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03. Januar 2017

Zorros Nacht auf dem Polizeiposten

Am 8. Januar startet Monika Fasnachts neue Tiersendung im Schweizer Fernsehen. Für eine Folge hat sie Joli Jetzer und ihren Zwergziegenbock Zorro besucht. Der war vor zwei Jahren unter mysteriösen Umständen aus seinem Gehege verschwunden. Eine tierische Geschichte mit Happy End. Dazu der Trailer und ein Video mit Hundetrainerin Fasnacht und ihrem Filou (unten). Und: Gewinnen Sie das Bilderbuch «Zorro und Stripe»!

Legolas, Mogli und Joujou meckern und schreien lautstark. Auch Zorro wirkt nicht gerade glücklich. Eben hat Joli Jetzer (32) den schwarzen Zwergziegenbock aus dem gemeinsamen Gehege genommen, damit ihn der Fotograf besser in Szene setzen kann. Und das passt Zorros Gefährten gar nicht. «Zwergziegen sind Herdentiere», erklärt Jetzer, «sie mögen es überhaupt nicht, wenn eines von der Gruppe getrennt wird.» Das macht jene Oktobernacht 2014 umso mysteriöser, als Zorro ganz allein und laut klagend durch die nächtlichen Strassen von Baar ZG streifte, bis Anwohner die Polizei alarmierten.

Kindergärtnerin Jetzer wohnte damals noch in der Zuger Kleinstadt, das Gehege mit den Ziegen war etwa fünf Minuten von ihrer Wohnung entfernt. Am Abend hatte sie die Tiere gefüttert und war dann nach Hause gegangen. «Zorro würde sich niemals einfach so von den anderen entfernen», sagt Jetzer, «zudem würden die einen Riesenlärm machen, wenn ihn jemand mitnimmt.»

Doch davon hat niemand etwas mitbekommen. Das Gehege war auch am folgenden Tag noch abgeschlossen, einzig der Zaun an einer Stelle etwas eingedrückt. Hat jemand Zorro gepackt und über den Zaun gehoben? «Dafür müsste man ziemliche Kraft haben», sagt Jetzer.

Mit Zorro verschwand auch Stripes, ein altes Kaninchenweibchen, das gemeinsam mit den Ziegen im gleichen Gehege lebte. Zudem war es eine Vollmondnacht, was Jetzer auf eine wilde Idee brachte: okkulte Gruppierungen. «Ich habe danach viel darüber gelesen: Schwarze Ziegenböcke symbolisieren den Teufel, und Kaninchen werden gern bei Ritualen geopfert.» Ob es sich tatsächlich um solch finstere Machenschaften handelte, weiss bis heute niemand, umso mehr, als auch Kaninchen Stripes lebend wieder auftauchte, was ihre Besitzerin jedoch erst einen Monat später erfuhr.

Irritiert, aber friedlich: Zorro in der Tiefgarage der Zuger Polizei.
Irritiert, aber friedlich: Zorro in der Tiefgarage der Zuger Polizei.

Irritiert, aber friedlich: Zorro in der Tiefgarage der Zuger Polizei.

Zorro verhielt sich vorbildlich

Die alarmierte Zuger Polizei rückte in jener Nacht jedenfalls aus, um den lärmenden Zorro einzufangen, was ohne grössere Probleme gelang. «Zorro hat sich während des Einsatzes und seines Aufenthalts bei uns absolut vorbildlich verhalten», sagt Mediensprecherin Judith Aklin. «Er hat zwischendurch zwar etwas gemeckert, ansonsten hatten wir aber überhaupt keine Probleme mit ihm.»

Da seine Ohrenmarke abgebrochen war, konnte die Polizei seine Besitzerin nicht eruieren und brachte das Tier vorerst in der Tiefgarage in einem mobilen Warteraum unter, in dem bei Bedarf auch Demonstranten für kurze Zeit platziert werden. Er bekam Wasser und Äpfel, derweil eine Mitteilung an die Medien rausging, dass man den Besitzer einer ausgebrochenen Zwergziege suche.

Joli Jetzer bekam davon ­jedoch nichts mit – weder von Zorros Verschwinden noch von der Suche. Die Polizei recherchierte am nächsten Vormittag unter anderen Ziegenbesitzern der Region, erreichte schliesslich Jetzers Vater telefonisch, der dann seine Tochter informierte. Bereits am Nachmittag holte sie Zorro bei der Polizei in Zug ab und spazierte mit ihm an der Leine zurück nach Hause. «Er hat die Nacht gut überstanden, die Polizei hat sich prima um ihn gekümmert. Spannend war, dass ich auf dem Heimweg mehrmals angesprochen wurde. Offensichtlich hatten viele Leute die Nachricht in den Medien gesehen – nur ich nicht», erzählt sie und lacht.

Dank Migros-Magazin nun auch im Fernsehen

In den nächsten Tagen wurde Zorro zum nationalen Medienstar. Doch damit war die Geschichte nicht zu Ende. Etwa ein Monat später entdeckte Jetzer ein Foto von Stripes in einem Inserat eines Tierheims. Das Kaninchen war im gleichen Quartier wie Zorro von einer Anwohnerin gefunden worden, am Morgen nach dem Verschwinden aus dem ziemlich weit entfernten Gehege. Sie brachte Stripes ins Tierheim, wo die überglückliche Jetzer, die von Kleinauf immer Kaninchen gehalten hatte, sie unversehrt wieder abholen konnte. Die ganze Geschichte verewigten Jetzer und ihre Freundin Manu Müller später auch noch als Bilderbuch für Kinder.

Und als Jetzers Mutter vor zwei Monaten den Aufruf im Migros-Magazin sah, sich mit interessanten Tiergeschichten beim Schweizer Fernsehen für eine neue Sendung zu melden, zögerte die Kindergärtnerin nicht lange. «Bereits zwei Tage später kam ein Anruf», sagt sie. Monika Fasnacht, die mit ihrem Hund Filou durch die Sendung führt, spricht von einer perfekten Geschichte: «Es haben sich viele Leute mit Hunden und Katzen gemeldet, das macht jedes andere Tier besonders interessant. Und Zorros Geschichte hat so viele verschiedene Aspekte, das ist ideal für uns.»

Joli Jetzer füttert Zorro, derweil Herdenchef Legolas (Mitte) klarstellt, wer der Boss im Gehege ist.
Joli Jetzer füttert Zorro, derweil Herdenchef Legolas (Mitte) klarstellt, wer der Boss im Gehege ist.

Joli Jetzer füttert Zorro, derweil Legolas (Mitte) klarstellt, wer der Boss im Gehege ist.

Für die Dreharbeiten reisten Fasnacht, Filou und eine fünfköpfige TV-Crew nach Allenwinden ZG, wo Jetzer mit ihrem Mann im obersten Stock eines alten Bauernhauses lebt; das Gehege mit vier Ziegen und zwei Kaninchen befindet sich direkt neben dem Haus. Stripes ist vor zwei Monaten eines natürlichen Todes gestorben, aber Zorro, der bald zehn Jahre alt wird, geht es noch immer bestens, «auch wenn er altersbedingt nicht mehr so gerne spazieren geht wie früher», wie seine Besitzerin erzählt.

Während das SRF-Team mit Jetzer im Gehege dreht, muss Filou davor warten. «Zwergziegen und Hunde – das ist ein eher schwieriges Verhältnis», sagt Fasnacht. «Und die haben ja auch ziemliche Hörner.» Legolas, der Chef der kleinen Gruppe, sieht sich dann auch mehrmals veranlasst klarzustellen, dass er im Gehege der Boss ist – Zorro hin, Kameracrew her. Ansonsten läuft aber alles rund, abgesehen von der Kälte, die nach drei Stunden alle spüren. «Eine spannende Sache», findet Joli Jetzer, der die Dreharbeiten grossen Spass gemacht haben. «Ich bin schon neugierig, wie das dann im Fernsehen aussieht.

