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05. Oktober 2015

Zeit, Adieu zu sagen

Also dann, bis im nächsten Frühling, heisst es nun für Weinbergschnecken, Rüebliraupen, Molche und viele andere Mitbewohner im Naturgarten.

Zeit Adieu zu sagen
Zeit, Adieu zu sagen
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Wenn der Buntspecht am alten Weissdornstrunk erscheint, der Zaunkönig durchs Unterholz der Hecke huscht, die ersten Blätter am Holunder ihre Farbe dem goldenen Licht der tief stehenden Sonne anpassen und die Früchte der wilden Rosen purpurn aus dem Gebüsch blinzeln, wird es Zeit auch im Naturgarten zur Sense, oder - mit den Worten von Frau Bohnebluescht, - zum Zweihänder zu greifen.

Bevor raue Herbstwinde den über zwei Meter hoch gewachsenen Wasserdost zu Boden drücken, werden nun die Stauden geschnitten. Unerbittlich sirrt die Sägesse durch Wilde Minze, Storchenschnabel, Wolfsmilch und Hexenkraut. Nur die Weidenröschen werden verschont, da sie sich noch mit einigen Blüten schmücken. Auch Sonnenblumen und Karden bleiben für unsere gefiederten Gartenbesucher stehen.

An den Teichen müssen Spierstauden, Blutwurz, Seggen und Binsen zurückgeschnitten werden, von Mitte Oktober bis Ende November spannen wir dann Auffangnetze die dafür sorgen, dass die Weiher nicht mit dem fallenden Laub zugefüllt werden.

Ein im Gebüsch versteckter Grashüpfer, es ist die Punktierte Zartschrecke, rettet sich mit einem bemerkenswerten Sprung an die Hausmauer. Sie wird den nächsten Frühling nicht mehr erleben und nach den goldenen Oktobertagen in die ewigen Jagdgründe übersiedeln.

Auch der wunderschönen Mosaikjungfer bleibt das gleiche Schicksal nicht erspart. Wohl ein letztes Mal funkeln ihre saphirblauen Augen in der Herbstsonne, wenn sie mit glitzernden Flügeln über das Wasser fliegt.
Die Raupe vom Schwalbenschwanz macht sich daran ihr letztes und schönstes Gewand auszuziehen, das mit den samtschwarzen Bändern und den feinen Reihen roter Punkte, die wie Rubinen in Lichte glänzen. Es wird ersetzt durch einen unscheinbaren grünen oder braunen Puppenmantel, in dem sie scheinbar leblos den Winter verbringt. Doch darin vollziehen sich ein zauberhafter Wandel und ein Reifen zu einer höheren Vollendung ihres Daseins im nächsten Frühling, wo sie dann als leichtbeschwingter, bunter Schmetterling durch den Garten schwebt.

Familie Maus hat sich mit einem reichlichen Vorrat an Haselnüssen eingedeckt.

Auch für die Weinbergschnecken wird es Zeit ihre Haustüre mit einer stabilen Kalkschicht zuzumauern.

Jeder der unzähligen Gartenbewohner hat seine eigene, raffiniert ausgeklügelte, Strategie den Winter zu überdauern und Adieu zu sagen, bis im nächsten Frühling sich alle Knospen und Rispen wieder öffnen, das Summen und Brummen über der Blumenwiese anschwillt und im Weiher das leise Gurren der Grasfrösche vernommen wird.