25. November 2019

Bänz Friedli sagt: Danke schön!

Unser langjähriger Kolumnist verabschiedet sich. Hier findest du auch die vom Autor gelesene Hörkolumne.

Migros-Magazin mit Bänz Friedlis erster Kolumne
Bänz Friedli hat siebenhundertfünfundzwanzig Kolumnen für das Migros-Magazin geschrieben.

«Wieder vibrierts in meiner Hose. Jetzt darf ich mir auf gar keinen Fall etwas anmerken lassen», begann ich an dieser Stelle am 4. Oktober 2005. Meine erste Kolumne fürs Migros-Magazin handelte von einem Elternabend, an dem ich als Vater einer Erstklässlerin stillsitzen musste – dabei hätte es mich so wundergenommen, wie die Schweizer Fussballer auf Zypern gerade abschnitten. Kolleginnen und Kumpane wollten mich per SMS auf dem Laufenden halten, doch ich liess das Handy brav im Hosensack. Man will ja nicht am allerersten Elternabend auffallen.

Es gab noch keine Liveticker und kein Whatsapp, unsere Erstklässlerin von damals ist inzwischen erwachsen. Siebenhundertfünfundzwanzigmal durfte ich Sie seither hier mit meinen Vorlieben und Spleens belästigen, durfte ich übers Fixleintücherfalten und Chromstahlpolieren ächzen, für Lara Dickenmann, Jovanotti und die Indigo Girls schwärmen, erzählen, mit wem ich den Burger meines Lebens ass und wo ich die beiden Tore für meinen Verein erzielte, Deportivo La Habana Zürich. Vielleicht haben Sie einst hier zum ersten Mal den Namen eines Senators aus Chicago gelesen, der später US-Präsident werden sollte, Barack Obama, und den Namen einer Fussballerin, die mittlerweile jedes Kind kennt: Megan Rapinoe. Vierzehn Jahre, eine lange Zeit.

Diese Kolumne wurde mir zum Zwiegespräch mit dem Land, das ich durch sie besser kennenlernte, und bescherte mir unglaubliche Erlebnisse. Ich hatte gerüchteweise von einem eigenartigen Namen gehört und rief: «Liebe Lycra Caterpillar, falls es dich gibt, bitte melde dich!» Und noch am Morgen des Erscheinens meldete sie sich: die junge Frau, die von ihren Eltern tatsächlich auf die Vornamen Lycra Nike Stella Cosma Caterpillar getauft worden war. Ich behauptete, mein ehedem erlerntes Altgriechisch sei im Alltag nutzlos, flugs meldete sich mein alter Lehrer und belehrte mich eines Besseren: Wie anders wollte ich beim Einkaufen Lebensmittelinformationen à la «Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren» entziffern? Seither sind wir im regen Briefkontakt und tauschen uns aus über YB, Countrymusik, Gott und die Welt.

Tausende von E-Mails und Briefe habe ich erhalten aus Paradiso und dem Welschland, aus Kanada, Australien, Bangkok; Tausende Male schrieb ich zurück. Allein letzten Dienstag mailten vier Leute, sie läsen diese Zeitung einzig meinetwegen. Das rührt mich. Aber: Geben Sie der oder dem Neuen eine Chance. Mir hat sie auch mal jemand gegeben. Und nun ist dies meine letzte Kolumne hier. Es war mir eine Ehre. Eine grosse Verpflichtung. Und vor allem: ein Vergnügen.

Die Hörkolumne herunterladen (MP3)

Benutzer-Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

Verwandte Artikel

Bänz Friedli (Bild: Vera Hartmann)

Ehrlich währt länger

Bänz Friedli (Bild: Vera Hartmann)

... oder kann das weg?

Bänz Friedli

Meine Fahrt mit Loriot

Bänz Friedli (Bild: Vera Hartmann)

Unter der Zeitlupe