Der SRF-Trailer zur Sendung «Tiergeschichten – unterwegs mit Monika und Filou»

Die erste Ausgabe von «Tiergeschichten – unterwegs mit Monika und Filou» läuft am Sonntag, 8. Januar, 18.15 Uhr auf SRF 1. Zorros Geschichte wird am 29. Januar ausgestrahlt.

Joli Jetzers Bilderbuch-Abenteuer «Zorro und Stripes» kann hier bezogen werden.

Dazu verlost das Migros-Magazin bis 8. Januar 10 Exemplare im Glücksgriff.

DIE HUNDETRAINERIN

Monika Fasnacht mit ihrem Hund Filou. (Video: R. Ruis)

Weitere tierische Storys

53 Geschichten bekam das Schweizer Fernsehen nach dem Aufruf im Migros-Magazin letzten Oktober. Neben derjenigen über Zorro wird das SRF noch fünf weitere Storys für Monika Fasnachts neue Tiersendung umsetzen:

Akimo freut sich über seine Rettung.
Akimo freut sich über seine Rettung.

Dramatische Rettung in den Bergen: Der Golden Retriever Akimo klettert im Oktober 2016 bei einer Bergwanderung in Bellwald VS zu einem Bergbach hinunter, rutscht immer weiter ab und schafft es nicht mehr zurück – unter ihm geht es 70 Meter in die Tiefe. Seine Menschen, ­Familie Potthast aus Safenwil AG, alarmieren die Bergrettung, die es schliesslich schafft, den Hund in Sicherheit zu bringen.

Ein verstossenes Schaf wird zum Haustier: Böbbele wurde als einziges schwarzes unter lauter weissen Schafen geboren und von der Herde verstossen. Landwirt Laurenz Pfister-Bruhin aus Tuggen SZ zieht den kleinen ­Aussenseiter also von Hand auf – seither lebt Böbbele mit einem Berner Sennenhund und zwei Eseln in einer Art WG auf dem Bauernhof.

Hündin begleitet Herrchen in den Tod: Der Schock bei Reto Kellerhals und seiner Frau ist gross, als er die Diagnose Dickdarmkrebs erhält. Ihre Terrierhündin Leila gibt beiden Kraft und ist auch ganz nah bei ihm, als Reto schliesslich stirbt. Heute spendet sie seiner Witwe in Münchenstein BL Trost und hilft ihr, mit der Trauer umzugehen.

Es ist gar nicht so leicht, mit dem Hochzeitskleid auf ein Pferd zu klettern.
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Auf dem Pferd zur Hochzeit: Reittherapeutin und Pflegefachfrau Manuela Widmer aus Tuggen SZ arbeitet schon seit einiger Zeit mit ihren Pferden, um Kindern mit ADHS oder Erwachsenen mit Depressionen zu helfen. Für sie geht ein grosser Wunsch in Erfüllung, als sie für ihre Hochzeit 2010 mit ihrem Brautkleid auf dem Wallach Benji bis zur Kirche reiten kann – wie eine echte Prinzessin.

Ein Ochse entkommt dem Schlachthaus: Lurchi wurde von seiner Mutter nicht angenommen und deshalb von der Bauernfamilie Jäger in Peist GR von Hand aufgezogen. Wenn die Töchter mit dem irischen Dexter-Ochsen am Halfter durchs Dorf spazierten, wurde er oft mit einem grossen Hund verwechselt. Weil er auch als ausgewachsenes Tier zutraulich bleibt, wird er nicht geschlachtet, sondern zieht nun einen Wagen und sorgt beim grossen Alpabzug am Internationalen Walsertreffen in Arosa GR für Furore.

Das Schweizer Fernsehen ist noch immer an weiteren berührenden oder besonderen Tiergeschichten interessiert: tiergeschichten@srf.ch

Autor: Ralf Kaminski

Fotograf: Daniel Winkler