24. August 2017

Atemberaubend

Der Zürcher Peter Colat ist einer der weltweit besten Apnoetaucher. Für seine minutenlangen Tauchgänge hält er einfach die Luft an. Colat hat bereits mehrere Weltrekorde aufgestellt. Manchmal unter lebensgefährlichen Bedingungen. Sein oberstes Credo lautet dabei: cool bleiben.

Apnoetaucher Peter Colat
Der Apnoetaucher ist schon beim ersten Tageslicht unterwegs.
Lesezeit 4 Minuten

Ein menschliches Herz schlägt bei einer entspannten Gemütslage etwa 60 bis 70 mal pro Minute. Hält Peter Colat die Luft an und taucht hinab in die Tiefe eines Sees, Meeres oder Swimmingpools, dann reduziert sich sein Herzschlag auf gerade noch 12 Schläge pro Minute. Das ist ein Schlag alle fünf Sekunden. Bumm, 21, 22, 23, 24, bumm, 21, 22, 23, 24, bumm ...

Peter Colat ist Apnoetaucher. Das heisst, für seine Tauchgänge braucht er keine Pressluftflasche wie andere Taucher. Colat hält einfach die Luft an - und dies für eine sehr lange Zeit. Sechs bis sieben Minuten schafft er beispielsweise locker. Andere wären nach dieser Zeit bereits ohnmächtig.

Mit den Freunden gewettet

Bereits im Alter von 19 Jahren merkte der gebürtige Zürcher, dass er die Luft etwas länger anhalten kann als andere Menschen. Er war mit seinen Kumpels in Griechenland in den Ferien. Aus Spass wetteten sie, wer im Swimmingpool am längsten unter Wasser bleiben kann. Colats Kumpels ging bereits nach weniger als einer Minute die Puste aus. Er selbst tauchte erst nach zwei Minuten wieder auf. Am Ende seiner Ferien schaffte er drei Minuten und 21 Sekunden.

Peter Colat beim Training im Becken
Peter Colat beim Training im Becken.

Zu Hause schaute Colat im Guinessbuch der Rekorde nach, ob es eine Disziplin oder eine Sportart gibt, bei der es wichtig ist, möglichst lange die Luft anhalten zu können. In der Sportart «Apnoe» wurde er fündig.

Die Jagd nach den Rekorden

Seitdem taucht Colat nicht nur zum Spass in seiner Freizeit, sondern jagt auch den Rekorden nach. Und solche hat er schon so einige aufgestellt: 2011 holte er sich den Guiness-Weltrekord im Luftanhalten. 21 Minuten und 33 Sekunden lag Colat regungslos im Wasser. Zuvor hatte er allerdings über eine Sauerstoffflasche 100 Prozent reinen Sauerstoff für zehn Minuten eingeatmet. Einen seiner schwierigsten Rekorde stellte er 2013 auf. Colat tauchte unter Eis eine Strecke von 150 Metern. Auch das war neuer Guinness-Weltrekord.

«Das Eistauchen war mental sehr hart. Die Kälte, die Eisschicht über dir, da muss man wirklich mentale Stärke beweisen», sagt Colat. Denn einen dicken Neoprenanzug konnte er nicht anziehen. Er hätte ihn beim Tauchen zu sehr behindert. Colats Anzug war lediglich drei Millimeter dick.

Der Eis-Weltrekord stellte den Taucher aber noch vor eine weitere besondere Herausforderung. 2011 starb sein Kollege beim Training für den Rekord. Er tauchte mit Colat unters Eis, kam aber nicht mehr an die Oberfläche. Er wurde zwar gerettet, starb aber später im Krankenhaus. «Ich wollte trotzdem weiter- machen und ihm diesen Rekord widmen», sagt der 46-Jährige.

Gutes Körpergefühl

Ungefährlich sei das Apnoetauchen nicht. Deshalb sei es wichtig, dass man sich selbst ehrlich ein- und nicht überschätzt. Apnoetaucher, die nach einem Tauchgang fast oder ganz ohnmächtig werden, kann Colat nicht verstehen. «Ich will nach einem Rekord feiern, ein Bierchen trinken gehen und den Moment geniessen und nicht zusammenklappen», sagt er.

Damit es nicht zur Ohnmacht kommt, müsse man sich vorsichtig immer weiter an seine Grenzen herantasten. «Du musst ein gutes Körpergefühl entwickeln. Ich merke ziemlich genau, wann ich an meine Grenzen komme», sagt Colat, der das Apnoetauchen nur als Hobby betreibt und hauptberuflich als Architekt arbeitet.

Der Apnoetaucher beim Sonnenaufgang im See

Ausserdem wendet er einige mentale Tricks an. Colat denkt sich beispielsweise eine schöne Geschichte aus, an die er während des Tauchgangs denkt. An ein Riff mit Delfinen, an seine bald 10-jährige Tochter. Auch hört er Musik, die ihn entspannt. Ruhige Trancestücke, zum Beispiel. «Du musst einfach ein positives Gefühl unter Wasser haben. Wenn du einen schlechten Tag hattest, dann lässt du das Tauchen lieber. Dein Dialog mit dir selbst unter Wasser darf dich auf keinen Fall stressen.»

13 Liter Luft in der Lunge

Doch auch wenn Colat es schafft, total entspannt unter Wasser zu sein: In der letzten Phase des Tauchgangs muss er kämpfen. In dieser «Kampfphase», wie Colat die Minuten vor dem Auftauchen nennt, muss er sich gegen den Atemreiz wehren. Das Zwerchfell macht sich bemerkbar und verlangt nach Sauerstoff. «Es ist paradox. Du musst kämpfen und trotzdem den Puls möglichst tief halten.» Je mehr man allerdings trainiere, desto später werde diese Kampfphase eingeläutet.

Auch eine spezielle Atemtechnik vor dem Abtauchen hilft dem Apnoetaucher, mehr Luft einzuatmen. Mit der sogenannten «Karpfen-Atemtechnik» presst Colat möglichst viel Luft in seine Lungen hinein. Bis zu 13 Liter Luft bekommt er so in seine Lungenflügel. Ansonsten beträgt Colats Lungenvolumen circa
8 Liter, was ausserordentlich viel ist.

Mit diesem Vorteil will Colat bereits den nächsten Rekord in Angriff nehmen. Letztes Jahr wurde sein Schweizer Strecken-rekord von 180 Metern Tauchen in einem Swimmingpool um fünf Meter geschlagen. Colat möchte seinen Rekord zurück und als erster Schweizer 200 Meter am Stück tauchen. «Das wird sicher schwierig. Aber im Kopf bin ich parat», sagt er.

Hinweis: Am 26. August finden in Herrliberg auf dem Zürichsee die Schweizermeisterschaften im Tieftauchen statt, bei denen auch Peter Colat teilnimmt.

Weitere Informationen
www.freediving.ch
www.susv.ch

Benutzer-Kommentare