14. Dezember 2017

Auf einen Kaffee mit Maria und Josef

Die Eltern von Jesus kennt jedes Kind. Aber wie ist es eigentlich, im Hier und Jetzt Maria und Josef zu heissen? Das Ehepaar Aregger aus Littau LU wird oft auf die Kombination ihrer Namen angesprochen – und gefragt, wer von beiden heiliger ist.

Maria und Josef Aregger haben eine Krippe
Maria und Josef Aregger haben eine Krippe im (eigenen) Garten, die ihre Namensvettern mit dem Jesuskind zeigt.

Sie nennt ihn Vati, er sie Mueti. Eigentlich heissen sie Maria und Josef. «Wir werden oft darauf angesprochen, ob wir ein heiliges Paar seien», sagt Josef Aregger (76), der gerade von der Gartenarbeit kommt. Er gibt einen Gutsch Schnaps in seinen Kaffee, den Maria (75) für ihn zubereitet hat. «Die Leute sagen immer, dass sie braver ist als ich. Ich weiss nicht, ob das stimmt.» Beide lachen.

Sie geht auch unter der Woche gern in die Kirche und ist die Stillere von beiden. Er ist eher der humorvolle Typ, nie um einen Witz verlegen. Gemeinsam haben Maria und Josef acht Kinder: André, Peter, Markus, Heidi, Evelyne, Roland, Werner, Martin. Momentan ist das 21. Grosskind unterwegs. Die Kinder von Maria und Josef, die seit 51 Jahren verheiratet sind, wohnen weit herum verstreut. Eine Tochter wohnt mit ihrer Familie in Südafrika – Maria hat sie letzten Monat dort besucht –, ein Sohn ist in der Schweizergarde in Rom. Zum Teil haben die Kinder im Ausland studiert.

Liebe auf den ersten Blick

Maria und Josef sind es deshalb gewohnt zu reisen. In vielen Fotoalben sind ihre Erlebnisse zu bestaunen. Nach Lourdes führte die Hochzeitsreise, in Indien besuchten sie ein katholisches Kloster, letztes Jahr wagte Josef in Südafrika einen Gleitschirmflug. Schon dreimal fuhr er mit dem Velo nach Rom, einmal nach Santiago de Compostela, nach Wien und zweimal nach Köln, wo eine Tochter einige Jahre lebte.

Aufgewachsen sind beide in der Region Luzern. Bereits Marias Eltern und sogar Grosseltern hiessen Maria und Josef. «Es war klar, dass das älteste Mädchen immer Maria heisst. Also ist es kein Zufall, dass ich diesen Namen trage.» Dass sie einmal einen Josef heiraten würde, war trotz aller Tradition nicht so geplant. Kennengelernt haben sich die beiden an einem Trachtenfest. «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt Josef.
Er erinnert sich noch heute genau: Er sei in der Festhalle gleich beim Eingang gesessen. Maria drei Tischreihen weiter, mit Sicht zu ihm.

Josef und Maria vor dem Christbaum
Josef und Maria vor dem Christbaum im Garten.

Er habe gedacht: Das wäre doch eine! Ihr lieber Blick habe ihm gefallen und sie sei eine sehr Hübsche gewesen. «Ist sie ja heute noch», hält er fest.
Maria kichert. Bis er sie zum Tanzen aufgefordert habe, sei er ihr nicht aufgefallen. «Doch dann hat meine Sympathie sie überzeugt», erklärt Josef. Den ganzen Abend lang tanzten sie zusammen, 21- und 22-jährig. Sie tauschten die ­Adressen aus. Das war im Mai. Erst im August liess Josef wieder von sich hören – mit einer Postkarte, die er Maria aus dem Bündnerland schickte. Sie schrieb nicht zurück.

Im Winter meldete sich Josef erneut, diesmal per Telefon: Er sei gerade in der Region, ob er auf einen Kaffee vorbeikommen dürfe, fragte er. Maria sagte Ja. «Von da an hatten wir festeren Kontakt», erzählt Josef. Irgendwann beschlossen sie, dass sie zusammenbleiben wollen. Mit einer Hochzeit seien beide sofort einverstanden gewesen. Diese fand am 19. April 1966 statt. «Ich hatte nur ein Mal Angst in meinem Leben», sagt Josef, «und zwar an diesem Tag. Davor, dass sie nicht Ja sagt.»

