02. September 2019

Auf der Jagd nach dem perfekten Blitz

Andreas Schneeberger fotografiert leidenschaftlich gern Wolken und Blitze. Für das perfekte Gewitterbild zieht der Migros-Angestellte abends los um oft stundenlang draussen auszuharren.

Stormchaser Andreas Schneeberger mit Stativ auf der Schulter
Von der Kraft der Natur fasziniert: Andreas Schneeberger unterwegs mit seiner Fotoausrüstung. (Bilder: Andreas Schneeberger)

Ein «platsch!», und die Jagd ist schon vorbei. Der erste grosse Regentropfen ist soeben auf den Boden geklatscht. Der Duft des nassen Asphalts macht sich breit. An diesem Abend Anfang August kommt das Gewitter früher als angekündigt. Andreas Schneeberger legt seine Kamera zurück ins Auto und sagt: «Damit muss ich leben – so ist halt die Natur.»

Der 31-jährige Luzerner ist auf der Jagd nach dem «perfekten Foto»: Er eilt Gewittern voraus, um einen «riesigen Blitz» und «gewaltige Gewitterwolken» vor die Linse kriegen. Der Fotograf, der tagsüber in der Früchte- und Gemüseabteilung in der Migros-Filiale in Sarnen arbeitet, ist in der Gewittersaison nach Feierabend oft mit seiner Canon 6D unterwegs. Schon vor Arbeitsbeginn schaut er auf verschiedenen Wetter- und Blitz-Apps nach, ob grosse Unwetter im Anzug sind.

Wolkenbogen über Brescia Italien
Wolkenbogen über Brescia Italien

Erster Blitz im Kinderzimmer

Seit er zum 13. Geburtstag eine Kamera bekommen hat, findet er in der Natur seine Lieblingsmotive. Den ersten Blitz filmte er von seinem Kinderzimmer aus. «Das Fotografieren an sich ist nicht schwer, es erfordert lediglich eine lange Beleuchtungszeit», sagt er. Viel aufwendiger sei es, das Gewitter zu erwischen. Dafür ist er auch schon nach Verona gefahren, obwohl er eigentlich in Como umkehren wollte – der Reiz, das beste Bild zu schiessen, trieb ihn weiter. «Mich fasziniert die Kraft der Natur, die der Mensch nicht kontrollieren kann.»

Andreas Schneeberger ist ein Stormchaser, zu deutsch: ein Sturmjäger. Wer eine wilde Jagd mit Kamera vor Augen hat, trifft es nicht ganz. Vielmehr sind präzise Vorbereitung und viel Zeit gefragt. Wenn die Wetter- und Blitzradare auf Schneebergers Handy um 20 Uhr ein Gewitter über Aarau anzeigen, fährt er um 17 Uhr los. «Gute Bilder gibt es nur, wenn ich bereitstehe, bevor das ­Gewitter losgeht.» Denn sobald der erste Tropfen gefallen sei, verschleiere der Regen die Sicht auf den Blitz.

Imposante Vorboten: Gewitterwolken über Andreas Schneebergers Stammpaltz in Buttwil LU
Imposante Vorboten: Gewitterwolken über Andreas Schneebergers Stammpaltz in Butwil (Inwil) LU


Ideal zum Warten seien Anhöhen, «weil da die Sicht nicht von Bergen oder Bäumen versperrt wird». Zu Hause in der Region Luzern fährt er meist zu seinen Stammplätzen, etwa nach Butwil, einem Weiler von Inwil LU. Einmal dort installiert, heisst es: ausharren.

So ist es auch an diesem Augustabend, als das grosse ­Gewitter viel früher kommt und der Fotograf auf ein Folgegewitter wartet. Die Wetterradar-App zeigt weitere gelb-grün-blau-violette Gebilde, die in Richtung Innerschweiz kriechen. Die roten Punkte, die den Blitz anzeigen, fehlen zwar auf dem Radarbild, aber weil er schon einmal hier ist, bleibt er. Sonnenstrahlen drücken durch die Wolken. «Das ist gut; sie ­heizen die Luft auf und erhöhen die Chancen auf ein weiteres Gewitter. Aber erst in zwei Stunden vielleicht.»

Auf Gewitterjagd in Australien

Die Gewitterfotografie habe ihn geduldiger gemacht, und er habe viel über Wetter und Gewitter gelernt. Schneeberger weiss inzwischen genau, welche Wolken Sturm bringen und wann es zu gefährlich wird, draussen zu bleiben. Während einer Jagd ­auf dem Stanserhorn schlug einmal nur einige Meter von ihm entfernt der Blitz ein – er erschrak so sehr, dass er sich am Stativ einen Schneidezahn ausschlug. «Ich suche nicht nach dem Kick im tosenden Sturm. Ich will das perfekte Foto, von dem ich sage: wow!» Inzwischen führt er knapp 2000 Blitzbilder in seiner Sammlung. Sein Lieblingsfoto zeigt ein Gewitter in Darwin, Australien, wo er vor zwei Jahren auf Sturmjagd war.

Andreas Schneebergers Lieblingsbild: Blitzgewitter über Darwin, Australien
Andreas Schneebergers Lieblingsbild: Blitzgewitter über Darwin, Australien

Auch der Augustabend in Butwil bietet ein Stück Australien: Beim Warten erblickt Schneeberger Wallabys in einem Tiergehege. Auf sein Wow-Bild indes wartet er auch an diesem Tag vergeblich.

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