04. Juli 2017

Badeteich statt Baugrube

Familie Rohner aus Dotzigen BE hat sich in Eigenregie einen Schwimmteich gebaut. Wo einst Reiheneinfamilienhäuser geplant waren, wird heute geplanscht und gesünnelet.

Schwimmteich
Der eigentliche Schwimmteich (hinten im Bild) ist 15 Meter lang.
Lesezeit 4 Minuten

Dass sich neben dem Sechsfamilienhaus von Christa (63) und Urs (67) Rohner in Dotzigen BE ein imposanter Schwimmteich erstreckt, beruht auf drei Glücksfällen: Erst ging das Architekturbüro, das dort Reiheneinfamilienhäuser bauen wollte, Konkurs. Dann konnte die Familie das Grundstück, das sich als riesige Baugrube präsentierte, günstig erwerben. Und schliesslich wollten die beiden Töchter Maya (34) und Kathrin (36) lieber weiter in ihren Wohnungen bleiben statt selbst zu bauen. Das neue Grundstück sollte stattdessen allen Hausbewohnern als Garten dienen.

Schwimmteich
Die Grossfamilie Rohner bewohnt das Haus rechts.

«1996 legten wir einen kleinen Seerosenteich an und ebneten den Rest der Baugrube für eine Naturwiese und Gemüsebeete ein», erzählt Urs. 2010 folgte dann eine Holzplattform zum Sünnele. «Und plötzlich war da Mayas Idee von einem eigenen Schwimmteich.» Die Offerte eines Teichbauers sorgte aber erst einmal für Ernüchterung: 100 000 Franken hätte der Teich, wie er sich heute präsentiert, gekostet. Mindestens. «Das können wir auch selbst», entschied Urs, der gelernte Förster, der jahrelang in Afrika in der Entwicklungshilfe tätig war und dabei zu improvisieren lernte.

Im Mai 2013 – Urs Rohner war gerade pensioniert – erfolgte der Spatenstich. ­Während die übrigen Familienmitglieder rodeten und planierten, machte er sich an den Bau der Kalksteinmauer, über die sich heute ein Wasserfall vom Schwimm- in den Seerosenteich ergiesst: «Ausgleichen, den passenden Stein finden und platzieren – das Ganze war ein riesiges Puzzle.»

Schwimmteich
Das Wasser des Schwimmteichs ergiesst sich in den Seerosenteich und wird von dort wieder hochgepumpt.

Anschliessend verlegte er die Zuleitungen für die Solarteichpumpe und betonierte die Teichumrandung. Das Hauptproblem sei gewesen, rechtzeitig an alle Details zu denken: «Ich hatte diverse Bücher zum Thema gelesen: Überall hiess es, da müsse ein Fachmann ran.» Urs Rohner schmunzelt: «Das beweist: Me cha meh als me dänkt!» Den gröbsten Aushub übernahm schliesslich ein Bagger. Das überzählige Material – rund 120 Kubikmeter – bildet inzwischen den Wall, der Teich und Gemüsegarten trennt.

Die Teichfolie wird vom Profi verschweisst

Drei Monate nach dem Spatenstich war das 15 Meter lange Becken so weit vorbereitet, dass erst ein schützendes Kunstfaservlies und anschliessend die 1,5 Millimeter dicke Teichfolie verlegt werden konnten. Ein Spezialist verschweisste Bahn um Bahn. Am heikelsten erwies sich der Einbau der niedrigen Zwischenmauern, die die Schwimm- von der Flachwasserzone trennen sollten: «Ein Loch in der Folie wäre eine Katastrophe gewesen.» Ein gewaltiges Gewitter zeigte jedoch, dass alles dicht war.

Wasserfrosch
Die Wasserfrösche sind derart zutraulich, dass sie sich auf die Hand nehmen lassen.

Libellen tanzen übers Wasser, Rauchschwalben stossen vom Himmel, um im Gleitflug Wasser zu tanken, Wasserfrösche sonnen sich auf den Seerosenblättern. Im Uferbereich bieten Blutweiderich, Schwanen­blumen, Wasserlilien und Rohrkolben Nahrung und Versteck für diverse Insekten: «Wir haben bewusst eine einheimische Bepflanzung gewählt», erzählt der Teichbauer. Heute wird der Schwimmteich, der am tiefsten Punkt 2,10 Meter misst, mit Dachwasser vom Haus und vom Carport versorgt. Dass die Wasserqualität selbst bei Temperaturen über 30 Grad stabil bleibt, beweise, dass das Ökosystem im Gleichgewicht sei.

Schwimmteich
Christa und Urs Rohners Enkelin Emma ist mit ihren sieben Monaten auch schon eine Wasserratte.

Urs Rohner nutzt den Schwimmteich am fleissigsten. Ab Ende März bis Ende November geht er nahezu täglich «uf en Schwumm». Genauso lieb ist ihm aber seine obligatorische «Abend-Tournee», auf der er jeweils «nach dem Rechten» schaut und mit dem Kescher den Mulm – kleine Pflanzen- und Schlammreste – von der Wasseroberfläche abfischt. «Wenn ich dabei eine der scheuen Ringelnattern auf der Jagd nach Fröschen und Molche elegant durchs Wasser gleiten sehe, dann ist der Tag perfekt.»

35 000 Franken hat der Schwimmteich Familie Rohner schliesslich gekostet, 13 000 Franken allein die Teichfolie. Neben unzähligen Arbeitsstunden natürlich. Auf die Frage nach einer Zahl zuckt Urs Rohner mit den Schultern: «Keine Ahnung. Aber heute wissen wir alle: Me cha meh als me dänkt!»

Aus dem Fotoalbum: der Bau des Schwimmteichs

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