07. Januar 2018

Auf dem Gerätefriedhof

Ein Blick in den Keller oder die obersten Regale der Küche fördert einen kurzen Abriss der Geschichte von Küchengeräten zutage.

Ein neuer Toaster, doch wo landet der einmal ...
Ein neuer Toaster, doch wo landet der einmal ... (Bild: iStockPhoto)
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Kurz nach Weihnachten sieht sich so manche Küche bereichert um neue Küchengeräte. Altes muss Platz machen. Ein Blick auf die oberen Regale der Vorratskammer oder in den Keller ist oft eine kurze Geschichte der Küchenmoden – und die Moden werden vielfältiger, die Zeitabstände kürzer. Sprich: Was heute noch hip ist, landet schon kurze Zeit später auf dem Gerätefriedhof.

In den 70er-Jahren kam kein Haushalt ohne Römertopf aus. Ein monströser Bräter aus Ton mit Deckel. Die Verbindung zu unseren Ahnen war die Tatsache, dass in sehr frühen Zeiten Menschen Fleisch in Ton verpackten und es so gut im Feuer garen konnten. Schon bald wurden Rezepte ausgetauscht, und erste Kochbücher erschienen mit speziellen Rezepten für den Wundertopf. Irgendwann waren elektrische Geräte moderner und bei den Technikgläubigen auch besser. Der Römertopf verschwand. Bestenfalls im Keller, denn mittlerweile gibt es ihn wieder – er wird nicht nur für Schmorgerichte, sondern auch fürs Brotbacken genutzt.
Die 80er-Jahre waren auch das Jahrzehnt der Mikrowellengeräte. Die sind mittlerweile Standardausrüstung in vielen Haushalten. Und eine skeptische Minderheit behauptet weiterhin felsenfest, dass in den Geräten zubereitetes Essen schädlich sei. Dass selbst in der Mikrowelle erhitztes Wasser Pflanzen eingehen lasse, weil die Mikrowellen das Wasser (H2O) chemisch veränderten. Wenn mir jemand erklärt, was denn bitte chemisch aus dem H2O wird, überlege ich mir noch einmal, ob ich eventuell auch daran glaube. Und bevor ich jetzt als Fan der Mikrowelle gelte: Ich habe eine, sie dient aber lediglich zum schnellen Erwärmen oder Auftauen, falls ich vergessen habe, etwas Tiefgefrorenes rechtzeitig aus dem Gefrierfach zu nehmen. Ich koche nicht mit dem Gerät. Ausser zwei Mal im Jahr gebrannte Mandeln.

Die 80er-Jahre bescherten uns auch Entsafter, doch wer regelmässig entsaftete, plagte sich meist auch mit der Reinigung der Maschinen. Ebenfalls massentauglich wurden in den 80er-Jahren Joghurtgeräte. Die Technik, Milch mit Joghurtbakterien zu impfen – meist mit einem Löffel vorhandenen Joghurts – gab es schon lange. Damals ruhten Schüsseln mit angesetzter Milch auf dem Ofen oder im Backofen. Doch in Zeiten von Zentralheizungen in Grossstädten war diese Technik vollends in Vergessenheit geraten. Wer sich der aufkommenden Vollwerternährung verschrieben hatte, machte also seinen Joghurt selbst. Ich auch. Die kleinen Gläschen waren aber unpraktisch. Ich ersetzte das Gerät Mitte 2006 durch ein simpleres Gerät, das nur ein grosses Gefäss hatte.

Die 90er- und Nullerjahre waren in Bezug auf Küchengeräte ein interessantes Jahrzehnt: Billiggeräte aus Fernost eroberten den Markt. Es gab praktisch nichts, wofür es nicht irgendein Gerät gab: vom Sandwichtoaster (aus dem der Inhalt herausquoll) über miserabel funktionierende Folienschweissgeräte, vom Tischgrill über Crêpe-Maker zu Eismaschinen. Gar nicht zu reden von Maschinen, die einzig und allein eine Funktion kannten, etwa das Kartoffelschälen. In den Nullerjahren schwappte aus Amerika eine kleine Begeisterungswelle für die sogenannten Slow-Cooker nach Europa. Ganz durchgesetzt hat sich dieses Gerät nie, auch wenn man damit etwas köcheln kann, wenn man nicht daheim ist.

In den letzten Jahren sorgten Hochleistungsmixer («Smoothie-Maker»), kleine Pizzaöfen und Air-Fryer für Furore. Und nicht zu vergessen: der Kontaktgrill und – als Weiterentwicklung der Entsafter – der Slow-Juicer ohne Zentrifuge. Ich gestehe: Ich war für viele Geräte und Utensilien anfällig, besonders als ich meine erste Wohnung bezog. Mittlerweile weiss ich: Die meisten Geräte verwendet man nach anfänglicher Euphorie kaum noch. Die Geräte stauben ein, und auch sie wollen gehegt und gepflegt werden. Denn oft ist das Reinigen der vermeintlichen Helfer zeitfressender als die Zubereitung auf herkömmliche Art. Und den Fonduetopf – bei mir aus den 90er-Jahren und nicht der Hoch-Zeit der 70er – hole ich nur ein Mal im Jahr hervor.

Was steht auf deinem Gerätefriedhof? Und was kam Weihnachten hinzu?

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