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13. Oktober 2014

Die höchstgelegene Kochschule Europas ist im Engadin

Auf der 2206 Meter über Meer gelegenen Alp Laret ob Ftan GR befindet sich die höchstgelegene Kochschule Europas.

Alp Laret Chasa da Fö
Paradies-Chefkoch Gustav Jantscher in seinem Element in der Chasa da Fö auf der Alp Laret. Der Kochherd wird mit Holz geheizt.

Bei den Räumlichkeiten der Kochschule auf der Alp Laret handelt es sich um die Chasa da Fö, einem ehemaligen Schweinestall. Die Aussicht auf die Unterengadiner Bergwelt ist schlicht grandios. Ein Kochkurs mit dem Vorarlberger Gustav Jantscher, Chefkoch des Hotels Paradies in Ftan, kostet 165 Franken pro Person (ohne Getränke, minimale Teilnehmerzahl 6, maximal 20). Auf einem riesigen, mit Holz befeuerten Herd aus dem Jahr 1910 werden regionale Gerichte zubereitet. Wer nicht selbst Hand anlegen will, schaut einfach zu, wie es der Meisterkoch macht. Die Kochhütte kann auch für Privatanlässe gemietet werden. Im Winter ist sie nur zu Fuss oder mit Ski zu erreichen.

Wer den Kochkurs verpasst, lässt sich im Hotel Paradies in Ftan von Gustav Jantscher verwöhnen. Das Fünf-Sterne-Haus (vom 19.10.–19.12.2014 geschlossen) ist Mitglied der Hotelvereinigung Relais & Châteaux und gilt mit nur 23 Arvenholzzimmern und einer atemberaubenden Aussicht auf das Unterengadin und das Schloss Tarasp als Geheimtipp.

Das erste Paradies-Restaurant heisst Charn Alpina. Der rätoromanische Begriff «Charn Alpina» steht für das vornehmlich direkt ab Hof servierte Unterengadiner Fleisch und hat 15 Gault-Millau-Punkte. Eine empfehlenswerte Vorspeise ist das auf einem Ast servierte Hirschtrockenfleisch für 25 Franken oder das Tartare vom Engadiner Jungrind, das je nach Portion 24 (100 Gramm) oder 32 (140 Gramm) Franken kostet. Butterzart hat sich der Rehrücken im Gewürzmantel (51 Franken) präsentiert, während das Ribeye vom Alpweiderind leicht zu salzig gewürzt war. Trotzdem: Hier wird auf höchstem Niveau ambitioniert und innovativ gekocht. Im «La Cucagna» gibt es Spezialitäten wie Bergforelle, glasierte Milken mit Schupfnudeln, Steinpilzpasta oder Hirschrücken. Wie es in der gehobenen Schweizer Gastronomie oft der Fall ist, sind die Weinpreise hoch: Den Tessiner Merlot Sassi Grossi gibt es für 125 Franken, wobei immerhin rund 60 Flaschenweine unter 80 Franken kosten. Das zeugt auch von der unglaublich breiten Auswahl mit vielen schönen Weinen aus der Bündner Herrschaft und anderen Provenienzen des In- und Auslands, www.paradieshotel.ch

Die schönsten Unterengadiner Bergdörfer: Ftan (Nusstorte in der Bäckerei Cantieni kaufen), Sent, Guarda (Tipp: Drei-Sterne-Hotel Romantica Val Tuoi) und Ardez.

Ausflug in den Nationalpark, der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden ist: Informieren Sie sich im Besucherzentrum in Zernez, www.nationalpark.ch . Dort sind Unterlagen zu insgesamt 21 verschiedenen Wanderrouten im Nationalpark erhältlich. Als Einstieg empfiehlt sich die Tour Nummer 8: Mit Postauto oder Auto ab Zernez Richtung Ofenpasshöhe bis Parkplatz P8 fahren und von dort das Val da Stabelchod und das Val dal Botsch wandernd entdecken (Wanderzeit gut 2 Stunden, 500 Höhenmeter). Das Hotel Parc Naziunal Il Fuorn direkt an der Strasse, die Zernez mit dem Münstertal verbindet, lädt zum Einkehren in der Bündner Arvenstube (Gerstensuppe, Capuns!) oder zum Übernachten ein. Es ist das einzige Hotel im Schweizerischen Nationalpark, www.ilfuorn.ch

Autor: Reto E. Wild

Fotograf: Reto E. Wild