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31. August 2015

Zurück in die Zukunft

Tulpen im Sommer und Sonnenblumen in Winter – Pflanzenkataloge ticken einfach anders.

Tulpen im Katalog
Viele...

Am Samstag habe ich einen mit violetten Tulpen bedruckten Frühlingsgruss aus dem Briefkasten gezogen. Nicht etwa eine verspätete Postkarte netter Menschen, die mir aus ihren Frühlingsferien eine Karte geschrieben hätten. Nein, mehr so ein prophylaktischer Vorfrühlingsgruss eines Samen- und Pflanzenhändlers, der mich auf über 30 Seiten mit seinem «vielfältigen und sorgfältig ausgewählten Angebot» an Blumenzwiebeln darauf aufmerksam machen will, dass bereits der nächste Frühling vor dem Gartentürli stehe und es drum jetzt an der Zeit sei, die Gartensaison 2016 einzuläuten – notabene mit seinen Blumenzwiebeln. Denn: «Mit diesen unscheinbaren, braunen Zwiebeln und Knollen verbinden Tulpen- und Narzissenfans, Gartenfreunde und Frühlingshungrige viel Hoffnung und Vorfreude.»
Viel Hoffnung und Vorfreude, beides kann man immer brauchen. Als Hobbygärtner sowieso. Nur hoffe und freue ich mich in meinem Garten zurzeit auf ganz anderes als auf «unscheinbare, braune Zwiebeln und Knollen», mögen daraus einst noch so violette Tulpen wachsen.
Gerade jetzt hoffe und freue ich mich beispielsweise auf die anstehende Stangenbohnenernte (einmal mehr ab Spalier ). Oder meinen einzigen und somit einmaligen Apfel, den mein letztes Jahr gepflanztes Apfelbäumchen zurzeit ausbrütet. Oder das Comeback der violetten Clematis am Gartenschopf, die ein zweites Mal Blüten angesetzt hat. Oder die grob überschlagen 91 Kiwis am Kiwi, die wegen des bombigen Sommers heuer wohl zum ersten Mal nicht im Keller nachreifen müssen. Oder die unzähligen Gläser Holunderkonfi, die in den kommenden Tagen ihren Weg vom Holderebusch (kein Link? kein Link!) über die Küche in den Vorratskeller finden werden (Erinnerung am mich: Gelierzucker kaufen!). Oder die Seerose im Fassteich, die endlich eine Knospe angesetzt hat.
Besagter Samen- und Pflanzenhändler hat in seinem mit violetten Tulpen bedruckten Frühlingsgruss übrigens bereits auch schon das Erscheinen eines weiteren Katalogs im Dezember angekündigt. Auf dessen Titelblatt prangt eine leuchtend gelbe Sonnenblume. Genau die Art von Sonnenblumen, die zurzeit in meinem Garten gelb leuchten. Weshalb sich mir jetzt die Frage stellt, ob ich meiner Zeit voraus bin – oder doch hinterher?
PS: Böse Zungen könnten nun sagen, die Migros sei mit ihren Samichläusen und Osterhasen der Zeit schliesslich jeweils auch voraus. Geschenkt! Aber an Schoggi (ob nun in Samichlaus-, Osterhasen- oder Tafelform) kann man sich immer und zu jeder Zeit erfreuen – ich auf jeden Fall!

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger