26. Januar 2018

Auf Tuchfühlung mit Sambias wilden Tieren

Hautnahe Begegnungen mit Elefanten und Löwen gehören in Sambia zum Alltag. Im Luangwa-Nationalpark findet Safaritourismus fernab ausgetretener Pfade statt.

Elefanten und Giraffen am Luangwa River, Sambia
Elefanten und Giraffen sind im nahezu ausgetrockneten Flussbett des Luangwa River allgegenwärtig.

Um fünf Uhr morgens höre ich die Trommeln, den Weckruf im Nkwali-Camp im Lungwa-Nationalpark. Es dämmert im Osten Sambias. Ein blumiger Duft hängt in der Luft. Elefanten schreiten majestätisch durch das flache, fast ausgetrocknete Flussbett des Luangwa, das zu unseren Füssen liegt.

Nsefu-Camp in Sambia
Die Häuser im Nkwali-Camp sind zum Fluss hin offen und bieten eine schöne Aussicht.

Shannon, die 21-jährige Hostess, röstet zum Frühstück Toast über einem Kübel mit Glut, auf dem Feuer daneben köchelt ein Topf mit Porridge. Kiki, der Campmanager, der eigentlich Keyala Phiri heisst, verteilt Wasserflaschen. Es ist Zeit für den Gamedrive, wie die Pirschfahrten zur Tierbeobachtung genannt werden. Sie finden jeweils am frühen Morgen und späten Nachmittag statt, wenn die Wildtiere aktiv sind.

Morgengruss der Löwen

Gegen 6.30 Uhr fahren wir los. Zehn Minuten später stoppt Kiki den Jeep abrupt und deutet auf den sandigen Weg. Er freut sich: «Die Löwen sind in der Nähe. Hier hat einer gelegen.» Dann lenkt er den Wagen ins Gestrüpp, hält an und stellt den Motor ab. Keine drei Meter von uns entfernt liegen kaum sichtbar fünf Löwen im hohen Gras. Im goldenen Leuchten der Morgensonne verschmelzen sie fast mit ihrer Umgebung.

Zwei Prachtexemplare heben den Kopf, blinzeln und drehen sich gemächlich um. Grillen zirpen, Vögel zwitschern. Wir sitzen einfach nur stumm nebeneinander und staunen. Eine behagliche und friedliche Ruhe breitet sich.

Löwen im Luangwa-Nationapark, Sambia
Die Löwen lassen sich von den Menschen nicht aus der Ruhe bringen.

Eine Löwin erhebt sich, dehnt ihren muskulösen Body und stolziert geschätzte vier Armlängen an unserem türenlosen Jeep vorbei. Dabei schaut sie mir kurz in die Augen, um es sich unter dem nächstbesten Baum wieder bequem zu machen. Die anderen Wildkatzen folgen ihr. Mir stockt der Atem. Kiki grinst. «Die interessieren sich nicht für uns», sagt er, «und solange wir im Wagen sitzen, sind wir für sie ein Teil des Jeeps.»

Flusspferd im Luangwa-Nationapark, Sambia
Flusspferde sind weitaus gefährlicher als Leoparden oder andere Grosskatzen. Ihnen sollte man nicht zu nahe kommen.

Auf der Weiterfahrt begegnen wir einigen Frauen, die Holz sammeln, mehreren Elefantenherden, Zebras, Giraffen, Flusspferden, Impalas, exotischen Vögeln und Warzenschweinen. Sambia ist mit rund 19 Einwohnern pro Quadratkilometer spärlich besiedelt, zählt aber zu den tierreichsten Gebieten Afrikas. Massentourismus kennt man hier nicht.

Tiere, fast zum Greifen nah

Vor dem Mittagessen bleibt Zeit für eine Abkühlung im Pool des Camps. Am Beckenrand tollen Äffchen herum und schauen den Badenden zu. Später gönnen sich manche Gäste ein Mittagsschläfchen oder geniessen auf der Terrasse über dem Flussbett den Ausblick auf vorüberziehende Giraffen.

Giraffen im Luangwa-Nationapark, Sambia
Giraffen schmusen gern. Im Luangwa-Nationalpark kann man sie fast überall dabei beobachten.

Das Camp ist nicht eingezäunt. Neugierige Elefanten statten ihm häufig einen Besuch ab und nähern sich dann bis auf wenige Meter. Um halb vier wird Tee serviert, danach gehts erneut auf Tour. Unterwegs versinkt eine riesengrosse Sonne rotglühend am Horizont. Ein gigantisches Schauspiel.


Am nächsten Morgen reisen wir weiter. Die familiäre Atmosphäre und die freundlichen Gastgeber machen uns den Abschied nicht leicht.
Auch das Camp Nsefu liegt am Ufer des Luangwa, in Süden des gleichnamigen Nationalparks. Seine sechs modern und komfortabel ausgestatteten Rundhäuser sind Originalbauten des Safaripioniers Norman Carr, der das Camp 1951 errichten liess. Heute ist Nsefu das Reich von Ruth Westrick aus Spiez BE.

Nsefu-Camp im Luangwa-Nationalpark, Sambia
Die Rundhütten im Nsefu-Camp sind noch Originale von 1951, aber mit viel Komfort.

Traumjob im Busch

«Der Wildwechsel führt direkt am Camp vorbei, und ein Besuch von Elefanten, Löwen und Leoparden gehört hier zur Tagesordnung, erklärt die 44-jährige Schweizerin. Sie ist seit Mai 2016 Campmanagerin in Nsefu. Westrick hat bei einem Reiseunternehmen in der Schweiz gearbeitet, 54 Länder bereist und zeitweise in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, gelebt. «Als ich 2010 das erste Mal am Ufer des Luangwa stand, hatte ich sofort ein Zuhausegefühl», sagt sie. «Das hat mich nicht mehr losgelassen..

Campmanagerin Ruth Westrick liebt das Leben in der Wildnis von Sambia.

Nach einem Studium in Betriebsökonomie vor drei Jahren und der Trennung von ihrem Mann gab es deshalb nur ein Ziel: Sambia. Ruth Westrick bewarb sich blind um einen Job und hatte Glück, als die Stelle des Campmanagers frei wurde. «Es ist ein Traumberuf, aber kein Schoggi-Job», sagt sie heute. Natur und Tiere seien genau ihr Ding, schon als Kind war sie am liebsten nur draussen. «Hier im Busch, in einem Nationalpark mit Wildtieren zu leben, ist für mich ein unglaubliches Privileg.»

Doch das hat seinen Preis. Ruth Westricks Arbeitstag beginnt um fünf Uhr morgens und endet spätabends. Sie ist für die Betreuung und Unterhaltung der Gäste, die Organisation von Spezialtouren, Buschfrühstück oder Walking-Safaris zuständig. Sie kümmert sich um die Bestellung von Lebensmitteln und Diesel, um Material für kaputte Solaranlagen, defekte Wasserpumpen oder platte Autoreifen. Es gibt weder Handyempfang noch Internet. Kommuniziert mit den anderen Camps wird ausschliesslich per Funk. Es ist ein Leben in der Abgeschiedenheit, ohne Kontakt zur Aussenwelt. Dafür muss man geboren sein.

Leopard im Luangwa-Nationapark, Sambia
Der Besuch eines Leopards gehört im Nsefu-Camp zur Tagesordnung.

Ruth Westrick ist es offenbar. Sie leitet ein Team von 16 Mitarbeitern, alles einheimische Männer. Das sei anfänglich nicht einfach gewesen, sagt die Campmanagerin, weil man ihr als weisser Frau skeptisch und misstrauisch gegenüberstand. Aber mit Geduld, einer gewissen Strenge und Respekt den Männern gegenüber habe sie Vertrauen aufgebaut. «Heute sind wir ein wunderbares Team», schwärmt sie. Und als Gast spürt man das. Denn nicht nur Komfort und Sicherheit stehen im Camp an oberster Stelle. Wer hierherkommt, wird von früh bis spät umsorgt und mit unvergesslichen Momenten belohnt.

Tourismus hilft Einheimischen

«Safaritourismus gibt vielen Arbeit. Mit einem Job ernährt jeder hier durchschnittlich neun Leute», so Ruth. Die Diskrepanz zwischen dem bescheidenen Leben der Einheimischen und dem Luxus der Gäste, die in Nsefu unter Moskitonetzen mit Kühlung schlafen und in der Wildnis kulinarisch verwöhnt werden, ist gross. Doch sie wird relativiert, wenn man weiss, dass die Camps im Luangwatal gemeinschaftlich verschiedenste Community-Projekte unterstützen. So sind schon mehrere Schulen und Krankenhäuser entstanden. Beim «Project Luangwa» lernen Frauen beispielsweise nähen. Bei «Tribal Textiles», einem anderen Gemeinschaftsprojekt werden traditionelle, handbemalte Stoffe hergestellt.

Verkaufslokal des «Project Luangwa» in Sambia
Das «Project Luangwa» gibt Frauen und Mädchen eine berufliche Perspektive. Sie lernen nähen und führen einen eigenen Laden.

Was Ausbildung und wirtschaftliche Entwicklung angeht, ist Sambia seinem Nachbarn Malawi mindestens zehn Jahre voraus. Davon ist Kanga überzeugt, der junge Guide, der mit uns zu Abend isst. Die Tafel ist unter zwei grossen Bäumen am Flussufer gedeckt. Frischer Salat, gegrilltes Fleisch, warme Kürbistarte und Wein aus Südafrika stehen darauf.

«Woher kommst du?», fragt mich Dave, ein australischer Gast. «Aus Zürich» sage ich. Er schüttelt den Kopf. «In welchem Camp warst du vorher?», hakt er nach. Hier ist nur interessant, in welchem Camp man war und was man gesehen hat? Es ist der Afrika-Virus, mit dem alle am Tisch infiziert sind.

Er hat auch mich befallen. Nach vier Tagen im Busch bin ich völlig entspannt. Ich habe gelernt, Spuren zu lesen, die Laute der Tiere zu erkennen, und das Leben habe ich so intensiv und naturnah empfunden wie selten zuvor.

Die Reise wurde unterstützt von Travelhouse und Nikon Schweiz. Die 11-tägige unbegleitete Rundreise «Zambian Highlights» von Lusaka bis Livingstone ist bei Travelhouse ab 6841 Franken pro Person im Doppelzimmer buchbar, inklusive 10 Übernachtungen in Mittelklasse-Lodges mit Vollpension, Safari-Aktivitäten, Englisch sprechender Ranger sowie Transfers. Diese Rundreise kann auf Wunsch auch als geführte Privatrundreise gebucht werden.

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