31. Mai 2018

Auszeit zwischen Fluss und Kloster

Die Landschaft im Saane-Becken rund um Freiburg ist malerisch und voller Ruhe. Wanderwege führen den Fluss entlang vorbei an Kapellen, Kirchen und Klöstern. «Landschaft des Jahres» darf sich dieses Ensemble seit Kurzem nennen.

Die Altstadt von Freiburg
Die Altstadt von Freiburg erinnert an eine andere Zähringerstadt: die von Bern. Nur fliesst hier die Saane und nicht die Aare.

Quasi aus dem Nichts taucht das imposante Kloster von Hauterive FR auf, wenn man von Freiburg her der Saane entlangwandert und den Weg mitten in der Flussschlaufe verlässt. Der stattliche Bau der Abtei erinnert an ein Château in Bordeaux. Nur dass hier – anders als in der Weinregion – Kühe grasen. Auch Ziegen suchen auf der Wiese vor dem Kloster nach saftigen Blättern. So ländlich und idyllisch es hier ist: Die Stadt Freiburg befindet sich nur gerade sieben Kilometer nordöstlich von Hauterive. Der Name übrigens rührt von den nahe gelegenen hohen Sandsteinfelsen am rechten Ufer der Saane.

Kloster von Hauterive
Hier sind die Zisterziensermönche zu Hause: im imposanten Kloster von Hauterive

Die Abtei stammt aus dem 12. Jahrhundert und gehört zum Orden der Zisterziensermönche. Das Kloster ist zwischen unverbauten Wiesen und Wäldern eingebettet – eine Umgebung, die von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz gerade als «Landschaft des Jahres» ausgezeichnet wurde.

Der Lac de Pérolles ist ein Refugium für Vögel und wird mit dem Wasser der Saane gespeist.

18 Mönche führen an diesem privilegierten Ort ein einfaches Leben mit einer klaren Struktur, die aus Gebet, Arbeit und brüderlichem Leben besteht. Der Jüngste ist 30 Jahre alt, kommt aus den italienischen Abruzzen und ist für das Kochen zuständig, der Älteste ist 89. Altersmässig dazwischen: Mönch Jean-Marie (55), er kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit. Auf der Suche nach einer Gemeinschaft entschied sich der Mann aus Stans NW vor 33 Jahren für eine monastische. Er trat mit 22 ins Kloster ein und nahm seinen heutigen Namen an, weil der Evangelist Johannes sein biblischer Lieblingsautor ist.

Bruder Jean-Marie
Bruder Jean-Marie: «Ja, ich bin ein ziemlich radikaler Aussteiger.»

Als er Hauterive gesehen habe, sei sein romantisches Herz aufgegangen, erzählt Jean-Marie. «Und ja, ich bin ein ziemlich radikaler Aussteiger», sagt der Innerschweizer. «Unser Leben hier ist Entschleunigung und steht im Kontrast zum üblichen Alltag.» Die Stiftung Hauterive trägt das Kloster mit Spenden. Zusätzliche Einnahmen stammen vom klostereigenen Biolandwirtschaftsbetrieb und aus dem Klosterladen, der eigene Produkte verkauft.

Das Gästehaus des Hauterive bietet einfache Zimmer zum Übernachten an. Und gegen Voranmeldung können sich Tagesbesucher von einem «Frère» durch die Abtei führen lassen. Die Tour durch den Ort der Stille dauert gut eineinhalb Stunden. Der romanische Kreuzgang umrahmt eine Wiese mit Kirschblütenbäumen. Er ist oft menschenleer und seine romantische Kulisse und seine Stille strahlt Erhabenheit aus.

Wenige Hundert Meter flussabwärts führt eine kleine Holzbrücke über die Saane. Von dort aus sind die Freiburger Sakrallandschaft und der sich schlängelnde Fluss besonders schön anzusehen. Malerisch ist auch die Umgebung des Pérolles-Sees: Wälder, hohe Sandsteinfelswände und Schilf wechseln sich ab. Der Lac de Pérolles ist ein von der Saane gespeister Stausee, seine Wände sind die ältesten betonierten Staumauern Europas: Die Arbeiten an den Gewichtsmauern wurden 1872 abgeschlossen.

