06. April 2020

Auch der Heilige Vater ist im Homeoffice

Ostern bedeutete für die Schweizergarde bisher: Überstunden, Spezialeinsätze, Hektik und grosse Nähe zum Papst. 2020 sehen die Wehrmänner Franziskus bloss dank der nahen Webcam.

Schweizergardist im Vatikan
Das «Smartworking» gilt für sie nicht: Ein Schweizergardist im Vatikan. (Bilder: Getty Images (2), Beat Schweizer)
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Für den österlichen Segen des Papstes waren immer alle Schweizergardisten im Einsatz. Viele standen bei «urbi et orbi» auf dem Petersplatz, um die Menschenmasse zu kontrollieren. Andere verfolgten die Vorgänge in der Kontrollzentrale oder waren zivil gekleidet an den strategisch wichtigen Orten positioniert.

An Ostern 2020 wird der Segen nun gestreamt, aus dem Wohnzimmer des Papstes. Für die Garde sind deshalb keine speziellen Einsätze geplant, wie Wachtmeister Urs Breitenmoser sagt. «Leider», fügt der Mediensprecher der Päpstlichen Schweizergarde an. Seit 20 Jahren ist er in Rom im Dienst. Für den gläubigen Christen war es immer ein besonderer Glücksmoment, dem Heiligen Vater an diesem hohen Feiertag zur Seite stehen zu dürfen.

Vatikan im  Lockdown:  Der Petersplatz  in diesen Tagen und vor Corona-Zeiten,  am Palmsonntag 2017
Der Vatikan im Lockdown: Der Petersplatz in diesen Tagen.

Der übliche Dienstbetrieb läuft indes trotz Ausnahmezustand weiter, sagt Breitenmoser. Das «Smartworking» in den eigenen vier Wänden, zu dem die meisten Italiener gezwungen sind, gilt nicht für die 120 aktiven Gardisten. Sie gehen jeden Tag zur Arbeit, beziehen in ihren bunten Uniformen an einem der Wachposten Position. Doch anders als früher sind sie ganz allein. Niemand beobachtet sie oder macht Fotos. Wer den Petersplatz im Herzen der Weltmetropole kennt, kann die Szenerie nur mit einem Wort beschreiben: surreal. Vor vier Wochen pulsierte noch das Leben. Über 35 000 Menschen strömten täglich hierher.

Nur die Apotheke zieht noch Leute an

Heute ist ausser zirkulierender Ordnungskräfte der italienischen Polizei weit und breit keine Seele zu sehen. Petersplatz und die Basilika sind abgesperrt. Auch die Strassen drum herum sind leer. Die Römerinnen und Römer halten sich erstaunlich diszipliniert ans Verbot. Einzig am Annator, dem Haupteingang zum Vatikanstaat, gibt es gelegentlich etwas Bewegung – weil dort die beliebte Apotheke geöffnet ist. In Rom gibt es keine, die besser ausgerüstet ist.

Für die Gardisten sei es derzeit nicht immer leicht, sagt Wachtmeister Breitenmoser. Die meist jungen Männer kommen in Rom sonst gelegentlich zu etwas Ablenkung vom zeitintensiven Dienst. Doch nun ist es auch ihnen natürlich untersagt, die Stadt zu betreten. Raus darf nur, wer einkaufen oder zur Arbeit muss. Dennoch sind die Wehrmänner für Breitenmoser privilegiert: «Wir haben grosses Glück und dürfen in den Vatikanischen Gärten spazieren oder joggen.»

Poilizist vor dem Vatikan
Auch die italienische Polizei schützt sich vor Corona.

In den vergangenen Jahren war die Truppe chronisch überlastet. Rekrutierungsschwierigkeiten hatten zu Unterbesetzung geführt. Zudem dachte sich Papst Franziskus, der viel von der Garde hält, immer neue Einsatzmöglichkeiten für sie aus. Nun hat der Zwang zu sozialer Distanz viel Ruhe gebracht. Die Massenversammlungen auf dem Petersplatz sind gestrichen. Der Papst empfängt keine Staatspräsidenten mehr. Auch gestrichen wurden interne Ausbildungen, bei denen die Gardisten sich in Festnahme- und Fesselungstechniken oder im Exerzieren üben. Neu ist jedoch ein Dienst, den die Jüngsten unter den Gardisten auszuführen haben: Gemeinschaftsräume, Türgriffe und spezielle Materialien desinfizieren.

Zu zweit oder zu dritt im Zimmer

Das Leben in der Gemeinschaft gehe weiter, sagt Breitenmoser – «gemäss den Richtlinien»: Regelmässig Hände waschen, Abstand halten, auch in der Mensa. Trotzdem sei es nicht immer einfach, die gebotene Distanz einzuhalten. Auch weil in den meisten Zimmern zwei oder drei Gardisten wohnen. In Zukunft hofft man, besser für eine solche Ausnahmesituation gerüstet zu sein: Der geplante Neubau der Kaserne, für den 50 Millionen veranschlagt sind, sieht ausschliesslich Einzelzimmer vor.

Die Ostermesse wird Wachtmeister Breitenmoser wie alle anderen gläubigen Christen verfolgen: zu Hause am Bildschirm. Dabei ist er nur wenige Schritte von der Webcam des Papstes entfernt.

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