Träume, ein neues Geschwister, Bedürfnis nach Nähe: Es gibt viele Gründe, die Kleinkinder ins Elternbett treiben. Für gewisse Zeit ist das ganz okay.

Kind im Elternbett
Das Kind schläft mit: Wenn alle zufrieden sind und gut schlafen, ist das kein Problem. (Bild: iStockphoto)
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Wieder so eine Nacht: Elisa (4) steht auf, tapst schlaftrunken zum Bett der Eltern und schlüpft unter die Decke. Ein Raunen, und schon sind die Eltern zusammengerückt, um der Kleinen Platz zu machen. Schnell schlafen alle wieder ein. Am nächsten Morgen findet die Mutter: «Eigentlich sollte Elisa nun allein durchschlafen, nicht?» «Ich weiss nicht. Wenn sie uns braucht ...?», sagt der Vater.

Bei Säuglingen ist es normal, dass sie im Elternbett schlafen: Sie müssen sich bei Hunger oder Durst melden können. Später ist es die Suche nach Nähe und Geborgenheit, die ein Kind ins Elternbett treibt. «Das ist eine ganz normale Phase im Entwicklungsprozess», sagt Bernadette Amacker (61), Erziehungsberaterin und aus Aarau. Sie hat sechs erwachsene Kinder und betreut ihre vier Enkel regelmässig.

Amacker zählt mögliche Gründe für die kindliche Flucht ins Elternbett auf: die Geburt eines Geschwisters, das Bedürfnis nach Sicherheit, angsteinflössende Träume, Sorgen in der Familie, Erlebnisse, die das Kind verarbeiten muss. «Oft ist es aber ein ganz normales Bedürfnis nach Nähe», räumt Amacker ein.

Schluss ist, wenn die Eltern leiden

Das Familienbett kann vorübergehend die beste Lösung sein, nämlich, wenn alle damit zufrieden sind und gut schlafen. «Dann soll man das so belassen», rät die Expertin. Es kann aber sein, dass der Schlaf und das Liebesleben der Eltern leiden. Dann ist Handeln angesagt. Wichtig ist, dass die Eltern gemeinsam eine Entscheidung treffen und sich dabei gegenseitig unterstützen. Wollen sie, dass das Kind im eigenen Bett schläft, sollten sie es tagsüber in einem Gespräch darauf vorbereiten. «Das gelingt schon bei Zwei- oder Dreijährigen», so Bernadette Amacker.

Wichtig ist eine klare Haltung. Unsicherheit kann schnell zu Machtkämpfen mit dem Nachwuchs führen und fatal enden: Erlaubt man dem Kind widerwillig, im Elternbett zu schlafen, entsteht Spannung, und das Kind sucht erst recht die Nähe. Was hilft: Zehn bis vierzehn Tage liebevoll hartnäckig bleiben, bis sich das Kind an die neue Regelung gewöhnt hat.

Es ist normal, wenn auch ein Unterstufenschüler noch Schutz und Nähe im Elternbett sucht. Rat suchen sollte man sich aber, wenn ein Kind deswegen kein Schullager besuchen oder nicht bei Freunden übernachten kann.

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