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03. Oktober 2011

Zwergkaninchen abzugeben

Haustiertrauma
Bänz Friedli hat ein Haustiertrauma.

Nein, ausser den Fussballschuhen, die nach Katzenurin riechen, haben wir keine Haustiere. Es ist, Sie ahnen es, der Klassiker: Die Kinder hätten gern welche, bitti-betteln immer aufs Neue, wir Eltern sind dann die Bösen. Und ich gebe zu, dass ich mich dabei ganz gern hinter meiner Frau verberge und die Kinder im Glauben lasse, sie sei noch strikter gegen Haustiere als ich. Müsste ich nämlich selber entscheiden...

Ach, es ist eine lange Geschichte. Sie begann mit der Zuneigung zu einem schwarzen Zwergkaninchen, wobei ich mir bis heute nicht sicher bin, ob es wirklich Zuneigung zum Kaninchen war oder vielmehr zur sehr schönen Sabina aus dem Nachbardorf, die ein Zwergkaninchen günstig abzugeben hatte. Jedenfalls war ich nun Besitzer eines Chüngelis, das ich töricht auch gleich Sabina taufte. Das arme Tier ging an einer Infektion jämmerlich zugrunde, wegen der Sommerhitze. Mein zweites Zwergkaninchen — es musste ja dann Ersatz her! — grub sich unterm Gatter durch in die Freiheit, will heissen: in den sicheren Tod. Das dritte nahm der Fuchs...

Die Kinder betteln, wir sind die Bösen.

Eine Reihe von Tragödien, die man den eigenen Kindern ersparen möchte. Und sollten Sie mein Haustiertrauma noch nicht verstehen: Mein erster Fisch sprang, nachdem ich zum Aquarium übergegangen war, nächtens aus demselben und verendete auf der Treppe; der zweite wurde von einem anderen Haustier verspeist. Womit wir bei Kecki, der Katze, wären, der einzig wahren Tierliebe meines Lebens. Schon ihre Mutter war ein Charaktertier: Zweimal war sie in den Handmäher von Bauer Walther geraten, beim ersten Mal wurde ihr linkes Hinterbein halbiert, beim zweiten dann zum Stump gesäbelt, doch auch dreibeinig brachte die rabenschwarze Katze noch Drillinge zur Welt: schwarzweiss gescheckt, ängstlich das erste, keck das zweite, nach Tagen schon tot das dritte. Wir tauften das eine Ängschti und gaben es weg. Kecki behielten wir. Ich muss vier gewesen sein, als sie zur Welt kam. Sie blieb bei uns. Und blieb. Und blieb. Kecki war auch dann noch bei meiner Mutter, als die Geschwister und ich längst ausgeflogen waren. Nie besuchten mein Bruder, meine Schwester und ich das Elternhaus gemeinsam. Ausser einmal, nach Jahren. Wir sassen alle am runden Tisch im Garten, Kecki — sie war über zwanzig Jahre alt — legte sich unter den Tisch auf den Rasen …und starb. Als hätte sie auf diesen Tag gewartet. Ein bewegender Augenblick.

Später hütete ich nur noch die Ratten meines Göttibuben, jeweils in den Herbstferien; das erste Pärchen hiess Flip und Flop,das zweite Pesto und Sugo. Aber nach Sugo roch ihr Käfig nicht, er stank so bestialisch, dass ich vermuten musste, er sei seit dem letzten Aufenthalt bei mir, also seit Jahresfrist, nicht gereinigt worden.Was ich dann stets übernahm.

Aber ich würde unseren Kindern Haustiere gönnen, ehrlich! Und natürlich würde ich die Ställe ausmisten, wenn sie es wieder mal versäumt hätten, sprich: immer. Nur hat es in einer Stadtwohnung ohne eigenen Garten einfach keinen Sinn, Haustiere zu halten. Vermutlich wird Anna Luna dereinst in einem grossen Haus im Grünen viele Tiere hegen und ich werde sie dort gern besuchen. Doch vorerst muss sie mit einem batteriebetriebenen Hundli vorliebnehmen; sein Vorteil: Es stinkt nicht.

Bänz Friedli (46) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.

Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli