Archiv
24. März 2014

Zehn erfolgreiche «Hobbyschreiber»

Manche Buchautoren verdienen ihre Brötchen eigentlich als Lehrer, Maler oder Polizist. Die zehn Schweizerinnen und Schweizer, die immer noch in der Freizeit schreiben oder ihr Hobby zum Beruf machten.

Berufsmusiker Endo Anaconda hat schon mehrere Bücher geschrieben
Berufsmusiker Endo Anaconda hat schon mehrere Bücher geschrieben (Bild: Keystone).

Morgens auf Streife, in der Tierarztpraxis oder im Malatelier und abends am Computer. Zahlreiche Autoren gehen tagsüber einer geregelten Arbeit nach und schreiben nach Feierabend oder am Wochenende das nächste Kapitel ihres aktuellen Buchs. Zehn Autoren, die ursprünglich etwas ganz anderes lernten.

Der Pfarrer

Als studierter Theologe arbeitete Ulrich Knellwolf seit 1969 als reformierter Pfarrer in Urnäsch, Zollikon und Zürich. In dieser Zeit veröffentlichte der 71-Jährige über 15 Kriminalromane, Weihnachtsgeschichten und theologische Essays. Sein aktuellstes Werk heisst «Die Erfindung der Schweizergeschichte im Löwen zu Olten». Er war dort aufgewachsen und hatte die Schule besucht.

Der Maler

Der 55-jährige Stefan Haenni erreichte bereits Mitte der 80er-Jahre durch Porträts der Mundartband Züri West und der Künstlerin Meret Oppenheim erste Berühmtheit. In den vergangenen fünf Jahren entdeckte der Thuner das Schreiben und veröffentlichte drei Romane um den Detektiv Hanspeter Feller. Hauptberuflich arbeitet Haenni als Gymnasiallehrer für bildnerisches Gestalten.

Die Politikerin

Ruth Erat, Doktorin der Philosophie, arbeitete lange Jahre als Lehrerin am Lehrerseminar in Rorschach. Darüber hinaus sass sie zehn Jahre für die SP im Gemeinderat von Rheineck und vier Jahre im Kantonsrat St. Gallen. Für ihre Bücher wurde sie unter anderem mit dem Buchpreis des Kantons Bern ausgezeichnet.

Der Tantralehrer

Einen speziellen Beruf hat Daniel Odier (68) aus Genf. Er ist Tantralehrer und reist noch heute rund um die Welt, um Vorträge und Seminare zu halten. Er veröffentlichte sowohl Sachbücher zu seinem Spezialgebiet als auch Kriminalromane. Letztere allerdings unter dem Pseudonym Delacorta. Einige davon wurden in 14 Sprachen übersetzt und dienten auch als Filmvorlagen.

Die Polizistin

Die zweifache Mutter Irène Mürner hat ein bewegtes Leben hinter sich. Bis zum Grounding der Swissair arbeitete die 41-Jährige als Stewardess und liess sich anschliessend zur Polizistin ausbilden. Während neun Jahren jagte sie Verbrecher, um danach das Erlebte in Kriminalromanen zu verarbeiten. Ihr Erstlingswerk «Herzversagen» erschien im vergangenen Jahr.

Der Bauer

Der in Basel geborene Jean-Pierre Rochat (60) liess sich vor Jahren in Vauffelin, eine kleine Gemeinde im Berner Jura nieder. Dort züchtet er seit 1974 Freiberger-Pferde. Sein erstes Buch veröffentlicht er mit knapp 30 Jahren, dem mehr als zehn weitere folgen. Das neuste Werk heisst «L’Ecrivain suisse allemand», das letztes Jahr mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet wurde.

Der Tierarzt

Er arbeitete lange Jahre am Institut für Veterinär-Pathologie der Universität Zürich. Der heute 68-jährige Felix Mettler studierte Tiermedizin und begann weit vor seiner Pensionierung mit dem Schreiben. Sein 1990 erschienener Roman «Der Keiler» diente als Vorlage für den Film «Tod eines Keilers» mit Joachim Kròl. Das neuste Werk heisst «Pralinen, Sherlock und ein Teddybär».

Der Journalist

Über ein Jahrzehnt war Peter Haffner (60) für das NZZ Folio tätig. Heute lebt der Journalist in Kalifornien und arbeitet für die Tagesanzeiger-Beilage «Das Magazin». Insgesamt publizierte der studierte Philosophe fünf Bücher, eins davon unter dem Pseudonym Louis P. Laskey. Das aktuellste heisst «Grenzfälle» und dreht sich um Haffners Erlebnisse als Grenzgänger.

Der Regisseur

Seine Figur in insgesamt vier Kriminalromanen heisst Simon Tanner und ist im Berner Seeland zu Hause. In «Salamander» geht's um eine sektenähnliche Gemeinschaft, die ein ganzes Dorf besiedelt. Hauptberuflich arbeitete der Autor Urs Schaub als Regisseur für das Stadttheater Bern, die Kaserne in Basel und den Literaturclub des Schweizer Fernsehens.

Der Musiker

Der Sänger der Schweizer Mundartband «Stiller Has», Endo Anaconda, ist im ganzen Land bekannt. Nur wenige wissen dagegen, dass Andreas Flückiger, wie der Künstler mit bürgerlichem Namen heisst, mehrere Bücher veröffentlichte. Es sind Sammelbände seiner Kolumnen, die er wöchentlich für die Berner Zeitung, den Bund und den Tagesanzeiger verfasste.

Autor: Reto Vogt