21. Juni 2018

Basels Zinnen und Ruinen

Die Wanderung von Liestal nach Arlesheim bietet auf nur 16 Kilometern viel Wald, Tälchen, Burganlagen und Aussicht auf Natur, Agglo und die Grenzstadt am Rhein.

Die imposante Burg Reichenstein
Trohnt über Arlesheim und Dornach: die imposante Burg Reichenstein

Die Region Basel kennt ausgesprochen ländlich geprägte Gebiete. Für viele Schweizer ohne Bezug zum Baselbiet klingt das vielleicht überraschend. Sie glauben oft, südlich der Pharma, Kultur- oder Fussballmetropole am Schweizer Nordrand gäbe es nichts als einen auslaufenden Agglogürtel, dann einige grössere Dörfer.

An einem warmen Sonntag Anfang Juni ist auch für mich eindrücklich, wie sehr das Baselland richtig abgeschieden sein kann, herrlich still und mitunter im besten Sinn unspektakulär. Ein paar Meter weiter aber wartet es an spektakulären Hügellagen mit uralten Festungsresten, Wellnessoasen oder bestens erhaltenen Burgen auf - und plötzlich der Sicht auf die Basler Vor- und Innenstadt.
Meistens befindet man sich jedoch in einer grünen Landschaft mit ganz anderem Charakter als typische Gegenden im Mittelland, dem Zentralschweizer Vorgebirge oder den östlichen Hügelzügen.

Einen grosszügigen Mix an Abgeschiedenheit, Geschichte und Aussicht erhält man in einer guten Halbtageswanderung mit Start in einem der Haupttäler mit Endpunkt Basel, in Liestal. Endpunkt wird in einem zweiten, breiteren Tal mit Endpunkt Basel sein: in Arlesheim. Dazwischen liegen bloss etwas mehr als 15 Kilometer mit knapp 600 Höhenmeter (bergauf).

Los gehts vom Baselbieter Hauptort Liestal durch die Bahnhofunterführung, in wenigen Schritten durch ein mal luxuriöses, mal etwas vergessenes Einfamilienhausviertel an den Waldrand. Dort harrt erst ein niedlicher kleiner Tierpark, dann das Areal der Psychiatrie von Baselland. Kaum daran vorbei, führt der breite Wanderweg, auf dem sich wenig Spaziergänger und ein paar Biker kaum in die Quere kommen, sanft ansteigend in ein sich abdrehendes Tälchen.

Route Liestal-Arlesheim

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1500 x 1000 px / © swisstopo)

In einer zweiten Phase verengt sich dieses plötzlich, kaum tritt man auf die Wiese vor Bad Schauenburg heraus. Es endet in einem Minihalbrund, auf dessen Nordostseite das Wellnesshotel mit dem trotz aller Umbauarbeiten schon geöffneten Restaurant thront. Ein schönes Beispiel dafür, dass Wellness uralt ist: Das prominenteste und für die bessere Gesellschaft attraktivste Sole-(Heil-)Bad der Region entstand schon in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Es dürfte damals weitaus mondäner zugegangen sein als heute.

Danach heisst es, eine der drei gut 15-minütigen Aufstiege des Tages zu meistern: auf die Krete gleich hinter dem Anwesen Bad Schauenburgs hinauf zur Schauenbergflue. Fast oben angekommen, öffnet sich eine Wiese mit der neueren Ruine auf einem Felshügel im Osten. Wir aber biegen ab in die nächste Waldpassage, denn unser erstes grosses Ziel ist die alte Schauenburgruine. Ein einfaches Festungsmuster, auf dessen Rückseite ein wunderschöner Aussichtspunkt mit Grillstelle den Blick auf die ausgedehnten Wälder und Hügelketten im Süden und Westen öffnet. Im Nordwesten ist Pratteln im leichten Dunst mehr zu erahnen als gut zu sehen.

Wem das alles zu rural scheint, einige Kilometer von der Stadtmitte Basels entfernt, braucht sich für einen klaren Kontrast nicht lange zu gedulden. Durch mal dichten, mal lockeren Wald mit zwei Richtungswechseln erreicht man den Sulzchopf. Hier trifft man stets ein paar Ausflügler, aber die riesige Terrassenanlage lässt sicher keine Enge aufkommen. Als Erstes lockt der Blick vom Geländer über die Stadt, mit neuen Firmentürmen, Teilen der Altstadt, dem Stadion oder dem allen Älteren von der Ausstellung Grün 80 bekannten Parkgelände.

Blick vom Sulzchopf auf Basel
Der Ausblick von der Sulzchopf-Terrasse auf Basel

Schwierig, sich loszueisen, doch wir wollen nicht bloss noch hinüber ins westliche Tal nach Arlesheim. Zuerst entdecken wir nach der Eichmatt ein völlig anderes, sehr enges Tal, bevor wir nach rechts in eine sanfte Senke einbiegen und ohne grössere Anstrengung die letzte Hügelkette des Tages erreichen, mit der krönenden oberen Burg Reichenstein und deren beeindruckend hohen Türmen.

Als Dessert beim Abstieg nehmen wir den Umweg zum Südostende der Hügelkrete mit einer markanten Felskonstruktion, auf der früher auch eine Festung stand. Weiter unten kommt kurz nach dem Zentrum von Arlesheim links das Birseck-Schloss ins Blickfeld.

Damit ist erst beinahe Schluss: Wir inspizieren den Park zum Schloss mit idyllischen Weihern und die Klause am Fuss des Mini-Schlosshügels. Durch das Zentrum mit eindrücklicher Hauptkirche und dem Platz davor steigen wir etwas müde ins Bähnchen und tuckern von Arlesheim an den Basler Hauptbahnhof. Unterwegs bestaunen wir, in welch subtilen Schrittchen die Umgebung richtig urban wird.

Geeignet für Genusswanderer
Höhepunkte: Bad Schauenburg mit Ruine, Sulzchopf, von Renggersmatt bis Burg Reichenstein, Burg Birseck
Dieselben Pausen wie oben: Feuerstelle vor der Schauenburg-Ruine, Sulzchopf, ob Renggersmatt, neben der Burg Reichenstein
Dauer: 4 Std. 50
Höhenmeter (bergauf): 600 m

Trümpfe der Velotour Liestal-Arlesheim

Reto Meisser über seine Kolumne «Hike & Bike»

Video: Elena Bernasconi

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