Gemeinsames Leid

Beide erinnern sich gern an den Hochzeitstag. Pfarrkirche Ballwil, Regen am Morgen, am Nachmittag strahlend blauer Himmel, 50 Gäste, ein Car, Bild beim Fotografen, Essen in Immensee. Ein halbes Jahrhundert später verraten Maria und Josef das Rezept für ihre erfolgreiche Ehe. Es lautet: Die Freude und das Leid teilen. «Das heisst, dass ich sie an die Beerdigungen schicke – und selber die Hochzeiten besuche.» Maria schmunzelt; Josef und seine Witze.

Gemeinsam machen sie sich ans Schmücken
Gemeinsam machen sie sich ans Schmücken.

Er hatte Landwirt gelernt und arbeitete in Littau 30 Jahre lang als Gemeindegärtner. Nachdem er einen Herzinfarkt erlitten hatte, ging er vor über zehn Jahren frühzeitig in Pension. Sein Hobby war stets die Musik – nächstes Jahr feiert er sein 60-Jahr-Jubi­läum in der Dorfmusik. Maria hat Damenschneiderin gelernt und die Bäuerinnenschule besucht. Nach der Hochzeit war sie Hausfrau und Mutter. Die Areggers wohnen in einem stattlichen Mehrfamilien-Bauernhaus.

Ein grosses Leid während ihrer Ehe war, als der älteste Sohn André mit elf Jahren nierenkrank wurde. Als junger Erwachsener bekam er eine neue Niere transplantiert. Als er 35 Jahre alt war, spendete ihm Maria eine ihrer eigenen Nieren. Diese vertrug er sehr gut. Doch gesund blieb er nicht: Diesen Frühling verstarb er an Krebs. «Das war, und ist noch immer, sehr tragisch für uns», sagt Josef, in dessen Augen sich Tränen sammeln. Auch Maria hält fest: «Das ist das Allerschlimmste, das uns bis jetzt passiert ist.»

Ein Wunsch zu Weihnachten

Maria und Josef sind froh, dass sie einander haben. Er schätzt an ihr, dass sie immer Geduld hat mit ihm, dass sie das Büro so zuverlässig macht und immer alles in Ordnung bringt. «Ich bin ein Zwirbli, sie hat viel Nerven mit mir. Und obwohl sie meine Witze schon kennt, lacht sie manchmal noch darüber.» Sie schätzt an ihm seinen Humor, dass er immer aufgestellt ist – und seine vielen ­Begabungen. «Die grösste Freude macht mir Josef, wenn er für mich kocht.»
Für die Grosskinder macht der Grossvati die besten Pommes und Pizzas überhaupt.

An Heiligabend muss niemand von beiden kochen. Sie sind bei einem ihrer Kinder eingeladen. «Früher kamen wir natürlich immer bei uns zu Hause mit der ganzen Familie zusammen», sagt Maria. «Wie alle anderen feiern wir die Geburt von Jesus. Darauf, dass wir wie seine Eltern heissen, sind wir stolz.»

Zweimal Maria und zweimal Josef
Zweimal Maria und zweimal Josef: Gruppenbild mit grosser Holzkrippe

Für das Ehepaar ist Weihnachten aber nicht nur wegen ihrer Namensvettern ein wichtiges Fest. Auch nach vielen Jahren schenken sich Maria und Josef zu Weihnachten eine Kleinigkeit. Etwa Pralinen oder Gebrauchsgegenstände. Vor allem aber wünschen sie sich, dass sie noch lange gesund und fit bleiben. Josef sagt: «Damit wir noch lange zu unseren Kindern reisen können.»
Er holt sein Smartphone hervor – auch Maria ­besitzt eins – und guckt sich auf Whatsapp Fotos an, die er von seinen Kindern und ­deren Familien von überallher zugeschickt bekommen hat. Maria und Josef freuen sich jetzt schon auf die nächste Reise. 

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