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26. Mai 2014

Zurück im Traumjob

Nach dem Swissair-Grounding arbeitete Esther Zwygart in der Modebranche, wollte aber unbedingt wieder fliegen. Heute ist sie Pilotin bei der Lufthansa.

Esther Zwygart vor einer Turbine ihres Airbus A340, kurz vor dem Abflug
von München nach Seoul (Südkorea).
Esther Zwygart vor einer Turbine ihres Airbus A340, kurz vor dem Abflug
von München nach Seoul (Südkorea).

Vor genau zehn Jahren erzählte Pilotin Esther Zwygart dem Migros-Magazin, wie es ihr nach dem Jobverlust bei der Swissair 2002 ergangen war (siehe das Porträt «Vom Cockpit in den Showroom» rechts). Damals arbeitete sie zwischenzeitlich in der Modebranche, doch die Sehnsucht, ins Cockpit zurückzukehren, war gross. Bereits 2005 gelang ihr dies: Drei Jahre lang flog sie Passagiere der Austrian Airlines zu Destinationen in Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten. Dann schaffte sie den Wechsel zur Lufthansa, wo sie nun seit 2008 als erste Offizierin Langstrecken fliegt.

«Meine Lieblingsdestinationen sind im Winter Kapstadt, im Sommer Vancouver und jederzeit Hongkong.» Vor Ort hat sie jeweils ein bis vier Tage Aufenthalt, in denen sie mit der Crew oder Freunden die Städte erkundet und Wanderungen in der Umgebung unternimmt.

Eine von sechs Schweizerinnen ­ in den Cockpits der Lufthansa

Bei der Lufthansa arbeiten 5400 Piloten, rund fünf Prozent sind Frauen. Zwygart ist eine von sechs Schweizerinnen, die für die deutsche Airline im Cockpit sitzen. «Es sind aber recht viele von den alten Swissair-Kollegen bei der Lufthansa untergekommen», sagt Zwygart. Zwei bis drei Destinationen pro Monat fliegt die 43-Jährige an, mal sitzt sie am Steuer, mal assistiert sie im Cockpit.

Sie liebt den Job nicht zuletzt deshalb, weil es so was wie Routine nicht gibt. «Jeder Flug ist anders.» Und es kommt immer wieder zu unerwarteten Zwischenfällen. «Kürzlich gelang es zwei Katzen, aus ihrem Korb in der Passagierkabine zu entkommen – die zwei verängstigten Tiere in einem voll besetzen Flugzeug wieder einzufangen, war gar nicht so leicht.» Und auf einem Flug nach Chicago gab es gleich neun medizinische Vorfälle. «Zum Glück hatten wir in der Business Class eine grosse Gruppe von Medizinern, die auf dem Weg zu einem Ärztekongress waren – unter anderem dank ihnen haben wir alle sicher wieder auf den Boden gebracht.»

Eine Herausforderung ist die Terminplanung: Esther Zwygarts Mann ist Pilot bei der Swiss, die beiden haben einen elfjährigen Sohn und eine siebenjährige Tochter. «Wir versuchen, unsere Flugpläne so abzustimmen, dass sich einer von uns um die Kinder kümmern kann – und wir auch Zeit für uns und die ­Familie haben.» Zur Unterstützung kommen zudem regelmässig zwei Studentinnen zu ihnen ins Zürcher Oberland, und die Grosseltern helfen ebenfalls aus.

Zwygart ist in München stationiert, pendelt also mit dem Flugzeug von Zürich-Kloten zum Arbeitsplatz. «Das machen ganz viele so, und einige noch viel weiter als ich. Zwei fliegen sogar aus New York und Tokio an – das sind echte Lebenskünstler.» Und ist es nun bei der Lufthansa auch so gut wie damals bei der legendären Swissair? Zwygart überlegt kurz und nickt dann. «Ich finde schon. Es gab ja früher viele, die sehr stolz waren, bei der Swissair zu arbeiten. Dieser Stolz begegnet mir nun auch bei der Lufthansa.»