Leser-Beitrag
30. Juni 2017

Auf zur gleichwürdigen Beziehung in der Familie!

Sich selbst und die andern anzuerkennen, das ist eine Lebensart. Und es macht unheimlich viel Sinn und immer mehr Spass, wenn man sich mal dazu entschlossen hat, sich um die Beziehung zu kümmern.

Symbolbild: Picjumbo.com

In einer gleichwürdigen Beziehung werden die Wünsche, Anschauungen und Bedürfnisse der Partner gleich ernst genommen. Das bedeutet, dass wir unsere Kinder nicht bevormunden, unterdrücken oder lächerlich machen, sondern dass wir sie ernst nehmen. Dass wir bemerken, wenn ein Kind im Moment nicht mehr mitmachen kann. Auch wenn wir den Grund vielleicht nicht verstehen. Es ist nötig, dass wir die unangenehmen Reaktionen auch ein bisschen aushalten und hinsehen, statt zu ignorieren oder auszurasten, ins Lächerliche zu ziehen oder mit Drohungen, Druck, Zwang oder Gewalt die Kinder zum weitemachen zu bewegen.

Kinder haben ja immer einen Grund für ihr Verhalten. Manchmal ist es ihnen einfach zu viel! Dann können sie nicht mehr kooperieren (mitmachen), das muss so sein! Kinder, die ihre eigenen Grenzen nicht mehr beachten (dürfen), werden mit Sicherheit irgendeinen andern Weg finden, um damit klar zu kommen. Die Folgen zeigen sich in ihrem Leben oftmals erst viel später ...

Wir richten den Fokus viel weniger auf das Verhalten der Kinder. Also weg von der wertenden («Du bist aber nicht lieb!») hin zu anerkennenden Kommunikation («Ich sehe, das macht dich wütend!») Wir erhalten neue Einsichten und Perspektiven, indem der Blick auf die Beziehung gerichtet wird. Also auf das, was zwischen uns läuft (Und das ist hoffentlich jede Menge! Wenn wir die Kinder anerkennen und in unser Leben einbeziehen, statt sie ständig zu bewerten, dann sind wir auf gutem Weg und kümmern wir uns um die Gleichwürdigkeit. Mehr dazu hier.

Es ist so angenehm, von den Kindern ernst genommen zu werden. Man braucht sich keine Drohungen mehr auszudenken. Keine Konsequenzen oder Strafen mehr durchzusetzen. Stellt euch das vor!

Wir Eltern haben es in der Hand, den Fokus auf das zu richten, was wirklich zählt. Für mich gilt es, mit andern glücklich zu sein. Und es ist immer die gleichwürdige Beziehung, die es zu pflegen gilt, damit es im Leben weder harzt noch klemmt, sondern zusammen Sinn und Spass macht!

Tonia von Gunten

Welche Wohltat für alle. Es ist so viel entspannter, sich um die eigenen Grenzen zu kümmern statt sie andern zu setzen. Sehr viele Eltern, und ich wünsche mir, dass es immer mehr werden, gehen bereits diesen Weg mit den Kindern zu Hause oder in der Schule und sind damit sehr glücklich. Die Kinder entspannen sich dabei, denn die dürfen ja nun sich selber sein. Kinder sind weder Roboter noch Puppen, aber auch keine kleinen Wilden. Manchmal scheinen wir das zu vergessen. Es sind Menschen, die bestimmt nicht immer wissen, wie man sich idealerweise so verhält, damit es alle zusammen aushalten. Wer weiss das schon? Aber sie wollen und werden es lernen, wenn wir MIT ihnen sprechen statt Vorträge ZU halten.

Wenn wir zuerst mal gut zu uns schauen statt auf die andern. Wenn wir uns Gedanken machen, in Ruhe handeln und versuchen, nicht immerzu gleich aus der Haut zu fahren, wenn der Alltag mal wieder aus dem Ruder läuft. Wir haben die Aufgabe, die Kinder zu führen, das scheint mir klar. Es gibt dazu völlig verschiedene Ansichten, doch grundsätzlich bin ich davon fest überzeugt. Doch Kinder müssen ihre Welt mitgestalten können. Es ist schliesslich auch ihre!

Wenn man sich bemüht und neue Verhalten selber trainiert, bis es gar nicht mehr anders geht und man plötzlich denkt: «Wie konnte ich bloss? Es geht doch so viel besser!»Es tut so gut zu merken, wenn die Kinder mit der Zeit mich selber (mit meinen Grenzen) respektieren statt meine Konsequenzen, die ich für sie konstruiert habe. Wenn wir alle direkt und persönlich werden und einander sagen dürfen: «Ich will ...» oder «Ich will nicht ...» statt um den heissen Brei zu reden.

Kinder, die ernst genommen werden, machen nämlich weniger Schwierigkeiten. Sprecht mit euren Kindern und fragt sie: «Und wie denkst du darüber?» statt «Wie war es in der Schule?» Es gilt für alle auch zu lernen, mit einem Nein umzugehen, die Gefühle auszudrücken und dabei zu erkennen: «Ich merke, dich macht etwas wütend. Das ist so.» Eltern müssen das aushalten. Und immer wieder stellt sich die zu Beginn eher etwas komisch anmutende Frage: «Wer bist du jetzt?» statt «Was solltest du können und werden?»

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