Felswände am Pérollesee
Die hohen Felswände sind auch am Pérolles-See zu bestaunen.

Kaum zu glauben: Unter der Woche ist man hier als Wanderer fast allein. Die Ruhe im Naturschutzgebiet schätzen auch Brutvögel wie Zwergtaucher, Gänsesäger, Eisvögel, Kleinspechte und Teichrohrsänger. Das Zwitschern der Vögel ist das Einzige, was die Stille durchbricht – neben Militärflugzeugen, die von Payerne VD aus ihre Trainingsrunden drehen.

Pérollesee bei Freiburg
Die Landschaft des Stausees befindet sich nur ein paar Minuten vor den Toren von Freiburg.

Der Pérolles-See liegt praktisch vor den Toren der vom Katholizismus geprägten Stadt Freiburg mit ihren gut 38 000 Einwohnern. Über das Stadtgebiet verteilen sich mehr als 30 Kirchen und Kapellen sowie sechs Klöster. Die intakte Altstadt von Freiburg gilt als eine der schönsten der Schweiz und ist wie Bern eine Zähringerstadt – beide haben keinen zentralen Platz. Die Parallelen bei der Anordnung der Altstadthäuser sind nicht zu übersehen. Zahlreiche Restaurants auf Topniveau und zu moderaten Preisen laden zu einem Zwischenhalt ein.

Die Saane bettet die Stadt förmlich ein in Naherholungsgebiete: Im Süden liegt der Pérolles-,im Norden der Schiffenensee. Letzteren erreicht man von Freiburg aus über eine der schönsten Eisenbahnbrücken der Schweiz: Der Grandfey-Viadukt ist über 300 Meter lang und 80 Meter hoch und überquert nicht nur den See, sondern auch die Sprachgrenze zwischen Freiburg und Bern.

Grandfey-Viadukt über den Schiffenensee
Der Grandfey-Viadukt überquert den Schiffenensee. Das Bauwerk gehört zu den schönsten Eisenbahnbrücken der Schweiz.

Ganz in der Nähe erstreckt sich der knapp zehn Kilometer lange Sinn- und Klangweg von Düdingen FR. Dieser Themenweg abseits des hektischen Alltags umfasst 15 Objekte und vermittelt Botschaften wie «Wir wollen dem oft unterdrückten menschlichen Schrei einen Raum bieten. Befreie dich und versuche, ohne Hemmungen zu schreien!» Für weitere Abwechslung sorgen Picknickplätze und Bänke direkt am schilfbewachsenen Ufer der Saane.

Magdalena-Einsiedelei oberhalb des Schiffenen-Stausees
Die Magdalena-Einsiedelei ist oberhalb des Schiffenen-Stausees eingegraben.

Oberhalb des Schiffenen-Stausees ist in den Felswänden die Magdalena-Einsiedelei eingegraben. Sie besteht aus verschiedenen Räumen mit einer Gesamtlänge von 120 Metern. Die Einsiedelei wurde bis ins 19. Jahrhundert als eine der grossen Sehenswürdigkeiten Freiburgs gepriesen. Doch erst in jüngerer Zeit erkannten Forscher ein geologisches Phänomen: Der wellenartig geformte Sandsteinboden zeugt von fossilen Sanddünen, die vor rund 20 Millionen Jahren in einem Meer entstanden sind.

Besucher in der Magdalena-Einsiedelei
Die unbewohnte Einsiedelei ist ein Ort der Stille - wenn nicht gerade Besucher dort sind.

Ähnlich wie Hauterive ist die heute unbewohnte Einsiedelei ein Ort der Stille. Jedenfalls fast: Von Fern hört man das Rauschen der Autobahn A12. Sie führt die verzauberten Wanderer aus dieser überraschenden Sakrallandschaft zurück in die Realität des Alltags.

Benutzer-Kommentare

Verwandte Artikel

Weihnachtsweg in Heiligenschwendi

Adventsausflüge mit Kindern

Der neue Mario-Botta-Bau auf dem Monte Generoso (Vetta)

Mit dem Kulturprozent die Schweiz erkunden

Gruppe sitzt ums Feuer

Überlebenstraining in heimischer Wildnis

Cape Sounio Grecotel Exclusive Resort

Badeferien vor Athen