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03. Juni 2013

Zwei Pfüdis auf Spritztour

Mit dem Clio Grandtour ist Renault ein entzückender Kombikleinwagen gelungen. Aber besteht er auch im Familienalltag? Felix, Katja und Pfüdi Maxim Lüthi haben ihn getestet.

Katja und Felix 
Lüthi mit dem elfmonatigen Maxim und dem Renault Clio
Klein, aber fein: 
Katja und Felix 
Lüthi mit dem elfmonatigen Maxim und dem Renault Clio Grandtour, der für das Bild ausnahmsweise auf der Wiese steht.

Eltern kennen das: Gerade noch bot das Auto mehr als genug Platz, und plötzlich ist der Nachwuchs da. Und dann wirds eng. So ergeht es seit elf Monaten auch Leserfamilie Lüthi aus dem Freiburger Sensebezirk. «Wir leben eher abgelegen und benötigen das Auto daher fast täglich als ‹Arbeitsgerät›», erklärt Katja Lüthi (33). «Da unser Auto langsam in die Jahre kommt, denken wir über ein geräumigeres nach, als Ersatz unseres zehnjährigen Opel Corsa. Der neue Clio Grandtour könnte ein möglicher Kandidat sein.»

Katja Lüthi gefällt das Schwarz-Rot-Farbkonzept
Peppiges Interieur: Katja Lüthi gefallen das Schwarz-Rot-Farbkonzept und das Multimediasystem «im iPad-Stil».

Chic ist der französische Kleinwagenkombi schon mal: Renault hat dem neuen Clio ein peppig-frisches Styling verpasst. Nicht unproblematisch, denn die Erfahrung lehrt: Eine hübsche Form geht oft auf Kosten des Innenraums. Die Grandtour genannte Kombiversion ist für ihre Liga zwar sehr geräumig, aber bei allem Lob von Familie Lüthi für Design, Sitze und die gute Verarbeitung gibt es trotzdem Kritik. «Die Türen öffnen nicht sehr weit, und der Laderaum ist lang, aber recht niedrig», urteilt Katja Lüthi. «Deshalb müssen wir bei unserem Kinderwagen das Vorderrad immer abmontieren — schade! Dafür liegen die hinteren Türgriffe schön hoch, was praktisch ist, wenn man die Hände voll hat.»

Interieur mit Stil, aber wenig Schub und zu straffe Federung

«Gefallen haben uns viele andere Dinge. Etwa das schwarz-rote Interieur, zumal man da nicht jedes Staubkorn sieht», lobt der SBB-Angestellte Felix Lüthi (34). «Und das Multimediasystem im iPad-Stil ist leicht zu bedienen und bietet witzige Spielereien. Man kann sogar den Motorsound anpassen!»

Auch sonst überzeugt der moderne 0,9-Liter-Dreizylinderturbo mit 90 PS. «Jedenfalls ist er flotter als unser 1,2-Liter-Corsa und hat genug Kraft», sagt Katja Lüthi schmunzelnd und fügt an: «Nur im Eco-Modus hat er kaum Schub, und so gut er klingt: Etwas leiser dürfte er sein, und sechs statt fünf Gänge wären schön. Wir haben auf 400 Testkilometern im Schnitt sieben Liter gebraucht: kein Sparhit, aber noch akzeptabel.»
Der Sozialarbeiterin gefallen die direkte Lenkung und sportliche Kurvenlage. Nur die Federung stösst mit den Sporträdern des Testwagens auf Kritik. «Eher zu straff», resümiert Felix Lüthi.

Der elfmonatige Maxim war dennoch stets zufrieden, und sein Mami lobt Details wie die — wegen der kleinen Heckscheibe empfehlenswerte — Rückfahrkamera und die Schaltempfehlungsanzeige im Display. Felix Lüthis Fazit: «Für Familien mit einem Kind ist er geeignet, aber wir benötigen noch etwas mehr Platz. Für uns kommt er daher trotz seines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses nicht infrage.»

CO2-Richtwerte

CO2-Verbrauch des Renault Clio Grandtour TCe 90
CO2-Verbrauch des Renault Clio Grandtour TCe 90

Der Verbrauch des Renault Clio Grandtour TCe 90 Im Jahr 2015 sollen die Neuwagen in der Schweiz im Schnitt nur noch 130 g/km CO2 ausstossen. Geht man von einer kontinuierlichen Senkung des letzten ermittelten Werts (2011: 155 g/km) aus, bedeutet das für 2013 einen Richtwert von 142 g/km. Der Testwagen liegt mit 104 g/km schon jetzt deutlich tiefer.

Informationen zum Bewertungssystem

Neues CO2-Emissionsgesetz

Bis 2020 sollen die Schweizer CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 20 Prozent sinken. Seit 1. Mai 2012 gilt in der Schweiz deshalb das revidierte CO2-Gesetz für neue Personenwagen. Angewendet wird es für alle neuen PW, die seit dem 1. Juli 2012 erstmals hierzulande immatrikuliert wurden. Im Jahr 2015 dürfen die neuen Personenwagen im Schnitt maximal 130 g/km an CO2 ausstossen, was einem Norm-Gesamtverbrauch von etwa 4,9 Liter Diesel bzw. rund 5,6 Liter Benzin pro 100 Kilometer entspricht. Für Gasantriebe gelten gesonderte Bestimmungen.

Überschreitung sanktioniert

Der Wert von 130 g/km CO2 wird stufenweise eingeführt. Im Jahr 2012 mussten ihn 65 Prozent der Neuwagen, 2013 müssen ihn dann 75 Prozent und im Jahr darauf 80 Prozent der neuen Personenwagen erfüllen. Erreicht ein Importeur den spezifisch für ihn anhand Zielwert und Gewicht errechneten Schnitt nicht, wird die Sanktionsabgabe fällig, zum Beispiel 142,5 Franken pro Gramm ab dem vierten Gramm (1 bis 3 Gramm sind vergünstigt).

Bewertung im Migros-Magazin

Die Bewertungsgrafik im Migros-Magazin geht zwecks anschaulicherer Einstufung der Fahrzeuge von einer kontinuierlichen Senkung aus. Die Grundlage dafür ist der letzte ermittelte CO2-Durchschnitt aller Neuwagen: 155 Gramm pro Kilometer im Jahr 2011 (die Werte für 2012 liegen noch nicht vor). Sinkt der CO2-Ausstoss bis zum angestrebten Ziel von 150 Gramm pro Kilometer im Jahr 2015 kontinuierlich, ergeben sich daraus unsere Zielwerte – wie etwa aktuell 142 Gramm pro Kilometer für 2013. Anhand dieses Wertes werden die von uns vorgestellten Autos im Migros-Magazin beurteilt.

Autor: Timothy Pfannkuchen

Fotograf: Nik Hunger