08. Dezember 2017

Auf Triple-A-Tour

Von Brugg nach Koblenz: viel Aare, ein AKW und noch mehr abwechslungsreicher (Nord-)Aargau

Blick über das gestaute Klingnau-Aarebecken
Schon kurz vor dem Ziel: der Blick über das gestaute Klingnauer Aarebecken.
Lesezeit 4 Minuten

Passionierte Wanderer halten sich nach ersten Schneefällen bis in die Niederungen meist an Ausflugsziele im Mittelland. Vielleicht streuen sie überschaubare Anhöhen ohne (Ab-)Sturzgefahr ein, suchen Wege ohne grössere Verkehrsbeeinträchtigung. Gerade so stösst sowohl der, der aufs Geratewohl losmarschiert, wie auch der, der genau seine Route plant, auf viele bisher unbekannte Ansichten der Schweiz. Idyllen und Spannungsverhältnisse, die im sommerlichen Run auf Berge, in Täler und über Pässe meist unerkannt bleiben, erhalten endlich ihre verdiente Aufmerksamkeit.

Dazu kommt, dass bei Temperaturen um oder etwas über null Grad nichts gegen sehr ausgedehnte Spazierwege und Wanderrouten spricht – sofern das Wetter mehrheitlich trocken bleibt und der Wind nur mässig bläst. Deshalb nahm ich mir am ersten Dezembersonntag eine abwechslungsreiche Strecke durch den nördlichsten Teil des Aargaus vor: Zwischen Brugg und Koblenz an der deutschen Grenze wollte ich dem letzten Stück der mächtigen Aare folgen, die ich früher ausschliesslich in flussaufwärts liegenden Abschnitten erkundet hatte. Weiter wollte ich in der Mitte der gut 28 Kilometer erstmals das Atomkraftwerk Beznau in Augenschein nehmen, und drittens reizte mich unmittelbar davor das auf der Karte scheinbar fast unvorhersehbare Auf und Ab von Hügeln und Dörfern zwischen Bruggerberg und Böttstein.

Nach dem schmucken Altstädtchen von Brugg geht es bloss kurz steil den Bruggerberg hoch, die Aussicht vom Wasserschloss aufs Mittelland und speziell die Einfamilienhäuschensiedlung lassen einen ein kleines bisschen mächtig hinunterblicken. Unverdient, unsereiner hat schliesslich gar kein eigenes Häuschen!
Auf den nur selten beschrifteten Wegen gilt es danach, den richtigen Abgang in die Talsenke nicht zu verpassen, denn den Berg umrundende Wege hat es zwar wie Sand am Meer, an schräg abfallenden Routen jedoch kaum mehr als eine. Endlich unten, bestaunt man das sympathische Kaff Rüfenach, das scheinbar ein bisschen Bauerndorf geblieben ist, wohl einige Pendler beherbergt und im Kern stolz ein paar traditionelle Bauten vorzeigt.

Route Brugg-Koblenz

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1500 x 1000 px / © swisstopo)

Den Geissberg umkurven wir nach wenigen Metern Anstieg unten an seiner Ostflanke, bestaunen dabei zuerst Rebberge, den nie einheitlich verlaufenden Waldsaum und zuletzt seinen schroff ins Aaretal hineinragenden Aussichts-Kopf. Durch das modernere Villigen laufen wir zügig an den Fuss des Römerrebbergs, den es auf dem Weg zum ersten grossen Tagesziel, dem gerade gut 630 m ü. M. hohen Rotbergegg, beinahe ganz zu überqueren gilt. Die Rotbergegg rechtfertigt mit klar ausgeschildertem Wanderweg und zwei völlig unterschiedlichen Seiten (Süd/Nord) die in sie gesetzten Hoffnungen. Zum einen dank der Aussicht von Würenlingen-Siggenthal bis ins Studenland, dazu der lauschigen Waldpassage und am Ende mit dem Hügelrücken, der vielen Mandacher Kindern als Schlittelberg dient.

Weiter geht es mit Blick auf bizarr hingestreute Einzelbäume kurz in ein Couloir, vor dessen abschliessender Krete markante Stromleitungen den Weg Richtung Atomkraftwerk Beznau schon längst, bevor man es sieht, erahnen lassen. Nach der Krete kann man den imposanten Bau in einer Aarebiegung innert Kürze aus drei Perspektiven bestaunen, bevor es durch Böttstein und einen Moment auf einer Anhöhe entlangzuschreiten gilt, bevor ein luxuriös angelegter Pfad direkt ans Aareufer führt. Fazit: Das AKW stört landschaftlich kaum und passt gar nicht so schlecht in diese spannende Flusslandschaft. Für mich stellt es gleichwohl nicht die Zukunft einheimischer Stromproduktion dar ...

Die Aare zeigt neben diesem markanten Eingriff in ihre Uferlandschaft nach dem Weilerchen Eien (wir bleiben aber auf dem Weg direkt am Fluss) als Kontrast eine einmalige Auenlandschaft, bevor Döttingen und die markante Brücke erreicht wird.
Zum lockeren Auslaufen ohne jeden Höhenmeter dient das Ostufer des Klingnauer Aarebeckens. Die Weite der Wasserfläche sorgt im fahl-sonnigen Nachmittagslicht und später dem Stauwehr für eine eindrückliche Stimmung und stets wechselnde Lichtverhältnisse. Und nach dem Wehr bleiben überraschend nüchterne zehn Minuten für den brüsken Abschied von der Aare, ein Miniwaldweg und ein paar Schrittchen zum Bahnhof Koblenz.

Geeignet für ausdauernde Wanderer mit Sinn für Abwechslung
Höhepunkt: Rotbergegg, vor Böttstein, Klingnauer Becken
Pause: nach Rüfenach oder ob Villigen, an der Aare
Dauer: gut 7 Std. (Laufzeit ohne Pausen)
Höhenmeter (bergauf): 710 m

Trümpfe der Wanderung Brugg-Koblenz

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