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04. November 2013

«Zusammenrücken»: Eine Stadt von Genf bis Zürich?

Im Sonderheft des Migros-Magazins gehts um enger werdende Verhältnisse – beim Wohnen, Arbeiten und unterwegs, in der Schweiz und weltweit. Das Editorial und die Infografiken zum Einstieg ins Thema.

DAS EDITORIAL: Eine Stadt von Genf bis Zürich?
Es gab eine Zeit, da konnte man in Aarau der Aare entlangspazieren und sah an den Jurahängen einige Häuser – und erste, fast zaghaft hingestellte Überbauungen. Die Kantonsgrenze zwischen Aargau und Solothurn war noch klar erkennbar. Heute ist der gesamte Hang zwischen Aarau und Erlinsbach mit Terrassensiedlungen überbaut, gerade eben werden die letzten Lücken geschlossen. Ein einziges Betonband, das sich praktisch nahtlos über die Kantonsgrenze hinwegzieht.
Es ist enger geworden in der Schweiz. Allein seit der Jahrtausendwende ist die Einwohnerzahl der Schweiz von 7,2 auf 8 Millionen gestiegen. Und sie wird weiter wachsen. Davon profitiert die Schweiz, keine Frage. Kein Land Europas hat eine robustere Wirtschaft: tiefe Zinsen, hohe Löhne, wenig Arbeitslose. Das Wachstum aber schafft auch neue Probleme. Wie gehen wir miteinander um? Wie gehen wir mit den knapper werdenden Ressourcen – Land, Energie, Ruhe – um? Wie verhalten wir uns in einer globalisierten Welt, in der Millionen auf dem Marsch in eine neue Zukunft sind? Welche Schweiz wollen wir der nachrückenden Generation überlassen?
Das Migros-Magazin hat sich all diesen Fragen gestellt und zum Thema «Zusammenrücken» gleich ein ganzes Heft produziert. Wir haben mit Migrantenkindern gesprochen, mit Bauexperten diskutiert. Wir haben Soziologen befragt, Zahlen zusammengetragen und mit Christoph Blocher und Christian Levrat zwei der wichtigsten Exponenten der Schweizer Politik über das Thema streiten lassen. Lassen Sie sich überraschen!

Hans Schneeberger, Chefredaktor Migros-Magazin
hans.schneeberger@migrosmedien.ch

ZUSAMMENRÜCKEN
In der chinesischen Metropole Schanghai leben 23 Millionen Menschen auf einer Fläche so gross wie der Kanton Bern. Ist das unsere Zukunft? Das Migros-Magazin (vom 4. 11. 2013) beschäftigt sich mit den enger werdenden Räumen, den globalen Völkerverschiebungen und den Grenzen der Ressourcen.

Immer mehr Menschen teilen sich den Planeten

7,2 Milliarden Menschen leben auf der Erde
7,2 Milliarden Menschen leben auf der Erde

Es wird enger auf der Erde. Seit Ende der 60er-Jahre hat sich die Weltbevölkerung rapide auf 7,2 Milliarden verdoppelt, und die Zahl der Menschen wird weiter steigen, auch wenn die Wachstumsrate seit Jahrzehnten stetig sinkt. Dank mehr Wohlstand und Bildung hat sich inzwischen auch in vielen Entwicklungsländern die Geburtenrate reduziert.
Unsere Grafiken zeigen, dass mit Abstand am meisten Menschen in Asien leben – zum Teil enorm dicht aufeinander. Auf dem asiatischen Kontinent befinden sich auch die meisten Megastädte (Metropolen mit mehr als zehn Millionen Einwohnern), insbesondere in China und Indien.
Verglichen damit haben wir in Europa und der Schweiz relativ viel Platz, doch auch hier ist es enger geworden. Nicht zuletzt wegen der Personenfreizügigkeit mit der EU ist die Einwohnerzahl in der Schweiz stark gestiegen und liegt nun bei über acht Millionen Menschen. Die meisten Zuwanderer sind aus Italien, Deutschland und Portugal in die Schweiz gekommen. Seit 2008 allerdings nimmt die Zahl der Zuwanderer jedes Jahr ab.
DIE INFOGRAFIK von Seite 8/9 des Migros-Magazins zum Download

Die Welt ist ständig in Bewegung

viele sind unterwegs
... viele sind unterwegs: Auf der Suche nach Arbeit oder auf der Flucht.

216 Millionen Menschen leben ausserhalb ihres Geburtslandes. Die überwiegende Mehrheit ist ausgewandert, in der Hoffnung auf gute Jobs und ein besseres Leben anderswo – viele von ihnen suchen ihr Glück in Nordamerika oder Westeuropa. Andere aber verlassen ihre Heimat, weil dort Krieg herrscht oder sie sonst an Leib und Leben bedroht sind. Weltweit gibt es derzeit 16 Millionen Flüchtlinge, der grösste Teil von ihnen ist nahe der Heimat in Nachbarländern untergekommen, denen es oft kaum viel besser geht.
In der Schweiz leben 1,8 Millionen Migranten, das entspricht 23 Prozent der Gesamtbevölkerung – mehr als zwei Drittel stammen aus anderen europäischen Ländern. Die überwiegende Mehrheit der Migranten kommt in die Schweiz, um zu arbeiten oder sich auszubilden.
2012 befanden sich insgesamt 44 863 Asylsuchende in der Schweiz. Das entspricht 0,5 Prozent der Wohnbevölkerung. 1999 waren es 104 739 Personen, also mehr als doppelt so viele.
DIE INFOGRAFIK von Seite 10/11 des Migros-Magazins zum Download

Reichen die Ressourcen für alle?

Reichen die Ressourcen für alle?
Reichen die Ressourcen für alle?

Die ständig wachsende Weltbevölkerung braucht entsprechend viele Ressourcen. Energie- und Wasserbedarf haben in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Und ein wachsender Teil der Welt lebt auf zu grossem Fuss.
Der ökologische Fussabdruck ist eine theoretische Fläche Land, die eine Person pro Jahr mit ihrem Konsumverhalten beansprucht.
Eine für den Planeten nachhaltig verträgliche Lebensweise entspricht einem Fussabdruck von 1,8 Hekt­aren pro Person. Die Schweizer leben mit 5 Hekt­aren pro Person also alles andere als nachhaltig. Noch verschwenderischer verhalten sich die Menschen in den USA oder in Katar.
DIE INFOGRAFIK von Seite 12 des Migros-Magazins zum Download


Texte: Ralf Kaminski, Infografik: Daniel Röttele