20. April 2018

Baby-Town

Die Berner Sängerin Jaël (38) ist seit Silvester Mutter von Eliah. Im Babykurs lernen die beiden viele coole Mütter und Babys kennen.

Jaël spielt mit den Zehen ihres Babys
«Am liebsten mag er Värsli und Liedli, zu denen ich seine Zehen, Fingerchen und Beinchen bewege.»
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Buebli und ich besuchen einen Babymassagekurs. Im Vorfeld habe ich mich gefragt, was passiert, wenn ein Baby schreit. Entsteht dann ein Dominoeffekt, und aus ist es mit der Wellness?

Tatsächlich stecken die Knirpse sich gegenseitig an. Ein ständig an- und abschwellender Geräuschpegel ist das Resultat. Da ausschliesslich frischgebackene Eltern im Raum sind, stört es keinen. Es wird gestillt, herumspaziert und «buttelet». Was normalerweise chaotisch anmuten würde, ist hier völlig okay. Auch Eliah scheint es zu gefallen. Jeden Tag frage ich ihn nun, ob er massiert werden möchte. Bislang kam selten ein eindeutiges Nein. Am liebsten mag er Värsli und Liedli, zu denen ich seine Zehen, Fingerchen und Beinchen bewege.

Auch zum Rückbildungskurs ist Buebli mitgekommen. Allerdings habe ich etwa ein Drittel der Kurszeit mit Stillen verbracht. Jänu. Purzel war zufrieden, schaute gwundrig meinen Verrenkungen zu oder flirtete mit Babydame S. auf der Matte nebenan.

Für viele Frauen ist der Schritt vom Arbeitsalltag unter Kollegen ins oft einsame Mutterdasein sicher riesig. Als Sängerin bin ich das Allein-zu-Hause-Sein eigentlich gewohnt, sowohl beim Üben und Komponieren, als auch dann, wenn Administratives ansteht. Bevor ich Mama wurde, kam es oft vor, dass ich den ganzen Tag lang mit keiner Menschenseele sprach. Gestört hat mich das nie. Im Gegenteil.

Für eine Mutter eines Babys sind Tag ohne Gespräch mit anderen Erwachsenen aber etwas anderes. Spätestens dann, wenn man nur noch in Babysprache und wie Winnetou in dritter Person von sich redet – «d Mama geit schnäu ga Bisi mache» –, ist die Zeit gekommen, Kontakte zu knüpfen.

Normalerweise finde ich es nicht einfach, auf andere Frauen zuzugehen. Ich erlebe oft, dass ich mein Gegenüber vor den Kopf stosse, wenn ich ein Treffen zu zweit vorschlage. Viele bewegen sich wohl lieber in Cliquen. Frauen in Babykursen scheint aber ein Austausch genauso willkommen wie mir, und ich lerne coole andere Mütter und ihre Babys kennen. Es erinnert mich an die Zeit, als ich während der Schauspielausbildung in London wohnte; ein Schmelztiegel voll spannender, aus allen Richtungen zugezogener Leute, die sich über neue Bekanntschaften in der fremden Stadt freuten. Nun sind wir eben in Baby-Town.


Jaëls Videoporträt

Video: Elena Bernasconi

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