Archiv
06. Juni 2016

Zwillinge altern nicht gleich

Der Lebensstil hat einen wesentlichen Einfluss darauf, wie wir altern und wie sich unser Aussehen entwickelt. Zeigen lässt sich dies anhand sogenannter Zwillingsstudien.

Eineiige Zwillinge
Eineiige Zwillinge: Verschiedene Lebensstile lassen Ähnlichkeiten mehr und mehr schwinden. (Bild: Getty Images)

Für die Forschung sind eineiige Paare aufschlussreiche Studienobjekte. Denn nirgends sonst lässt sich so deutlich aufzeigen, wie sich Lebensweise, Ernährung, Körperpflege, Sport oder Bildung bei identischem genetischen Erbgut auf den Alterungsprozess und das Aussehen niederschlagen können. Eine der populärsten Studien bis heute ist jene des Teams um den Psychologen Thomas Bouchard an der Universität in Minnesota USA. Während 20 Jahren begleitete das Team 81 eineiige und 56 zweieiige Zwillingspärchen.
Die Erkenntnis: Der Alterungsprozess hängt nur zu rund 20 Prozent von der Genetik ab, entscheidender sind die Lebensumstände.

Andere aktuelle Zwillingsstudien konnten zeigen:

1. Wer mehr als eine Stunde pro Woche trainiert, ist geistig fitter.
Die britischen Genetiker Claire J. Steves und Tim D. Spector untersuchten, inwiefern körperliche Bewegung einen Einfluss auf die kognitive Alterung, also die geistige Fitness hat. Von 324 untersuchten Zwillingen, alles Frauen im Alter zwischen 43 und 73 Jahren, waren die Trainierten im Vorteil. Jene, die regelmässig Sport trieben, waren geistig deutlich fitter als ihre unsportlichen Schwestern.

2. Rauchen macht Hängebacken und Falten.
Nicht ganz neu, aber in der Deutlichkeit doch erstaunlich sind die Resultate einer Studie der Case Western Reserve University in Cleveland USA. Von den 79 untersuchten Zwillingspaaren schnitten die Raucher in Sachen Hautbild dramatisch schlechter ab: Ihre Oberlider hingen herunter, sie hatten deutliche Lid- und Tränensäcke, eine fahlere Haut und ausdruckslosere Augen. Dazu eine markantere Nasolabialfalte und eine auffällige Tendenz zu Hängebäckchen.

3. Das Appetitverhalten entscheidet über späteres Übergewicht.
Daniel Belsky vom Duke University Medical Center in North Carolina USA fand 2014 heraus, dass gierige und mit einem guten Appetit gesegnete Babys später öfters übergewichtig sind. Mütter von 228 Zwillingspaaren füllten einen Fragebogen über das Ess- und Trinkverhalten ihrer Kids aus. Mehr als zwei Drittel der Viel­frasse lagen – anders als das rasch gesättigte Geschwister – schon mit drei Jahren deutlich über dem durchschnittlichen Normalgewicht.

4. Vegetarier leben nicht unbedingt länger.
Die Universität Oxford (GB) hat Daten aus zwei Langzeituntersuchungen mit rund 60'000 Teilnehmenden ausgewertet. Etwa ein Drittel ass regelmässig Fleisch, ein Drittel ernährte sich vegetarisch, rund 13'000 nahmen wenig Fleisch zu sich, gut 8000 bevorzugten Fisch. Im Untersuchungszeitraum starben knapp 5000 Probanden. Dabei war die Sterblichkeit unter den verschiedenen Gruppen ungefähr gleich hoch. Vegetarismus ist zwar ehrenvoll, aber dass man damit auch länger lebt, ist bis heute nicht bewiesen.

Autor: Martina Bortolani