07. Oktober 2013

Atheismus in der Schweiz

Wie verbreitet sind die «gottlosen» Atheisten in der Schweiz? Auf der Suche nach prominenten Politikern und Wirtschaftsführern, die sich zur Nicht-Glaubensrichtung bekennen.

Jeder fünfte Mensch in der Schweiz ist konfessionslos und gehört keiner Kirche an. Laut der letzten Strukturerhebung des Bundesamts für Statistik aus dem Jahr 2010 zählt die Gruppe über 1,3 Millionen Schweizerinnen und Schweizer – mehr als doppelt so viele wie bei der Volkszählung zehn Jahre zuvor. Allerdings bedeutet ein Austritt aus der Kirche nicht zwingend, dass Menschen den Glauben an Gott verloren haben und damit zu den Atheisten zählen. Manche möchten nur die Kirchensteuer sparen, andere nennen sich Skeptiker, Zweifler oder Agnostiker.

Zum eigenen Glauben äussern sich allerdings nur die wenigsten prominenten Schweizer. «Es gibt viel mehr Politiker sowie Menschen aus der Wirtschaft oder dem Spitzensport, die nicht an Gott oder Götter glauben, als allgemein angenommen. Leider geben das aktuell noch die wenigsten öffentlich zu. Es scheint immer noch ein wenig wie mit der Homosexualität zu sein», sagt Valentin Abgottspon, Präsident der Walliser Freidenker-Vereinigung, zu Migrosmagazin.ch. Stattdessen werde aus Angst vor Image-Schäden über den eigenen Nicht-Glauben geschwiegen. Abgottspon ist jedoch überzeugt, dass «Menschen des öffentlichen Lebens sich künftig immer weniger schämen und aufrichtige Bekenntnisse häufiger zu hören sein werden.» Kürzlich machten immerhin drei bekannte Persönlichkeiten den Anfang:

Bekennende Atheisten

Philipp Müller, FDP-Präsident, glaubt nicht an Gott
Philipp Müller, FDP-Präsident, glaubt nicht an Gott (Bild: zVg).

Philipp Müller, Parteipräsident der FDP und Nationalrat, glaubt nicht an Gott, schrieb die «Basler Zeitung» in einem Porträt. «Ich glaube an die Kraft des Unterbewusstseins», sagt Müller stattdessen. Dies sage ihm unter anderem, dass er 87 Jahre alt werde. Das sei einfach in seinem Schädel drin. «Ich spüre das.»

Werner Kieser, Gründer einer Fitnesskette, bekennt sich zum Atheismus (Bild: Keystone).
Werner Kieser, Gründer einer Fitnesskette, bekennt sich zum Atheismus (Bild: Keystone).

Deutlicher äussert sich Fitnesspapst und Gründer einer Fitnesskette, Werner Kieser. Obwohl oder gerade weil seine Eltern protestantisch und sehr fromm waren, bekennt sich Kieser in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» klar zum Atheismus. Der Vater habe ihm immer gesagt, er müsse für den Erfolg beten. «Als ich mir ein Rennvelo wünschte, betete ich zu Gott. Aber das brachte nichts.»

Alain de Botton, Schweizer Philosoph, glaubt nicht an Gott (Bild: Keystone).
Alain de Botton, Schweizer Philosoph, glaubt nicht an Gott (Bild: Keystone).

«Ich kann unmöglich an Gott und übernatürliche Aspekte der Religion glauben!» Dies sagte der in London wohnhafte Zürcher Philosoph und Schriftsteller Alain de Botton zur «Luzerner Zeitung» . De Botton sagt aber auch, dass er gegen Atheisten ist, die Religion als dummes Märchen abtun. Er versucht die Vorteile zu sehen: Als Atheist glaube ich, dass wir Menschen Religion aus zwei guten Gründen erschaffen haben. Erstens, um gemeinschaftlich leben zu können, und zweitens als Trost der menschlichen Verletzlichkeit.

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