27. Dezember 2018

Aus Peking wird nichts

Andrea Freiermuth radelt mit dem E-Bike von der Schweiz nach China. Gestartet ist sie im Juli in Zürich. Zurzeit bloggt sie aus Tadschikistan.

Shebikeriderin Andrea Freiermuth mit Tränen in den Augen
Nicht am Strom, sondern am Visa gescheitert: Wir fliegen zurück in die Schweiz.
Lesezeit 3 Minuten

Wir werden nie in Peking ankommen. Ich fliege nach Hause und der Flyer kommt mit. Ich bin so frustriert. Dass ich zum Sprachaufenthalt nach Shanghai nur via Schweiz komme, wusste ich eigentlich schon lange. In Zentralasien ist es praktisch unmöglich, ein Visum für China zu erhalten. Ich dachte, kombiniert mit Sprachaufenthalt hätte ich keine Visa-Probleme. Im Fall von China ist genau das Gegenteil der Fall.

Sprachkurs und Double Entry geht nicht

Im Februar vor einem Jahr sagte man mir in einem Schweizer Reisebüro, man könne mir ein Double Entry Visa organisieren, für 10 Wochen Sprachkurs und 8 Wochen Reisen. Ich müsste zwecks Ausstellung im Dezember einfach in die Schweiz zurückkehren. Das China-Visum beginnt mit der Ausstellung zu laufen, darum konnte ich das nicht vor meiner Abreise erledigen. Double Entry war für mich fundamental wichtig, da ich nach dem Sprachkurs zurück nach Dushanbe wollte, um mit meinem Bike ein zweites Mal nach China einzureisen.

Habe ich mich richtig entschieden?

Nun hat mir das Reisebüro vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass Double Entry kombiniert mit einem Sprachkurs nicht möglich sei, nur Single Entry. Ich stand also vor der Entscheidung, den Sprachkurs sausen zu lassen und Double Entry zu erhalten, zwei Mal zwei Monate, vielleicht. China ganz zu vergessen und während dem Winter Russisch zu lernen und im Frühling in Zentralasien weiterzufahren. Oder aber den Sprachkurs anzutreten und die Reise von ihrem Ende her fortzusetzen. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Ich weiss nicht, ob das die richtige Entscheidung war. Ich musste mich schnell entscheiden, da ich sonst 4600 Franken für den bereits bezahlten Kurs verloren hätte.

Sich am richtigen Ort informieren

Ich bin wütend auf mich, dass ich die Verantwortung für das Visum an ein Reisebüro abgegeben habe. Die sind super für 0815-Reisen, aber so einen Fall wie mich gabs da wahrscheinlich noch nie. Es wäre viel besser gewesen, sich bei Leuten zu informieren, die so was schon gemacht haben. Es gibt heutzutage ja so viele Foren und Gruppen, etwa der WhatsApp-Chat «Cycle the World Q&A». Dort heisst es, dass die Botschaft in Tiflis momentan der beste Ort sei, um Visa für China zu erhalten. Nach Georgien wäre ich von Dushanbe schnell geflogen… Aber der Flug in die Schweiz war schon gebucht und meine Familie und mein Freund haben sich auf meinen Besuch gefreut.

Hätte, hätte, hätte

Wenn ich mich selber mit dem China-Visa auseinander gesetzt hätte, wäre mir vielleicht klar geworden, dass es in Sachen China einfach zu viele Unsicherheiten gibt. Dann hätte ich mit dem Unsicheren zuerst begonnen und wäre in Peking gestartet, um von dort nach Hause zu fahren. Hätte, hätte, wäre. Das bringt jetzt auch nichts mehr.

Peking ade

Bei mir ist gerade absolut die Luft raus. Ich habe den ganzen Tag versucht, eine Bike-Box in der richtigen Grösse zu finden. Hat leider nicht geklappt. Jetzt habe ich zwei Boxen, die für 26-Zoll-Räder waren, zusammengeflickt. Keine Ahnung, ob das Bike den Flug mit Zwischenhalt in Istanbul so übersteht. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, dass ich das Bike nach Shanghai mitnehme, dort versuche, es nach Peking zu bringen und Richtung Zentralasien zu fahren. Das Verpacken ist so mühsam. Und nicht zuletzt: Ich muss die Akkus in Dushanbe zurücklassen und mir in China neue organisieren. So ein Mist: Das wars, fertig, aus!

Mit diesem Blogpost sagt Andrea Freiermuth den Usern von Migrosmagazin.ch tschüss. Ob und wie es mit ihrer E-Bike-Reise weitergeht, erfährt man auf ihrem Blog. Shebikerider.ch

Illustration: Andrea Freiermuth radelt nach China
Andrea Freiermuths E-Bike-Tour führt sie über die historische Seidenstrasse nach Peking.

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